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Schweiz Sterbehilfe: Exit verankert Altersfreitod in den Statuten

Die Sterbehilfeorganisation Exit will lebensmüden Hochbetagten den Zugang zum Sterbemedikament erleichtern. Die Generalversammlung verankerte das Engagement für den Altersfreitod in den Exit-Statuten.

Legende: Video Sterbehilfe für Lebensmüde abspielen. Laufzeit 02:23 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.05.2014.

Unter Altersfreitod versteht Exit «das Recht auf freiverantwortliches Sterben eines betagten oder hochbetagten Sterbewilligen». Dieser soll weniger umfassende ärztliche Abklärungen über sich ergehen lassen müssen als ein jüngerer Sterbewilliger, um das Sterbemedikament zu bekommen. Zudem müsse er weniger gravierende Leiden nachweisen.

Künftig sollen also auch sterbewillige betagte und hochbetagte Menschen Sterbebegleitung erhalten können, die altersbedingt diverse Leiden haben, von denen jedes einzelne nicht tödlich ist, die aber insgesamt grosse Einschränkungen verursachten. Viele Betroffene hätten neben Altersbeschwerden auch psychosoziale Probleme und Ängste, sagte Exit-Präsidentin Saskia Frei.

Sterbewunsch gründlich abklären

Mit gründlichen Abklärungen des Sterbewunsch-Motivs werde Exit verhindern, dass Betagte etwa auf Druck von Nachkommen, die um ihr Erbe fürchten, Sterbebegleitung anforderten. Beim geringsten Hinweis dahingehend werde keine Sterbehilfe mit Exit stattfinden, sagte Frei: «Das garantiere ich Ihnen».

Im übrigen handle es sich bei den Betroffenen um Exit-Mitglieder, die sich seit Jahren mit der Frage ihres Freitods auseinandergesetzt hätten, fügte Exit-Vizepräsident Bernhard Sutter an. Da spielten finanzielle Überlegungen keine Rolle.

Eine Definition von «betagt» oder «hochbetagt» wolle man nicht geben, sagte Frei. Das hänge von der jeweiligen Person ab. Ziel ist es laut Frei, mittelfristig die angestrebten Erleichterungen zu erreichen.

Legende: Video Sterbehilfe für lebensmüde Betagte abspielen. Laufzeit 11:29 Minuten.
Aus Rundschau vom 21.05.2014.

Nicht von heute auf morgen

Dazu wolle man auf gesellschaftlicher, politischer und standesrechtlicher Ebene - bei den Ärzten also - aktiv werden. Von heute auf morgen gehe das mit Sicherheit nicht. Mit der jetzt beschlossenen Statutenänderung bringe man das Thema «Sterberecht für Hochbetagte» nun auf den Tisch der öffentlichen Diskussion.

Im Vorfeld der GV hatte die Sterbehilfeorganisation unter ihren Mitgliedern eine Umfrage zum Thema durchgeführt. Dass dieses die Menschen beschäftigt, zeigte sich an der grossen Teilnehmerzahl an der GV: Mit rund 700 Personen seien etwa doppelt so viele gekommen wie üblich, sagte Frei.

In der regen Diskussion habe sich gezeigt, dass die Organisation nicht allen rasch genug voran gehe, sagte Frei: Manche wünschten sich beispielsweise rezeptfreien Zugang zum Sterbemedikament. Ein solches Engagement komme für Exit aber nicht in Frage. Für solche Vorstellungen gäbe es in der Schweiz keine politischen Mehrheiten.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Alica Engler, Neckertal
    Warum spricht niemand über den Druck der auf alte Menschen ausgeübt von wird noch dieses Medikament oder diese Operation durchzuführen um noch einwenig zu leben, oder über den Druck der christlichen Kreise die wissen was Gott für richtig hält und uns retten wollen auch wenn wir nicht gerettet werden wollen... Freiheit heisst eine Wahlmöglichkeit zu haben Freiheit ist Liebe - Liebe ohne Freiheit gibt es nicht
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  • Kommentar von Frankpeter Himmel, Bellikon
    Ich finde Sterbehilfe sehr sehr wichtig und gut. Falls jemand, wie im Film gut aufgezeigt, den Wunsch hat, aufgrund der Beschwerden und Gebrechen nicht mehr weiter leben zu wollen, dann sollte ihm oder ihr die Möglichkeit des Sterbens gegeben werden.
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  • Kommentar von B.Schaffner, Basel
    Der freie Wille wurde installiert damit man das Leben liebt und nicht damit man es zerstört......capito?
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    1. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      @B.Schaffner: anderen vorschreiben zu wollen wie deren freier Wille auszusehen hat, ist schon ziemlich paradox, nicht wahr?
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      B.S./Ganz Ihrer Meinung.Schaffen wir Bedingungen,dass möglichst viele Menschen ihr Leben aus ganzem Herzen lieben mögen.Von der Wiege bis zur Bahre.Lieben,akzeptieren und wertschätzen wir uns selbst.Lieben und wertschätzen wir alle anderen um uns herum.Seien wir bereit,ihnen ihren freien Willen zuzugestehen.Fühlen wir mit ihnen.Und wir können sie besser verstehen.Gestehen wir ihnen Eigenverantwortung und Selbstbestimmung zu.Und schon sind wir frei.
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    3. Antwort von B. Schaffner, Basel
      @Otto Würz: offenbar haben Sie den Sinn des freien Willens nicht verstanden, denn der Ursprung lag nicht darin, jemandem etwas vorzuschreiben, sondern soll ein Werkzeug sein, damit Gutes zu tun.
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