SRF-Zuschauerquoten auf hohem Niveau stabil

Seit Anfang Jahr warten Medienschaffende und Werbewirtschaft auf die Zuschauerzahlen. Diese werden seit Januar mit einer neuen Messmethode erhoben. Die Messfirma aber musste die Veröffentlichung mehrmals verschieben. Nun liegen die Zahlen vor. Bei den SRF-Sendern hat sich nur wenig verändert.

Video «TV-Quoten trotz neuer Messmethode stabil» abspielen

TV-Quoten trotz neuer Messmethode stabil

1:35 min, aus Tagesschau vom 5.4.2013

Die Fernsehangebote von Schweizer Radio und Fernsehen haben von Januar bis März im 24-Stunden-Schnitt einen Marktanteil von 31,1 Prozent erreicht. Am Hauptabend waren es 39,1 Prozent. Das geht aus den veröffentlichten Nutzungsdaten hervor, die das Messunternehmen Mediapulse nun freigegeben hat.

SRF1 erreichte 31,1 Prozent am Hauptabend und 20,1 Prozent am ganzen Tag. Für SRF2 waren es 6,6 beziehungsweise 9,2 Prozent und für SRF info 1,4 und 1,8 Prozent. Nur ein kleiner Faktor ist bei SRF die zeitversetzte Nutzung der TV-Angebote.

Quotenstar im ersten Quartal war das Lauberhornrennen am 19. Januar mit einem Marktanteil von 78,1 Prozent. Die vier Folgen der neuen SRF-eigenen Krimiserie «Der Bestatter» kamen durchschnittlich auf stolze 41,6 Prozent. SRF hat kürzlich eine zweite Staffel in Auftrag gegeben.

«The Voice of Switzerland» kam samstags insgesamt auf 33,4 und mittwochs auf 30,3 Prozent Marktanteil. Am beliebtesten war die Show bei den 15- bis 39jährigen. Von ihnen sahen sich 37,8 Prozent samstags und 33,9 Prozent mittwochs die Show an.

Methodenwechsel bei Datenerhebung

Die Zahlen, die vor einem Jahr mit dem alten Messsystem erhoben worden waren, sind beinahe gleich: Alle drei SFR-Sender erreichten 39,5 Prozent am Hauptabend, 30,1 im 24-Stunden-Schnitt. Für SRF1 waren es 31,7 und 20,8 Prozent, für SRF2 6,6 und 7,8 Prozent, für SRF info 1,1 und 1,5 Prozent. «Alles in allem haben wir sehr stabile Werte», sagt SRF-Direktor Ruedi Matter zufrieden.

Grafik TV-Nutzung am Hauptabend

Bildlegende: Nutzung der SRF-Programme am Abend. Im kleinen grauen Kreis die Werte von 2012, die aber nicht vergleichbar sind. SRF

Die nun veröffentlichten Daten lassen sich aber nicht mehr mit denen früherer Jahre vergleichen. Das liegt an einem grundlegenden Methodenwechsel. So sind nicht nur das Fernsehpanel und die Messtechnologie neu, auch die Abbildung der TV-Nutzung ist eine andere: Wurde vor 2013 jeweils nur die Live-Nutzung ausgewiesen, beinhalten die neuen Tageswerte stets auch die zeitversetzte Nutzung bis und mit 2 Uhr nachts (Overnight).

Entlastung durch Expertenberichte

Wegen Problemen mit dem neuen Messsystem von Mediapulse waren im ersten Quartal 2013 bisher keine Daten zu den Zuschauerzahlen bekanntgegeben worden. Einzelne Anbieter hatten moniert, die sie betreffenden Daten seien deutlich schlechter als die mit dem alten System erhobenen Zahlen.

Im Debakel um die Erhebung hatte das dafür zuständige Unternehmen Mediapulse deshalb international anerkannte Experten damit beauftragt, das seit Anfang Jahr angewandte neue System unter die Lupe zu nehmen.

Die Berichte bestätigten, dass das Fernsehpanel eine «stichhaltige und valide Basis» bilde, um Schlussfolgerungen über das TV-Verhalten der Bevölkerung auch auf der lokalen Ebene zu ziehen, schreibt Mediapulse weiter.

Kritik von Telesuisse

Ende letzter Woche hatte aber das Obergericht Nidwalden eine superprovisorische Verfügung erlassen. Demnach darf Mediapulse die erhobenen Zuschauerzahlen vorderhand nicht publizieren und auch nicht an Werbeagenturen abgeben. Diese Verfügung ist noch immer gültig.

Nach Rücksprache mit dem zuständigen Richter beschloss der Mediapulse-Verwaltungsrat aber, die Daten immerhin den TV-Sendern und Vermarktern «zur zweckdienlichen Nutzung» zur Verfügung zu stellen, wie das Unternehmen mitteilte.

Dagegen ist Telesuisse, der Verband der Privatsender, trotz der Expertenberichte nicht einverstanden mit der neuen Messmethode. Die Dachorganisation hat aus den Zahlen für 2013 eine starke Abweichung nach unten gegenüber 2012 festgestellt und findet, dass das System die regionalen Fernsehstationen gefährde.

Die Generalversammlung von Telesuisse empfahl dem Vorstand heute, den Vertrag mit Mediapulse zu kündigen und alternative Modelle zum Messsystem zu prüfen. Ebenso soll der Vorstand beim Bund vorstellig werden.