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Schweiz Statistiker nach Zuwanderungs-Initiative gefordert

Wie hoch soll und darf die Zuwanderung in die Schweiz sein? Die Frage ist auch nach dem 9. Februar nicht abschliessend beantwortet. Die Wirtschaft wünscht sich gut ausgebildete Fachkräfte. Doch wenn weiterhin so viele Menschen kommen wie bisher, muss der Bundesrat viele Projekte umkrempeln.

Wenn die Verwaltung für den Bundesrat Strategien und Gesetze entwirft, dann stützt sie sich auf Bevölkerungsszenarien des Bundesamtes für Statistik (BFS). Diese schätzen ein, wie stark die Bevölkerung innerhalb von fünfzig Jahren wachsen wird. Drei Varianten werden errechnet: mit einer tiefen, einer mittleren und einer hohen Zuwanderung. Verwenden darf die Verwaltung aber nur das mittlere Szenario.

Die Direktorin des Bundesamtes für Raumentwicklung, Maria Lezzi, sagt: «Wir sind von Bundesseite her verpflichtet, diese zu verwenden.» Doch das mittlere Szenario hat in den letzten Jahren die Zuwanderung massiv unterschätzt. Für das letzte Jahr zum Beispiel ging das BFS davon aus, dass rund 40'000 Ausländer mehr in die Schweiz einwandern als auswandern. Tatsächlich war der Wanderungssaldo aber mehr als doppelt so gross: Über 85'000 Menschen sind unter dem Strich zugewandert.

Prognosen wurden übertroffen

Migrationsströme würden von unterschiedlichsten Faktoren beeinflusst, erklärt der Direktor des BFS, Georges-Simon Ulrich: «Es ist eben etwas schwierig, Aussagen über die Zukunft zu machen. In Teilbereichen kann man das besser, in anderen nicht so gut.» Insbesondere das Voraussehen von Migrationsströmen sei schwierig. «Ungefähr so, wie wenn sie über die Wirtschaftsentwicklung Aussagen machen möchten.»

Fakt ist, dass die Zuwanderung in den letzten Jahren eher dem hohen Szenario des BFS entsprochen hat als dem mittleren. In den letzten drei Jahren hat sie das hohe Szenario sogar deutlich übertroffen. Das bedeutet aber auch, dass die Bundesverwaltung mit zu tiefen Zuwanderungszahlen gerechnet hat.

Auswirkungen auf Verkehr und Energie

Zum Beispiel bei der Energiestrategie 2050: Ginge die Zuwanderung in diesem Ausmass weiter, wären die Ziele der Strategie kaum mehr zu erreichen, weil immer mehr Menschen Strom verbrauchten und damit die sogenannte Stromlücke grösser würde. Oder im Bereich Verkehr: Hier zeigen Berechnungen zu den Verkehrsperspektiven bis 2030 des Bundesamtes für Raumentwicklung, welche Auswirkungen eine Zuwanderung gemäss hohem Szenario hat.

Zahlreiche Pendler drängen in einen Regionalzug 2. Kalsse.
Legende: Werden die Züge dereinst über- oder rappelvoll sein? Keystone

Um über einen Viertel würde der motorisierte Individualverkehr demnach bis in 25 Jahren zunehmen, statt um einen Fünftel wie im mittleren Szenario. Noch dramatischer wären die Auswirkungen beim öffentlichen Verkehr: Um sagenhafte 76 Prozent würden die zurückgelegten Kilometer anwachsen, gegenüber 50 Prozent im mittleren Szenario. Wer heute von überfüllten Zügen spricht, müsste dann wohl von rappelvollen Zügen sprechen.

Leuthard: «Stau gehört zum Leben»

Verkehrsministerin Doris Leuthard versucht zu relativieren. Die Nachfrage nähme auch zu, weil die Menschen immer grössere Strecken zurücklegten: «Wir haben gesagt, die Zuwanderung ist nur etwa die Hälfte der Mobilitätszunahme. Insofern: Man kann diesen Link machen, aber er wird einfach auch nur zur Hälfte dem Problem gerecht.»

Überhaupt dürften Bevölkerungsszenarien nicht überbewertet werden. «Das sind schlussendlich Spiele. Wir werden nie das ganze Mobilitätsbedürfnis abbilden können. Und das ist auch nicht nötig», findet Leuthard. «Ein bisschen im Stau stehen, ein bisschen warten, das gehört zum Leben. Deshalb ist es für uns auch nicht erstrebenswert, jetzt jedes Mobilitätsbedürfnis zu befriedigen.»

Am besten mehrere Varianten hinzuziehen

Es empfehle sich, nicht nur ein Bevölkerungsszenario heran zu ziehen, bilanziert Ulrich, Direktor des BFS: «Was wir den Leuten jeweils raten, ist, dass sie mit verschiedenen Szenarien arbeiten. Aus diesem Grund produzieren wir auch verschiedene Szenarien und Varianten, damit man damit etwas spielen und mit den Annahmen arbeiten kann.»

Hinter vorgehaltener Hand erklären mehrere Verantwortliche aus der Bundesverwaltung, man werde über die Masseneinwanderungsinitiative noch einmal ganz froh sein. Denn damit könne man sich bei der Zuwanderung wieder dem Szenario annähern, mit dem man eigentlich gerechnet habe.

Legende:
Zuwanderung: Vergleich zwischen Bevölkerungsszenarien und Realität BFM (tatsächlicher Wanderungssaldo), BFS (Wanderungssaldi Mittleres/hohes/tiefes Szenario)

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11 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Weder die Masseneinwanderungsinitiative, die Ecopopinitiative noch Schutzklauseln werden an den grössten Posten bei der Einwanderung über den Familiennachzug und über das Asylrecht etwas ändern. Game over!
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Bis heute wurden die Prognose des Bundesamtes für die Zuwanderung um das 10-fache übertoffen. Es braucht keine Wahrsager aus dem Bundesamt, welche nur ihre eigenen Interessen verfolgen. Es könnten vielleicht sogar die eine oder andere Verwaltungsstelle eingespart werden. Ein Blick auf die Realität genügt - die Zahlen der letzten Jahre sind bekannt und müssen nicht mit Spekulationen relativiert werden.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Statistik???? wir muessen ganz einfach "Deckeln"... dH die Bevoelkerung darf nicht mehr wachsen.. Abwanderung wie Einwanderung muessen sich, unter Beruecksichtigung der Geburten wie Todesfaelle, die Balance halten.... Nichts mehr aber auch nichts weniger!!!
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @F. NANNI: Genau! Einen Baum, welcher zu hoch gewachsen ist wird auch zurück geschnitten & dort wo zuviel zusammen wächst wird gerodet & ausgelichtet, damit einzelne Pflanzen genügend Lebensraum haben. Die Menschen für eine unbegrenzte Zuwanderung sollten vielleicht einmal daran denken. Wir sollten unser Land pflegen wie einen Garten. Allzu viel ist ungesund.
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    2. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      @ E.Waeden... Ihr Vergleich mit der Gartenpflege ist super! Da sollte jeder Leser mal nachdenken..
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    3. Antwort von A. Stahel, 8000 Zürich
      @Waeden: Ich spinne den Stuss mal weiter: Der Baum wächst zu hoch, man geht hin und schneidet leistungsschwache (abgestorbene, abgefaulte) oder alte Äste raus, um dem Rest mehr Licht zu verschaffen. Analog dazu also: Die Leute wandern ein und danach wird aussortiert. Die Alten raus (die Altersheime liegen bald eh auf Thailand) und die leistungsschwachen Schweizer auf Kosten der im Schnitt höher qualifizierten Einwanderer hinterher. Toll :)
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