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Steigende Prämien Mission Kostendämpfung

Bundesrat Alain Berset kämpft weiter gegen die Prämienexplosion. Inspiration liefert der Bericht einer Expertengruppe: Sie schlägt eine Obergrenze für Gesundheitskosten vor.

Legende: Video «Ein gutes und bezahlbares Gesundheitssystem» abspielen. Laufzeit 0:33 Minuten.
Aus News-Clip vom 25.10.2017.

Darum geht es: «Weiter, immer weiter!», war das Motto des deutschen Torwart-Titans Oliver Kahn. Und nach dem Scheitern seiner Prestige-Vorlage, der Rentenreform, geht es auch für Sozialminister Alain Berset weiter. Heute nahm er sich einem anderen Dauerbrenner seiner Bundesratskarriere an – und schlüpfte dafür in die Rolle des Gesundheitsministers.

Ende September verkündete Berset die alljährliche Hiobsbotschaft, den Anstieg der Krankenkassenprämien. Heute nun stellte er die Ergebnisse einer international besetzten Expertengruppe vor, die sich knapp zwei Jahre lang mit «Kostendämpfungsmassnahmen zur Entlastung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung» befasste.

Zürcher Stände- und Regierungsrätin Verena Diene
Legende: Die ehemalige Zürcher Stände- und Regierungsrätin Verena Diener war federführend am Bericht beteiligt. Keystone/Archiv

Das Ziel des Berichts: Das klingt technokratisch. Doch die Expertengruppe, die von der Zürcher Alt-Ständerätin Verena Diener geleitet wurde, beschäftigte sich mit drängenden Fragen: Wie kann dem «weit über der Wirtschaftsentwicklung liegenden» jährlichen Kostenwachstum entgegengewirkt werden? Und: Wie meistert das Ausland die Herausforderung explodierender Kosten im Gesundheitswesen, und kann sich die Schweiz daran ein Vorbild nehmen?

Die Ergebnisse des Berichts: Der Bericht kritisiert deutlich, dass sich die beteiligten Akteure «zu wenig in der Kostenverantwortung» sähen, obwohl sie «beträchtlichen Spielraum» hätten, um innovative, kostensparende und effizienzsteigernde Versorgungsmodelle zu entwickeln.

  • Im Bericht schlagen die Experten insgesamt 38 Massnahmen vor. Unter anderem sollen verbindliche Zielvorgaben für das Kostenwachstum eingeführt werden, die nicht überschritten werden dürfen.
  • Weiter empfiehlt die Expertengruppe die Einführung eines so genannten Experimentierartikels, um innovative Projekte zu fördern.
  • Die Verlagerung hin zu ambulanten Behandlungen soll beschleunigt, unnötige Behandlungen mit verstärkter Rechnungskontrolle vermieden werden.
  • Zweitmeinungen sollen gefördert oder die Gesundheitskompetenz der Patienten gestärkt werden. Den Vertragszwang stellen die Experten nicht grundsätzlich in Frage.

Das sagt der Bundesrat: «Wir wollen energisch vorwärts machen», kündigte Gesundheitsminister Berset an. Dabei setze man speziell bei den unnötigen Leistungen an: «Sie bringen keinen Nutzen für die Patienten, sondern kosten nur. Das bestätigt auch die Expertengruppe.»

Die Kosten im Gesundheitswesen seien heute zu wenig transparent, so Berset: «Das muss sich ändern.» Das bereits installierte Monitoring des Bundesamts für Gesundheit soll weiter verfeinert werden und mehr Klarheit schaffen.

Die hohe Qualität des Gesundheitssystems muss erhalten bleiben, aber es muss auch bezahlbar bleiben.
Autor: Alain BersetGesundheitsminister
Berset
Legende: Das Problem ist erkannt, die goldene Lösung lässt auf sich warten: «Alle Akteure» seien in der Pflicht, so Berset. Keystone

Zu den Kostenvorgaben: Wer einen festgelegten Plafond überschreitet, soll sanktioniert werden – etwa mit tieferen Vergütungen. Die Frage, wie eine Überschreitung – etwa bei Röntgenaufnahmen – wirksam verhindert werden soll, müsse aber erst noch geklärt werden.

Nach Angaben des Bundesrats befindet sich etwa ein Drittel der vorgeschlagenen Massnahmen bereits in der Umsetzung oder in der Planung. Die Konkretisierung der übrigen Vorschläge soll Bersets Innendepartement nun an die Hand nehmen.

KK-Prämienanstieg in den Kantonen

Der Vertragszwang

Es handelt sich um eine Art heilige Kuh im Gesundheitswesen: Die Krankenkassen müssen die Leistungen aller zugelassenen Ärzte vergüten. Unter dem Regime der Vertragsfreiheit könnten sie sich an die günstigsten oder besten Mediziner halten. Das Modell erfreut sich wachsender Beliebtheit, vor allem bei den rechtsbürgerlichen Parteien.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von markus aenishaenslin (aenis)
    Herr Bundesrat sie umgeben sich mit falschen Leuten. Bundes Bern ist verseucht mit einer Geld und Pfrund Lobby. Gehen Sie auf die Strasse, sie sitzen in einen Glaskasten, erkundigen Sie sich bei den einfachen Leuten. Die können Ihnen genau sagen wo der Schuh drückt und was unwillkürlich die Kosten in die Höhe treibt. Geben Sie Ihnen eine Internet Plattform in dem Sie Ihnen Tipps, Anregungen und Kritik geben könnten.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    So kann es nicht weiter gehen, hier ist das Parlament und der Bundesrat in der Pflicht, endlich Nägel mit Köpfen zu machen und den Aerzten, Pharmamultis, Krankenkassen die Geldgier zurück zu schrauben. Auch die Patienten welche völlig unnötige Operationen machen lassen, dass sie mehr zur Kasse gebeten werden müssen. Aber gehandelt muss werden, sonst wird die Einheitskasse bald wieder spruchreif und diesesmal könnte sie angenommen werden.
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  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    Ich vermisse die Objektivität des SRF bei der Beurteilung der Netiquette. Ich versuche es nochmals. Leider sind der Allgemeinheit die Ärzteeinkommen nicht bekannt. Wie viele haben ein Nettoeinkommen mehr als CHF 240000 jährlich? Ist der Zustrom ausländischer Ärzte darauf zurückzuführen, dass sie in der Schweiz wesentlich mehr verdienen?
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