Starker Franken – schwache Arbeiter

Vier Stunden mehr arbeiten und fünf Prozent weniger Lohn. So reagiert die Firma Sauter auf die Eurokrise. Dokumente, die der «Rundschau» vorliegen zeigen: Wenn ein Mitarbeiter diesem Sparprogramm auf seine Kosten nicht zustimmt, dem droht Sauter mit Kündigung.

Es war eine Wahl, die eigentlich keine war: Die 450 Mitarbeiter der Basler Gebäudetechnik-Firma Sauter konnten entscheiden zwischen «Ich bin mit der Kürzung einverstanden» – oder «nicht einverstanden.» Bis Mitte März mussten die Angestellten unterschreiben, ob sie fünf Prozent weniger Lohn zustimmen.

«Änderungskündigung nicht ausgeschlossen»

Wer nicht einverstanden war, dem drohte Sauter: «Eine Änderungskündigung seitens des Arbeitgebers ist nicht ausgeschlossen.»

Der Sauter Konzern begründet die Personaleinsparungen mit dem Euro-Tief. Der Standort Basel schreibe «hohe Verluste. Darum müssen wir sparen, wo es nur geht.»

Bildausschnitt der Änderung des Arbeitsvertrages.

Bildlegende: Wer das Kreuz am falschen Ort setzt, wird entlassen. SRF

«Euro nur ein Vorwand»

Aktuell verweigern laut «Rundschau»-Recherchen rund 70 der 450 Mitarbeiter die Lohnreduktion. Ein Kadermitarbeiter von Sauter sagt im Interview mit der «Rundschau»: «Tochterfirmen von Sauter schreiben Gewinn, der gesamte Konzern ebenfalls – nur das Stammhaus in Basel ist defizitär. Es stimmt Grundlegendes nicht. Der Euro ist nur ein Vorwand für Personaleinsparungen.»

Sauter-CEO Werner Karlen nimmt dazu keine Stellung. Noch Mitte Februar schrieb er den Mitarbeitern, dass die – Zitat – «grossartige Firma (…) auf finanziell festen Beinen steht.» Zwei Wochen später verkündete CEO-Karlen Personaleinsparungen wegen des Euro.

Gewerkschaft: «Missbräuchliches Vorgehen»

Die Gewerkschaft Angestellte Schweiz ist empört über das Vorgehen von Sauter. Sprecher Hansjörg Schmid: «Die angekündigte Lohnreduktion ist ohne Einhaltung der Kündigungsfristen missbräuchlich und hat den Geschmack von moralischer Nötigung.»

Im Kanton Uri hat die Oberflächenbeschichtungs-Firma Impreglon die Arbeitszeit von 42 auf 44 Stunden erhöht. In einer Umfrage mussten die 100 Mitarbeiter in Altdorf ankreuzen: «Ich stimme der 44 Stundenwoche zu.» Oder «kommt für mich nicht in Frage.» Eine junge Mutter setzte das Kreuz an der falschen Stelle – sie wurde entlassen.

«Wer nicht mitzieht, ist weg vom Platz – wie im Fussball»

Impreglon-Chef Bruno Gisler: «Das ist wie im Fussball: Wenn jemand auf dem Platz steht und nicht mitziehen will wenn der Trainer eine Mehrleistung verlangt, der ist weg.»

Laut Firmenchef Bruno Gisler müsse der bisher gewinnträchtige Betrieb wegen dem Euro für ein positives Betriebsergebnis kämpfen.

Die Gewerkschaft Syna spricht von einer «Rachekündigung» und wollte klagen. Die junge Mutter fürchtet jedoch, sie findet dann keine Stelle mehr in der Region.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Druck auf Büezer

    Aus Rundschau vom 8.4.2015

    Der Euro-Schock ist wohl nur ein Euro-Schöckli: Der prognostizierte Einbruch der Wirtschaft findet laut Experten nicht so massiv statt, wie von der Exportwirtschaft befürchtet. Jetzt zeigt sich: Einige Firmen haben die Währungsturbulenzen benutzt, um Arbeitszeiten zu erhöhen und Löhne zu senken. Ist die Euro-Krise nur ein Vorwand, um Personalkosten einzusparen?