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Übersetzer im Spital Sprachbabylon im Krankenzimmer

Legende: Audio In Spitälern werden Dolmetscher immer wichtiger abspielen. Laufzeit 05:47 Minuten.
05:47 min, aus Echo der Zeit vom 22.07.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer sich in einem Spital behandeln lässt, hat Anspruch darauf, korrekt informiert zu werden – auch, wenn er die Sprache nicht spricht.
  • Die Kantone sind deshalb verpflichtet, Übersetzer aufzubieten.
  • Die Nachfrage nach dieser Dienstleistung steigt, wie das Beispiel des Kantonsspitals Aarau zeigt.

Es ist ein ungutes Gefühl für Chefarzt Hendrik Köhler, wenn er seine Patienten nicht versteht. Gerade hat er einen Jungen untersucht und die Mutter befragt. Beide sprechen nur Türkisch. Die Dolmetscherin Aynur Cigerli musste übersetzen. Türkisch ist eine von 37 Sprachen, die am Kantonsspital Aarau zurzeit übersetzt werden. Auch Farsi, Arabisch, Tamilisch oder Albanisch gehören dazu.

Die Familie ist nicht immer die erste Wahl

Naheliegend wäre es, deutsch sprechende Familienangehörige um Hilfe zu bitten. In den Spitälern verzichtet man aber bewusst darauf. Eine professionelle Distanz sei auch bei Übersetzungen wichtig, sagt Hendrik Köhler, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche im Kantonsspital Aarau.

Manchmal versteht ein Kind die Krankheit nicht richtig oder es scheut sich, den Eltern schlechte Nachrichten zu übersetzen
Autor: Hendrik KöhlerArzt im Kantonsspital Aarau

Übersetzten etwa Kinder für ihre Eltern, entstünden oft ungute Situationen. «Manchmal versteht ein Kind die Krankheit nicht richtig oder es scheut sich, den Eltern schlechte Nachrichten zu übersetzen», so Köhler.

Für solche Nachrichten ist dann Dolmetscherin Aynur Cigerli zuständig – und sie bereitet sich entsprechend darauf vor. «Ich bin immer froh, wenn ich vorher weiss, dass Tränen fliessen könnten oder geschrien wird», sagt Cigerli.

Es geht auch um kulturelle Unterschiede

Die Arbeit der Dolmtscherinnen und Dolmetscher an den Spitälern ist aber nicht nur sprachliche Übersetzungsarbeit. Es sind auch kulturelle Unterschiede, die übersetzt werden müssen, sagt Rita Bossart, zuständig für die Integration im Kantonsspital Aarau.

«Wenn jemand aus dem asiatischen Raum zum Beispiel die Diagnose Tuberkolose erhält, klingt das für ihn unter Umständen wie ein Todesurteil. Dabei können wir das hier gut behandeln – es ist eine Infektionskrankheit wie jede andere.»

Bis jetzt zahlen noch die Kantone

Dass Heartburn nichts mit Herzschmerz zu tun hat, sondern es sich lediglich um Sodbrennen handelt, ist längst nicht allen klar. Bevor hier lange abgeklärt wird, helfen Dolmetscher mit ihrer Vermittlungsarbeit, Kosten zu sparen. Gleichzeitig stiegen die Übersetzungs-Aufträge in den vergangenen Jahren markant, sagt Rita Bossart. Wurden im Jahr 2009 noch gerade einmal 89 Einsätze von professionellen Übersetzern in Aarau gezählt, waren es vergangenes Jahr bereits 2008.

Gesetzlich sind die Kantone verpflichtet, diese Leistungen anzubieten, denn jeder Patient muss korrekt informiert werden. Bis jetzt tragen diese Kosten noch die Spitäler selber. Das sei eine Belastung, heisst es. Die Spitäler versuchen deshalb nun eine Lösung zu finden, dass Bund oder Kantone sich daran beteiligen.

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51 Kommentare

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  • Kommentar von Ruedi Hammer (Ruedi Hammer)
    Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.
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  • Kommentar von Edi Steinlin (stoni)
    Wir finanzieren alles und dies sogar mit unseren Krankenkassenprämien. Jeder der drei Jahre in unserem Land lebt und sich in der jeweiligen Landessprache nicht verständigen kann, hat Pech gehabt, ob Schule oder Spital, sonst bezahlen wir die Gleichgültigkeit oder Faulheit dieser Leute. Alles andere dürfen unsere "Gutmenschen" zahlen, hier muss eine härtere Linie gefahren werden, sonst kommen wir uns noch "blöder" vor.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    .....wichtig für einheimische PatientenInnen, dass das sie pflegende, betreuende Personal (Ärzteschaft, MPA, Pflegefach- Hilfs-und Betreuungs-Personal, Therapeutisches Personal, Sozialsienste) in Arztpraxen, Spitälern, Kliniken, Senioren-Heimen, auch deren Sprache spricht, was leider vermehrt nicht mehr der Fall ist und es deshalb zu vermeidbaren, teilweise gravierenden Missverständnissen kommt, speziell in der Geriatrie! Das darf nicht sein!
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