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Spitzensport & Studium Sportler sollen Teilzeit studieren können

Spitzensportlern soll das Studium an Unis erleichtert werden. Wieso das nötig ist, veranschaulicht die Reportage über die Spitzenkletterin Petra Klingler.

Legende: Video Spitzensport und Uni abspielen. Laufzeit 1:52 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 18.09.2017.

Petra Klingler steht vor einer hohen Wand in der Kletterhalle Milandia in Greifensee/ZH. Die 25-Jährige hakt sich am Sicherungsseil ein, reibt sich Magnesium auf die Hände und fasst zwei rote Griffe an der Wand. Dann klettert sie flink wie Spiderman die Wand hoch und lässt sich danach am Sicherungsseil wieder herunter.

20 Stunden Trainning pro Woche

Etwa zehnmal meistert sie die senkrechte Wand in horrendem Tempo – als ob sie die Wand hochrennen würde. Und das ist erst der Anfang ihres Trainings. Seit Klinglers Kindheit ist das Sportklettern ein wichtiger Teil ihres Lebens; Woche für Woche verbringt sie mehr als 20 Stunden in der Kletterhalle.

Die aktuelle Kletter-Weltmeisterin ist aber auch Studentin der Psychologie und des Sports. Das schafft Probleme: «Mein Saisonhöhepunkt ist zur gleichen Zeit, wie die Prüfungen. Das ist sehr unglücklich», sagt sie. Ausserdem bestünden Anwesenheitspflichten an der Uni, weshalb sie schon habe Wettkämpfe ausfallen lassen müssen.

Junge Frau an einer Kletterwand, von oben fotografiert.
Legende: Weltmeisterin Petra Klingler: Spitzensport und Studium kommen sich manchmal in die Quere. zvg

Uni kam ihr zunächst wenig entgegen

Sie hätte sich erhofft, dass ihr die Universität entgegenkäme, auch wenn sie wegen eines Wettkampfs eine Pflichtlektion verpasst: «Ehrlich gesagt, bin ich etwas enttäuscht.» Sie habe sich vor dem Studium zum Thema informiert, worauf es von der Uni geheissen habe, da würden schon Lösungen gefunden.

Erst nachdem ich meinen ersten Weltcup-Sieg gefeiert hatte, kam mir die Uni entgegen.
Autor: Petra KlinglerSpitzensportlerin und Studentin

Doch es habe sich gezeigt, dass sie für jeden Anlass eine offizielle Bestätigung einreichen musste, was einen grossen Aufwand bedeutet habe – zudem seien die Gesuche dann trotzdem abgelehnt worden.

«Erst nachdem ich meinen ersten Weltcup-Sieg gefeiert hatte, kam mir die Uni entgegen.» So habe sich die Situation verbessert. Dank dem sportlichen Erfolg konnte Klingler schliesslich mit verschiedenen Dozenten spezielle Ausnahmeregelungen vereinbaren.

Eine Art Teilzeit-Modell fürs Studium

Als Jugendliche besuchte Klingler das Sportgymnasium. Die spezielle Mittelschule für Athletinnen und Athleten dauert ein Jahr länger bis zur Matur, dafür bleiben die Nachmittage frei fürs Training.

Eine Art Teilzeitmodell würde Klingler auch fürs Studium begrüssen. Doch momentan fehle dies, und das sei für viele Sporttalente ein grosses Hindernis. Weil sich die vielen Trainingsstunden, die Wettkämpfe und die Präsenzzeiten an der Uni nicht vereinbaren liessen hätten viele ihrer Schulkameraden den Spitzensport aufgegeben.

Eine Art Teilzeit-Studium für Spitzensportler

Die gemeinsame Erklärung von Swiss Olympic und den Schweizer Unis sieht vor, dass die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums für Spitzensportler auszuweiten. Konkret sollen die einzelnen Hochschulen in möglichst vielen Studiengängen Modelle für Teilzeitstudien entwickeln, Sportlern sollen Ausweichtermine für die Semesterprüfungen angeboten werden. Ziel ist zudem eine bessere Beratung und Begleitung von studierenden Spitzensportlen. Das dazu erforderliche Netzwerk für die Vereinbarung von Spitzensport und Studium in der Schweiz soll nachhaltig etabliert werden, heisst es in der Absichtserklärung. (sda)

Klarheit schaffen

Bei der Spitzen-Kletterin stossen die jetzt von Swissolympic und den Universitäten bekannt gegebenen Ideen auf offene Ohren. Aus ihrer Sicht wären fixe Ansprechpersonen für Sportler das Wichtigste: «Es braucht eine Anlaufstelle und ein klar aufgebautes System», sagt Klingler.

Sie ist überzeugt, dass mit kreativen Ideen ohne grossen Aufwand Lösungen etabliert werden könnten, so etwa indem eine Semesterprüfung an einem anderen Termin an einer anderen Uni absolviert werden könnte, wenn der Lehrgang übereinstimmt. Immerhin: Klingler ist zuversichtlich, dass das Problem der Vereinbarkeit von Spitzensport und Studium jetzt erkannt ist.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Einige der Sportleuchttürme haben nie eine Uni besucht,viele haben aber einen Lehrabschluss.Sind die etwa weniger wert?
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Statt Sp(r)itzen- und Profi(t)sport zu fördern und zu subventionieren, würde man besser wieder "back to the rootes" gehen, d.h. Sport im Sinne von Erholung und Gesundheitsförderung propagieren, statt junge Leute zu motivieren, ihre Energie für volkswirtschaflich sinnloses und betreffend Gesundheit kontraproduktives zu verschwenden.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Sie sollten bitte damit aufhören, sämtliche Leistungs,- Profisporter betr. Doping unter Generalverdacht zu stellen. Ist doch positiv, finden sich junge Menschen, welche ein Ziel vor Augen haben & dafür auf vieles verzichten. Sehen sie es als gute Inverstition in unsere Jungen. Und ehrlich, wieviele der Smartphone-Generation betreibt freiwillig Sport? Meine, die einzigen Körperteile, welche da täglich trainiert werden, sind Daumen für die Bedienung ihres Smarphones.
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    2. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Nein, Herr Waeden, diese Art von Investition ist eben eine ganz schlechte. Letztendlich ruinieren sie damit ihre Gesundheit (das US Open lässt grüssen, 4 der Topspieler mussten sich sportgeschädigt abmelden) und der Gesellschaft fehlen immer mehr talentierte, ehrgeizige Junge, die sich für etwas einsetzen, was der Gesellschaft etwas (vorwärts) bringt, statt andere nur zu animieren, Passivsport vor dem Handy und dem TV zu betreiben. Aber es gilt wie bei den alten Römern: "Brot und Spiele" :-(
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    In der bedächtigen Schweiz geht alles etwas langsamer wie an anderen Orten - sie merken sehr späht , dass der Name SWISS von niemandem mehr, wie von Spitzensportlern in die Welt getragen wird . Das Paradebeispiel ist Federer und die Nati . Federer müsste alleine für CH -Werbung einige Millionen zusätzlich erhalten - als Patriot strahlt er gratis weltweit den coolen Schweizer aus .
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    1. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Entschuldigung, Herr Kaiser, aber glauben Sie den wirklich, dass nur ein Tourist wegen Herrn Federer oder der Nati zusätzlich in die Schweiz kommt oder dass bei einem Auftrag ein Schweizer Unternehmen zum Handkuss kommt? Machen Sie z.B. wegen Nadal Ferien in Spanien?
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