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Schweiz Stell dir vor, es ist Rekrutenschule und keiner geht hin

Die Schweizer Armee braucht jährlich 20'000 neue Soldaten. Rekrutierungszahlen zeigen: so viele werden es 2016 aber nicht sein. Anlässlich seiner Wahl im September hat der künftige Armeechef Philippe Rebord vor Engpässen gewarnt. Für ihn ist womöglich der Ersatz-Zivilschutz zu attraktiv.

Ein Rekrut liegt auf einer Pritsche. Von einem Fuss wurde die Socke entfernt. Blasen sind zu sehen.
Legende: 20 Prozent der Rekruten verlassen die Rekrutenschule vorzeitig. Aus medizinischen und anderen Gründen. Reuters

Zusammen mit der Frühlings- und der Sommer-RS sind 2016 21'800 Wehrpflichtige eingerückt. Jeder Fünfte von ihnen bricht den Grundkurs von 16 Wochen indes ab. Aus medizinischen oder anderen Gründen, wie Armeesprecher Daniel Reist auf Anfrage sagte.

Der zukünftige Armeechef Philippe Rebord neben einer Schweizerfahne.
Legende: Der künftige Armee-Chef glaubt, dass zu viele junge Männer im Zivildienst verschwinden. Reuters

Zu viele Zivildienstler?

Damit könnten noch rund 18'000 Armeeangehörige den Verbänden zugeteilt werden. Die Armee sollte aber jährlich 20'000 neue Armeeangehörige rekrutieren. Demnach verfehlt sie das Ziel empfindlich. Und dies nicht zum ersten Mal.

Der künftige Armee-Chef Philippe Rebord hat anlässlich seiner Wahl im September bereits vor diesem Engpass gewarnt. Und er hat die Parlamentarier mit seiner Einschätzung der Gründe dafür auch aufgeschreckt. Es scheine, dass der Zivildienst zu attraktiv sei. Die Reaktionen aus der Politik liessen nicht lange auf sich warten (siehe Linkbox).

Für Armeesprecher Reist ist klar: auch mit der Armeereform WEA wird sich daran nicht viel ändern. Der Sollbestand der Armee soll zwar halbiert werden, der Effektivbestand verändert sich aber viel weniger stark. Daher wird die WEA das drohende Rekrutierungsproblem gemäss dem Armeesprecher nicht nachhaltig entschärfen.

Kein Handlungsbedarf

Letzten Juli hatte der Bundesrat den Bericht einer Arbeitsgruppe unter der Leitung des ehemaligen CVP-Nationalrats Arthur Loepfe (AI) zur Kenntnis genommen, welche das heutige System von Militärdienst, Zivildienst und Zivilschutz unter die Lupe nahm. Diese kam zu Schluss, dass keine dringende Veranlassung besteht, das Dienstpflichtsystem grundlegend zu verändern.

Die Ergebnisse und Empfehlungen der Arbeitsgruppe werden derzeit von der Verwaltung ausgewertet.

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Herr Mi (Cypherpunk)
    Momentan wird ja auch nur (knapp) die Hälfte der Bevölkerung verpflichtet, Wehrdienst zu leisten. Man könnte die Wehrpflicht ja allgemein einführen, um mehr Soldaten zu haben dann. Und hat auch gleich noch was antisexistisches getan.
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    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Richtig, Herr "Anonym" aus der "Schweiz" (wie wurden Sie überhaupt trotzdem hier aufgeschaltet?), bald haben wir mehr als 50% Nicht-Dienstpflichtige (Ausländer) im Land, die es schlussendlich mit unserer Milizarmee "zu verteidigen" gilt! Eine dermassen hohe Multikultigesellschaft erzeugt laufend neue Fragen, Fakten und vor allem Probleme! Das hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, es ist und bleibt aber ein brennendes, politisches Dauerthema!
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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Zivildienst, wo auch keiner hingeht, weil sie nicht dafür aufgeboten werden. Wollen deshalb mehr Zivildienst machen? Und kenne Zivis, die hängen dann für Tage herum, weil es für sie nichts zu tun gibt, als eben einfach die Zeit abzusitzen.
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    1. Antwort von Peter Zurbuchen (drpesche)
      Mein Sohn hat auf jeden Fall im Zivildienst mehr geleistet und gelernt als ich in der Rekrutenschule und in der Zeit die ich wegen Dienstverweigerung im Gefängnis verbrachte. Ich hatte auf (auch im Dienst) viel mehr Zeit zum Herumhängen als er.
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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Im Zivildienst machen die Rekruten etwas sinnvolles, im Gegensatz zur RS. Wo Hirnlose Korporäle stumpfsinnige Befehle bis zum geht nicht mehr wiederholen lassen, und wenn einer fragt warum - bekommt er zur Antwort wir mussten es machen, also macht ihr es auch. Diese jungen Männer haben zum Teil schon eine Fachausbildung hinter sich, und dann kommt so Einer und befiehlt z.B. auf dem Boden rum zu kriechen, einfach Hirnlos! Ich habe das bei einem Neffen, und einem meiner Enkel miterlebt.
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    1. Antwort von David Stutz (DavidStutz)
      Guten Tag Frau Rüegg Da Sie noch von Korporälen sprechen, muss ich davon ausgehen, dass die Geschehnisse, welche Sie schildern, einige Zeit zurück liegt. Seit 2004 sind die Gruppenführer Wachtmeister. Ich selber habe aber erst kürzlich meine RS absolviert und kann Ihnen versichern, dass sich seit dieser Zeit einiges zum Besseren gewandelt hat. Sicherlich wird immer noch vieles verlangt, was Unsinn ist. Der Umgangston jedoch ist menschlicher geworden.
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Rüegg: Krieg wird nicht vom Intelligenteren, sondern vom Stärkeren gewonnen. Anders als im zivilen Leben gibt es im Krieg nur die Wahl zwischen töten oder getötet werden. Und wenn es noch so hirnrissig tönt: je mehr gedrillter "Automatismus" man beherrscht, desto sicherer überlebt man. Wer nur einen Bruchteil einer Sekunde zu lange braucht, um seine Waffe nachzuladen und dabei seinen Kopf einen Zentimeter zu weit oben hat, stirbt. Brutal, knallhart und leider kein Wunschkonzert.
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    3. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Beleidigend und typisch defetistisch...., haben Sie jemals Dienst geleistet?
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