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Schweiz Spass oder Sucht: Jugendliche im Netz

Ist die Abhängigkeit vom Internet in der Schweiz wirklich kein Thema, wie der Bundesrat vor drei Jahren konstatierte? Tatsächlich verbringen viele junge Menschen etliche Stunden täglich online. Und das Abschalten, im eigentlichen Sinn, fällt ihnen schwer.

Drei junge Frauen gucken auf ihr Smartphone.
Legende: Jugendliche in der Schweiz verbringen im Durchschnitt zwei Stunden täglich online. Keystone

Das Smartphone gezückt steht ein Jugendlicher am Bahnhof Bern. Er tippt eine Nachricht ein. Auf die Frage, wie oft und wofür er online sei mit dem Smartphone, sagt er: «Mehrmals täglich – Kollegen schreiben, etwas nachgucken im Internet, Social Media.»

Er schätzt, dass er damit höchstens zwei Stunden täglich verbringt. Wesentlich mehr Zeit online mit ihrem Smartphone verbringt eine 19-Jährige: «Ich verbringe sicher fünf bis sechs Stunden damit: Facebook, Instagram und Whats App.»

Bundesrat sieht keine Online-Sucht in der Schweiz

Immer vernetzt und informiert bleiben, selber Fotos machen und hochladen, chatten – auch besagte junge Frau will wissen, was geht: «Wirklich online bin ich nicht soviel. Aber ich schaue sehr häufig, ob mir jemand geschrieben hat.»

Der Bundesrat ist vor drei Jahren zum Schluss gekommen, dass Online-Sucht in der Schweiz kein verbreitetes Problem sei. Dies, obwohl fast jede und jeder Internet-Zugang und ein Smartphone hat. Im Schnitt sind junge Menschen zwei Stunden täglich im Netz.

Freiwillig offline sein fällt vielen schwer

Der Kinder- und Jugend-Psychiater Oliver Bilke-Hentsch sagt, das stimme immer noch. Er geht etwa von ein bis zwei Prozent Süchtigen aus und zehn bis 15 Prozent, die einen problematischen Umgang mit online sein haben: «Man muss hier sehr klar unterscheiden zwischen Jugendlichen, die in einer bestimmten Phase etwa intensiv gamen oder chatten und solchen, die faktisch den ganzen Tag nichts anderes mehr machen.»

Wer nur noch in der virtuellen Welt lebe, der komme ohne Hilfe nicht mehr heraus, sagt der Spezialist für Medienstörungen. Doch wenn es ums Abschalten gehe, seien alle gefragt, auch die Erwachsenen und die Eltern. Denn freiwillig offline sein, fällt vielen schwer, unabhängig vom Alter.

Deshalb rät auch Isabel Willemse, die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen. Die Psychotherapeutin im Bereich Online-Sucht lehrt an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Zürich: «Erwachsene müsse Vorbilder sein und zuhause müssen klare Regeln herrschen.»

9 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Stauber, Reinach
    Der Internetkonsum von uns Jugendlichen ist meiner Meinung nach sehr beängstigend. Ohne Facebook, Whatsapp, Instagramm... ist es für viele kaum mehr auszuhalten obwohl das Meiste was über diese Medien kommunziert wird nur Müll ist. Gespräche mit Tiefgang werden dadurch immer seltener.
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Wir entwickeln uns scheinbar Richtung "The Outer Limits - Stream of Consciousness".
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  • Kommentar von M. Steiner, Winterthur
    Jeden Morgen dasselbe Schauspiel im Pausenraum unserer Firma: unsere Jungspunte hocken zu etwa sechst am Tisch. Sie schweigen sich komplett an. Jeder tippselt an seinem Smartphone herum. Die ganze Zeit. Ich finde das befremdend. Aber möglicherweise sind solche Treffen die Reduktion des sozialen Zusammenseins auf die pure Nestwärme, ohne den störenden Faktor der Kommunikation? Psychologen, bitte erklären!
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