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Schweiz Steuerparadies Schwyz: Sind die fetten Jahre vorbei?

Der Finanzausgleich sollte den Steuerwettbewerb unter den Kantonen dämpfen. Genau das war bisher nicht der Fall. Der Steuerwettbewerb hatte sich seit seiner Einführung 2008 intensiviert. Jetzt zeigt sich aber am Beispiel des Kantons Schwyz: Er bremst den Steuerwettbewerb tatsächlich.

Ein Einfamilienhaus spiegelt sich auf der glänzenden Kühlerhaube eines Mercedes mit Mercedesstern.
Legende: Der Kanton Schwyz hat seine Steuern seit Jahren nicht mehr erhöht. Nun muss er. Keystone

Schwyz ist gewiss nicht arm an reichen Menschen. Und doch plagt den Kanton ein dramatisches Loch in der Kasse. Im Kantonsparlament bezifferte es der Schwyzer Finanzdirektor Kaspar Michel diese Woche: «Wir haben ein Loch von 140 Millionen. 140 Millionen, die wir vor uns herschieben.» Die wichtigste Ursache für dieses Loch aus seiner Sicht: die Zahlungen seines Kantons in den Finanzausgleich, kurz NFA.

140 Millionen Franken zahlte Schwyz letztes Jahr in den NFA ein, gar 160 Millionen sollen es nächstes Jahr sein. Um das zu finanzieren, greift Schwyz nun zu einem unpopulären Mittel: Der Kanton, der bislang für sein ausgesprochen mildes Steuerklima bekannt war, muss zum ersten Mal seit Langem die Steuern erhöhen.

Das hat das Kantonsparlament diese Woche beschlossen, wenn auch teils zähneknirschend. Ein Tiefsteuerkanton muss wegen des Finanzausgleichs mit den Steuern rauf: Damit sei früher oder später zu rechnen gewesen. Dieser Meinung ist Kurt Schmidheiny von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel.

Entwicklung steht im Widerspruch zum Bericht

«Das ist natürlich unangenehm für den Kanton Schwyz, wenn er das Geld abliefern muss. Aber grundsätzlich zeigt das, dass das System funktioniert», erklärt der Uniprofessor. Und: «Es war die Idee, dass Kantone, die mit sehr tiefen Steuern sehr viel Steuereinnahmen generieren, dieses nicht einfach behalten können.»

Dass der Finanzausgleich so wirkt, wie er von seinem Konzept her eigentlich müsste, ist durchaus bemerkenswert. Denn noch vor wenigen Wochen stellte der Bund in seinem Wirksamkeitsbericht zum Finanzausgleich mehr oder weniger das Gegenteil fest. Seit Einführung des Finanzausgleichs 2008 habe sich der Steuerwettbewerb unter den Kantonen intensiviert, nicht abgeschwächt, hiess es da.

Werner Weber von der Eidgenössischen Finanzverwaltung bekräftigt: «Das Ziel des Abbaus der Unterschiede in der steuerlichen Ausschöpfung wurde so nicht unbedingt erreicht. Die Steuerbelastung ist nach wie vor recht hoch in den einzelnen Kantonen.»

Ausgleich wirkt – doch Wettbewerb spielt weiter

Das könnte sich nun ändern. Schwyz wäre dann das Zeichen für eine Trendumkehr, sagt Schmidheiny von der Universität Basel. «Ich könnte mir vorstellen, dass diese Runde der Steuersenkungen nach der Einführung des NFA jetzt abgeschlossen ist.»

Vier getrimmte Büsche hinter einer Hecke, drei lange hohe und ein kleiner runder.
Legende: Reiche Kantone – dazu gehört Schwyz – zahlen in den NFA-Topf ein, die ärmeren erhalten Geld. Keystone

Die Kantone hätten nun gemerkt, wie sich das neue System auswirke, fährt Schmidheiny fort. «Dass man durch den Finanzausgleich tatsächlich auch Geld verliert, dass das teuer ist, und dass man sich nun langfristig Gedanken macht, wie ein Gleichgewicht langfristig wirklich aussehen könnte.»

Der Finanzausgleich wirkt also. Zum Erliegen bringt er den Steuerwettbewerb aber nicht. Um den Platz im Steuerranking macht sich der Schwyzer Finanzdirektor daher keine Sorgen. Kaspar Michel beschwor diese Woche die Kantonsräte: «Die Hauptbotschaft ist: Wir bleiben ein Kanton, der hochattraktiv ist bei den Steuern!» Das heisst, auch nach der Steuererhöhung spielt der Kanton Schwyz im Wettbewerb um die tiefsten Steuern ganz vorne mit.

5 Kommentare

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  • Kommentar von T. Hager, Rapperswil
    "Sparsamer Kanton Schwyz" ist gut. Geizig ist treffender. Der Kanton spart nur auf dem Buckel der Schwächeren um den Reichen mehr zu bieten. Völlig asozial. Ein "Chlapf" wie jetzt, wirkt aber meistens sehr heilend.
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  • Kommentar von U.E.Romer, Zuerich
    Viele Reiche heisst nicht zugleich viele Steuereinnahmen. Die Reichen verstehen es ausgezeichnet, den überforderten Steuerbehörden nur so viel preis zu geben, dass es für sie "attraktiv" ist. Jahrelange Einschätzungsprozedere, Einsprachen, Zahlungsausstände gehören bei dieser Klientel einfach dazu.
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  • Kommentar von V. Humbert, Carouge
    Von mir aus kann dieser Kanton ruhig pleite gehen. Wenn das einzige "Geschäftsmodell" eines Kanton's ist, soviel Milliardäre durch Steuerdumping anzulocken wie möglich, hat er nichts besseres verdient. Zudem ist die Idee, durch das 2 Kammern System kleine und "schwächere" Kantone zu schützen, definitiv obsolet geworden. Ständemehr subito abschaffen!
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    1. Antwort von Mike Brunner, Lachen
      Die Abschaffung des Ständemehr wird wohl am Ständemehr scheitern. Sonst aber doch etwas viel Polemik, der Kt. Schwyz hat weitaus mehr zu bieten als tiefe Steuern, und die Milliardärsdichte ist beispielsweise am Genfersee oder an der Goldküste höher. Die Steuererhöhung ist aber gut, viele Leute die hier leben auch viele Bürgerliche befürworten das auch, denn es hat dem Mittelstand in den letzten Jahren mehr Nachteile als Vorteile gebracht (hohe Wohnkosten, Verkehr etc.).
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