Steilpass für schärfere Hooligan-Gesetze?

Es waren wüste Szenen vor dem Cupfinal in Bern: Mit Steinen, Stühlen und Feuerwerkskörpern gingen FCB- und GC-Fans aufeinander los. Und das ausgerechnet jetzt, da die Diskussion über eine Verschärfung des Hooligan-Konkordats in den Kantonen auf Hochtouren läuft.

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Berner Polizeidirektor hat genug von Fanmärschen

3:23 min, aus Schweiz aktuell vom 21.5.2013

Der Marsch der GC-Fans durch die Altstadt von Bern.

Bildlegende: Der Marsch der GC-Fans durch die Altstadt von Bern. Keystone

Kaputte Fensterscheiben, beschädigte Autos, Tränengas, Gummischrot und zehn Verletzte: Was sich vor dem Cupfinal in Bern abspielte, bewegt den Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause auch am Tag danach. «Die Gewaltbereitschaft und die Zielstrebigkeit mit der man aufeinander losgegangen ist, hat eine Qualität wie ich das noch nie erlebt habe.»

«Der Beweis ist erbracht»

Auch der Präsident der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz, KKJPD, der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser, ist konsterniert. Vor allem der Zeitpunkt erstaunt ihn. Immerhin werde doch in Zürich in knapp drei Wochen über schärfere Gesetze gegen gewaltbereite Fussballfans abgestimmt. Gegen dieses sogenannte Hooligan-Konkordat hatten linke Kreise in Zürich das Referendum ergriffen. Jetzt ist Hans-Jürg Käser überzeugt, dass dieses Referendum in Zürich zugunsten des Konkordates ausgehen wird. «Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann ist dieser jetzt erbracht worden.»

Das Hooligan-Konkordat hätte diese massiven Ausschreitungen schon von Beginn weg besser kanalisieren können, ist Käser überzeugt. Es hätte eine Bewilligung für das Spiel gebraucht und an diese Bewilligung würden Auflagen etwa bezüglich der Fantransporte geknüpft. So hätte man die Fanzüge nicht in den Hauptbahnhof der Stadt einfahren lassen, sondern sie gleich in den stadionnahen Bahnhof Wankdorf umleiten können.

«Die neuen Regeln gehen zu weit»

Ganz anders sehen dies die Kritiker des Hooligan-Konkordats.  Zum Beispiel Josef Zindel, der Sprecher des FC Basel. Er bedauert zwar den Vorfall vom Montag, lehnt die verschärften Regeln jedoch ab. Alle Zuschauer würden durch die repressiven Massnahmen gleichermassen getroffen. «Sie zielen auf Sippenhaftung und gehen zu weit. Man müsste aus Stadien Hochsicherheitsbunker machen und juristisch ist zum Teil noch nicht geklärt, ob die Gesetze überhaupt legal sind.»

Für den Grünen Nationalrat Daniel Vischer werden die Ausschreitungen vom Wochenende denn auch nur zum Vorwand genommen. Man müsse nicht immer nach neuen Gesetzen rufen, wenn man die, die man hat nicht einmal richtig ausnützen könne. «Ich bin auch nicht überzeugt, dass das Hooligangesetz etwas an der Auseinandersetzung geändert hätte» sagt Vischer gegenüber SRF.

In Zürich wird am 9. Juni über den Beitritt zum Hooligan-Konkordat abgestimmt. Auch im Kanton Zug wird das Volk das letzte Wort haben. In Bern läuft die Unterschriftensammlung für das Referendum. Mehrere Kantone haben den Beitritt bereits beschlossen.

Hooligan-Konkordat: Kernpunkte

Eishockey- und Fussballspiele der obersten Klasse brauchen eine Bewilligung. Die Kantone können Auflagen, zum Beispiel zum Alkoholausschank oder zum Ticketverkauf, machen. Rayonverbote können für bis zu drei Jahren ausgesprochen werden. Mehr Möglichkeiten bei Leibesvisitationen.