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Schweiz Städte müssen sich für Rentner rüsten

Die Städte in der Schweiz müssen altersgerechter werden, findet der Städteverband. Eine neue Studie zeigt nämlich: 2030 wird ein Viertel der Menschen in der Schweiz über 64 Jahre alt sein. Und die meisten älteren Menschen gehen erst ins Heim, wenn sie älter als 80 sind.

Ältere Frau auf dem Fussgängerstreifen
Legende: Die Gemeinden werden sich längerfristig auf mehr ältere Menschen einstellen müssen. Keystone/Archiv

Martin Tschirren, stellvertretender Direktor des Städteverbands, findet, die Städte müssten stärker auf die Bedürfnisse älterer Menschen eingehen: «Es wird gewisse Anpassungen brauchen: beispielsweise im öffentlichen Raum und im Verkehr, auch bei der Altenvorsorge und der Betreuung für ältere Menschen.»

So brauche es mehr Pflege zu Hause, mehr Spitex-ähnliche Dienste. Denn ins Heim gehen ältere Menschen erst spät: 77 Prozent der Heimbewohner sind über 80 Jahre alt.

Was aber bedeutet das konkret für eine Gemeinde? Das kann Hansjörg Wilde gut erklären. Er ist Gemeindepräsident von Riehen bei Basel. Dort sind 27 Prozent der Einwohner bereits heute älter als 64 Jahre. Nicht ohne Stolz sagt Hansjörg Wilde: «Wir sind Pioniere. Diese demografische Entwicklung hat bei uns früher eingesetzt als in anderen Gemeinden. Wir haben uns rechtzeitig darauf eingestellt.»

Wohnungen im Dorfkern

Gemeinde und Private bauen in Riehen laufend geeignete Wohnungen für ältere Menschen. Das sind Wohnungen, die nah am Dorfkern liegen und ausgerichtet sind auf Bewohner mit Beschwerden. Jetzt denkt man in Riehen sogar über gemischte Wohnformen nach. Jüngere, noch im Arbeitsprozess stehende Menschen könnten so mit älteren zusammenleben.

Auch den öffentlichen Verkehr richtet die Gemeinde nicht zuletzt auf Senioren aus: «Wir haben Ortsbuslinien, die relativ tief in die Quartiere hineingehen. So ist die Mobilität mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gewährleistet.»

Inzwischen steigt der Anteil älterer Menschen in Riehen kaum noch. Die Gemeinde hat die Entwicklung, die der Schweiz noch bevorsteht, quasi vorweggenommen. Wilde sagt: «Wir können diese Entwicklung in Riehen gelassen beobachten.»

Ältere Menschen sind oft gute Steuerzahler. Allerdings ist dies nicht überall so: Einige Städte und Gemeinden dürfte es teuer zu stehen kommen, ihre Infrastruktur für sie anzupassen.

11 Kommentare

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  • Kommentar von J.B. Chardin, Basel
    Ein Viertel über 64? Das ist ja ein Horrorszenario - Die Schweiz als Geriatrie! Wenn du aus dem weltweiten Ausland zurückkommst, dann fühlst du dich ja bereits jetzt schon im Betagtenheim.
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  • Kommentar von W. Pip, Züri
    Wie war das mit weniger Sitzplätzen in den Zügen und Bussen? Oder der Industrialisierung im Gesundheitswesen? Was wollen wir eigentlich? Auf der einen Seite stehen immer mehr Leute einander auf den Füssen, andererseits bekundet man lauthals Lösungen für die Leidtragenden. Diagnose: Schizophrenie oder Entscheidungsangst. Je nachdem...
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  • Kommentar von Kurt senti, Rüdlingen
    Toll, dass "man" gemerkt hat, dass es überhaupt ältere Menschen gibt. Es dünkt mich, als ob diese Erkenntnis erst durch die derzeitige Welle der "höheren Bildung" ermöglicht wurde.
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