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Schweiz Sterbeforschung: Organisationen befürchten einseitige Resultate

Ein katholischer Moraltheologe leitet ein Nationalfondsprojekt zum Thema «Lebensende». Die Sterbehilfeorganisationen befürchten, dass diese Forschung nicht neutral sein wird.

Legende: Video Sterbehilfe-Organisationen kritisieren Nationalfond abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.04.2013.

Erstmals setzen sich alle fünf Schweizer Sterbehilfeorganisationen aus der Deutsch- und Westschweiz zusammen an einen Tisch. Der Anlass ist das Nationalfondsprojekt 67. Es handelt sich dabei um ein nationales Forschungsprogramm mit 30 Projekten zum Thema «Lebensende». Der Schweizerische Nationalfonds bezahlt 15 Millionen Franken dafür.

Formulierungen umstritten

Bernhard Sutter von der grössten Schweizer Sterbehilfeorganisation Exit zweifelt an der Wissenschaftlichkeit und an der Neutralität des Projekts: «Die Forschung sollte ergebnisoffen sein. Der Ausführungsplan dieses Programmes ist es nicht.» Die Leitung des Forschungsprojekts sei mit sterbehilfe-kritischem Personal besetzt worden. Dieses sei schon seit langem auf eine strenge Regulierung oder gar auf ein Verbot von Freitodbegleitung aus, sagt Sutter.

Als Beleg zitieren die Sterbehilfeorganisationen zahlreiche Formulierungen im Ausführungsplan. Beispielsweise werde von «umstrittener Suizidhilfe» gesprochen. Eine überwältigende Mehrheit des Volkes stehe jedoch hinter der Sterbehilfe.

Die Kritik richtet sich ganz direkt an den Präsidenten des Forschungsprogramms «Lebensende». Es ist der katholische Freiburger Theologe Markus Zimmermann-Acklin. Dieser reagiert überrascht. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, nicht wissenschaftlich zu arbeiten: «Das ist ganz sicherlich nicht der Fall. Internationale Experten und Expertinnen erstellten Gutachten. So wurden die 33 besten Projekte ausgesucht.»

«Ideen von Fundamentalisten»

Die Sterbehilfeorganisationen werfen den Forschern vor, eine regelrechte Obsession gegen die Sterbehilfe zu entwickeln. Ludwig A. Minelli erhebt diesen Vorwurf ebenso obsessiv. Minelli gründete die Sterbehilfeorganisation Dignitas, die vor allem Menschen in den Freitod begleitet aus Ländern, wo das verboten ist.

«Es ist ein Unfug, 15 Millionen Franken der Steuerzahler für Ideen von Fundamentalisten zu verpulvern.» Politisch seien deren Ideen bereits erledigt, sagt Minelli.

Politisch bereits abgehakt

Tatsächlich wollte der Bundesrat vor einigen Jahren die Sterbehilfe verbieten oder zumindest einschränken. Das liess sich politisch nicht durchsetzen und in neuer Zusammensetzung nahm die Landesregierung vor einem Jahr Abstand davon. Auch das Parlament gewichtete das Selbstbestimmungsrecht der Menschen höher. Das sollte die Sterbehilfeorganisationen in ihrem ständigen Kampf gegen Behörden beruhigt haben. Allerdings befürchten sie, dass ihre Kritiker mit Hilfe der Forschung verlorenes politisches Terrain zurückerobern wollen.

Forschungsleiter Zimmermann-Acklin stellt klar, dass das Forschungsprojekt keinesfalls gefährdet sei. Es könne auch ohne Mittun der Sterbehilfeorganisationen zu Ende geführt werden.

Was ist «gutes Sterben»?

Wie stirbt man in der Schweiz? Krank, vereinsamt, über- oder unterversorgt? Warum wollen manche Menschen den Zeitpunkt des Todes selbst festlegen?

Diese Fragen stellt das von Markus Zimmermann-Acklin geleitete Nationalfondsprojekt 67. Er ist Privatdozent an der katholischen Theologischen Fakultät Freiburg, Departement für Moraltheologie und Ethik.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Lüscher, Kreuzlingen
    Markus Zimmermann-Acklin: Ein ultrakonservativer Moralapostel! Siehe dazu das Video: http://www.srf.ch/player/tv/sternstunde-philosophie/video/sternstunde-philosophie-suizidbeihilfe-und-wuerdiges-sterben-der-ethiker-markus-zimmermann-acklin-im-gespraech-mit-norbert-bischofberger?id=db422174-9591-454c-96b8-a3f736a2814e
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  • Kommentar von M.Hofer, Zürich
    Gibt es eine Plicht zu leben?Falls ja,wer darf sie wem"aufzwingen"?Alles was ein Mensch unternimmt,sollte er frei und in eigener Verantwortung bestimmen können.Auch wenn er wünscht,sein Leben zu beenden.Wie und auf welche Art er sterben muss,will,kann,ist sein individueller Entscheid.Diejenigen welche nun einwenden,dass dieser Entscheid,nicht mehr rückgängig gemacht werden kann müssen wohl eingestehen,dass dies auch in vielen anderen Lebensbereichen der Fall ist.ZB beim Entscheid für ein Kind.
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    1. Antwort von Herbert Holliger, Arlesheim
      Konnten wir denn vor unserer Zeugung frei entscheiden, ob wir leben wollen? Und wenn es keine Pflicht zu leben gibt, dürfen wir daraus ableiten, dass wir das Recht haben, über den Zeitpunkt unseres Todes selbst zu bestimmen? Können wir überhaupt "frei und in eigener Verantwortung" entscheiden, wenn wir die Konsequenzen eines Freitodes nicht kennen und vom Nachtodlichen höchstens vage Vorstellungen haben oder diese einfach ausblenden? Eine umfassende wissenschaftliche Studie ist nur zu begrüssen!
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    2. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      @Herr Holliger, wie soll eine 'wissenschaftliche Studie' klären können, was nach dem Tod kommt? Wieso sollte überhaupt noch was kommen, dazu gibt es keine Hinweise. Und ja, man kann auch dann in eigener Verantwortung eine Entscheidung treffen, wenn man die Konsequenzen nicht kennt. Dies ist nichts Ungewöhnliches, das ganze Leben lang.
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    3. Antwort von M.Hofer, Zürich
      @H.Holliger/Wenn schon niemand wissen kann,was nach dem"natürlichen/o.Freitod"kommt,so kann nachweislich auch niemand wissen,was er vor seiner Zeugung möglicherweise entschieden hat.KEINE wissenschaftliche Studie wird dies je belegen können.Das ist gut so.Denn sonst könnte in der Gesellschaft dieser "Graubereich"dazu benutzt werden, "Machtmissbrauch"zu betreiben.Was mit hypothetischen Annahmen(Religion)bereits vielfach geschehen ist.Wir aber leben,sei Dank,in einer freiheitlichen Gesellschaft.
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    4. Antwort von M.Hofer, Zürich
      @H.Holliger/Ein Leben lang treffen wir Entscheidungen,ohne über deren Konsequenzen im Bild zu sein.Wir sind im Laufe des Lebens vielen"Umständen"ausgeliefert,denen wir nichts entgegen setzen können.Der Tod aber,ist der letzten Bereich der dem Individuum ganz "alleine und persönlich gehört".Wo es sich entscheiden kann,ober es unter den gegebenen Lebensumständen sein Leben noch fortführen will(Guantanamo?)oder kann.Abwägen,wählen,urteilen,handeln ist ein Charakteristikum,das zum Menschen gehört.
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  • Kommentar von M. Kradolfer, Aarau
    Die Dissertation von Zimmermann-Acklin zum Thema "Euthanasie - Eine theologisch-ethische Untersuchung" ist wissenschaftlich sehr sauber erarbeitet, differenziert und ebenfalls sehr lesenswert. Es zeigt schön auf, wie von den Befürwortern der Euthanasie argumentiert wird. Ebenfalls wird auch auf die Schwäche in der Argumentation von christlicher Seite eingegangen.
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