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Stiefkind-Adoption Run auf Adoptionsbehörde bleibt aus

Legende: Audio Adoption ist eine sehr aufwändige Angelegenheit abspielen.
2:43 min, aus HeuteMorgen vom 19.02.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Anfang Jahr können gleichgeschlechtliche Paare ihre Kinder adoptieren.
  • Obschon viele schwule und lesbische Paare auf diese Möglichkeit gewartet haben, bleibt bislang ein Ansturm bei den Behörden aus.
  • Das Prozedere ist aufwändig und zeitintensiv – es kann im Extremfall mehrere Jahre dauern.

«Endlich sind die Kinder rechtlich abgesichert. Dafür haben wir mehr als zehn Jahre gewartet», sagt Maria von Känel. Sie ist Geschäftsführerin des Dachverbandes Regenbogenfamilien und hat zusammen mit ihrer Partnerin selber zwei Kinder. Der zehnjährige Sohn und die achtjährige Tochter sind mittels Samenspende gezeugt worden.

Grosse kantonale Unterschiede

Die beiden Zürcherinnen sind nicht die einzigen, die vom Adoptivrecht Gebrauch machen wollen: So sind im Kanton Bern seit Anfang Jahr 15 Stiefkindadoptionsgesuche eingegangen, sieben davon von schwulen oder lesbischen Eltern. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine starke Zunahme, denn im ganzen Jahr 2017 wurden im Kanton Bern 22 Stiefkindadoptionsgesuchte behandelt.

Allerdings variieren die Zahlen von Kanton zu Kanton stark, sofern sie überhaupt erhoben werden. In Basel etwa ist bisher erst ein einziges Gesuch für die Stiefkindadoption eingegangen. Im Kanton Zürich gibt es überhaupt keine detaillierten Zahlen: «Uns interessiert die sexuelle Orientierung unserer Gesuchsteller nicht – deshalb zählen wir sie auch nicht», sagt Heidi Steinegger, Leiterin der kantonalzürcherischen Adoptionsbehörde.

Sehr aufwändige Angelegenheit

Erst die nächsten Monate würden zeigen, ob es aufgrund der Gesetzesänderung beim Stiefkindadoptionsrecht zu markant mehr Gesuchen komme, sagen die Behörden. Schliesslich sei es sehr zeitintensiv, ein solches Gesuch zusammenzustellen. Tatsächlich sind laut Lilian Häfele, Rechtsanwältin der Adoptionsabteilung beim kantonalberner Jugendamt, dafür bis zu 25 Dokumente nötig.

Auch sei die Prüfung dieser Gesuche sehr aufwändig: «Das kann von mehreren Monaten bis zu Jahren dauern», so Häfele. Es gebe Fälle, in denen die Zustimmung des einen Elternteils im Ausland eingeholt werden müsse – und dieser zu diesem Zweck zuerst gesucht werden müsse. Das kann etwa dann der Fall sein, wenn beispielsweise ein schwules Paar mittels Leihmutter ein Kind in den USA gezeugt und diese Frau keine Verzichtserklärung unterschrieben hat.

Wir nehmen die Adoptionsgesuche sehr ernst.
Autor: Heidi SteineggerLeiterin der Zürcher Adoptionsbehörde

Viele Schwule und Lesben sind deshalb ernüchtert, dass sie sich weiter in Geduld üben müssen. Heidi Steinegger, die Leiterin der Zürcher Adoptionsbehörde kann den Frust verstehen. Allerdings: «Bei der Adoption spricht der Staat mit», sagt sie. In diesen Fällen werde die Abstammungslinie unterbrochen, was Folgen für die kommenden Generationen habe. «Diese Sache nehmen wir deshalb sehr ernst.»

Steinegger betont zudem, dass beim Adoptionsrecht nach wie vor das Kindswohl im Zentrum stehe. Die sexuelle Ausrichtung der Eltern spiele dabei eigentlich keine Rolle.

17 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Die sogenannten "Regenbogen-Familien" zu kritisieren, ist laut den "68igern"schlimmer, als mit 25 Km/h zu schnell durchs Dorf zu fahren! Trotzdem bin ich nach wie vor fest überzeugt, dass ein Kind das Recht hat, eine Mutter und einen Vater als Eltern zu haben! Alles andere ist blosser Egoismus, Spass- und Konsumgesellschaft von gröbstem Kaliber! Kann ein Schwulen- oder Lesbenpaar gleichwohl nicht ohne Kinder eine Lebensgemeinschaft bilden, darf es ruhig lange und ausführliche Abklärungen geben!
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  • Kommentar von Luca Meier (Luca Meier)
    @Frau Fitzi (Fortsetzung): Denken wir Ihren Gedanken über die Liebe weiter. Es gibt keine tiefere Bindung als die Bindung zwischen der Mutter und dem Kind, Wenn aber z.B. ein Mann eine Leuhmutter bezahlt, nützt er die Not der Frauen in Indien oder so aus. Und wichtiger: Er entzieht dem Kind VORSÄTZLICH die tiefste Beziehung überhaupt. Glauben Sie wirklich, dass dieser Mann das Kind BEDINGUNGSLOS liebt? Und was ist mit dem zweiten Mann, der gar nicht biologischer Vater ist? NATÜRLICH NICHT.
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    1. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Herr Meier: Meine Mutter arbeitete für den Jugendschutz und war 30 Jahre ihres Erwerbslebens in verschiedenen Kinder- und Jugendheimen stationiert. Sie dürfte ihnen über die "tiefste Bindung" auch widersprechen... Abschliessend drücke ich meine Freude aus, dass Sie sich erlauben können, die Sonnenseite der heilen Familie zu erleben. Aber bitte belassen Sie anderen die Liebe dort zu suchen, wo sie sie auch finden können. Eltern werden zu wollen ist IMMER egoistisch. Das Kind bittet NIE darum.
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    2. Antwort von Luca Meier (Luca Meier)
      @Manuela Fitzi, Sie haben Recht: Das Kind wird nicht gefragt. Und gerade darum haben die Kinder das Recht auf Vater und Mutter. Eben die Familie, die einem das Leben geschenkt hat. Natürlich kann das Schicksal verschiedentlich zuschlagen, aber dann war es die höhere Gewalt. Durch das neue Gesetz wird aber dem Kind eine ganz tiefe und widernatürliche Gewalt (Samenspende, Leihmutter) angetan. So versuchen Erwachsene auf dem Rücken der Kinder, etwas zu gewinnen, was ihnen auf keinem Fall zusteht.
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  • Kommentar von Luca Meier (Luca Meier)
    Frau Maria von Känel, die im Artikel genannt wird, und ihre Partnerin haben die Kinder aus einer Samenspende. Damit haben sie die eigenen Kinder dazu verurteilt, ohne den eigenen (oder irgendeinen) Vater aufzuwachsen. Genauso die Männer, die im Ausland eine Leihmutter bezahlen, verurteilen das Kind, ohne die Mutter aufzuwachsen. Wie grausam! Kein Mann kann die Mutter ergänzen. Und keine Frau kann den Vater ersetzen.
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    1. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Ihr Beitrag ist stark im diskutierbaren Bereich. Die Rollenbilder sind heute stark durchmischt. Hingegen wichtig für das Kind ist seine eigene intakte und unantastbare Überzeugung, dass seine Eltern sie gern haben. Im Falle einer Leihmutterschaft tritt die Mutter psychologisch gar nicht als "Mutter" in Erscheinung sondern fungiert als Ersatzteillager und die Kinder werden durch zwei m/w-Elterteile sozialisiert. Und schon ist ihre Welt wieder rund. So soll es auch sein.
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    2. Antwort von Angela Nussbaumer (Angela N.)
      Mir persönlich ist sehr wichtig, dass die Kinder das Recht verbrieft bekommen, zu erfahren, wer ihre leiblichen Eltern sind. Das gehört für mich unbedingt gesetzlich verankert, denn zu wissen, woher man kommt ist äusserst wichtig. Ich finde es nicht entscheidend für eine "glückliche" Kindheit, mit leiblichen Eltern aufzuwachsen. Speziell dann nicht, wenn jene sich nicht in der Lage sehen, diese Aufgabe zu erfüllen. Das Kind muss aber als Erwachsener jederzeit Kontakt aufnehmen können. Das zählt.
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    3. Antwort von marlene Zelger (Marlene Zelger)
      sie schreiben mir aus dem Herzen. Genau dieser Meinung bin ich auch. Es widerspricht dem Naturgesetz, dass Kinder keinen Vater, oder keine Mutter, dafür beide im Doppel haben. Es widerspricht auch dem Menschenrecht, dem Kind den Vater, respektive die Mutter zu entziehen. Ich finde es auch wichtig, dass die Kinder den Stammbaum kennen, d. h. wissen, von wem sie abstammen.
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    4. Antwort von Luca Meier (Luca Meier)
      @ Manuela Fritzi Den Kindern ist es NICHT egal, wer sie gerne hat. Logisch, nicht war? Als Vater von zwei Kindern weiss ich das auch aus eigener Erfahrung. Das ideale Umfeld für ein Kind besteht aus einem Mann, einer Frau und weiteren Kindern. Nicht umsonst hat es die Natur so eingerichtet, dass nur ein Mann und eine Frau Kinder zeugen können. Daran hat sich nichts geändert, auch wenn sich die Rollenbilder teilweise geändert haben. Die Kinder sind nun mal kein Lifestyle Produkt.
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    5. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Herr Meier, Sie rütteln - mit Verlaub - an einem absoluten Luxusproblem. Intakte Familien nach dem Idealbild - Papa, Mama, Kind(er), Haustier - bilden die verschwindende Minderheit in dieser Welt. Wo ich herkomme, herrschte eine Vielfalt an Familien: Alleinerziehende, Gewaltfamilien, bis zu 3 Generationen unter einem Dach, Waisenhaus, Adoptiveltern, Patchwork-Familien usw. So ist mir klar, dass nicht nur Kinder aus Idealbild-Familien glücklich sind und ihre Eltern akzeptierern würden. 2) folgt.
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    6. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      2) Sehr oft ist es so, dass die Akzeptanz mit der Leichtigkeit der gegebenen Familienkostellation kommt: Da sind zwei, die sich lieben und mich als Kind auch lieben. Ob die eine Brüste hat, ist in dieser Sozialisation dem Kind egal. Andererseits habe ich sogar in meiner eigenen Familie erlebt, dass die Kinder in Teenie-Alter ihren leiblichen Vater selber verstossen haben und den Ziehvater vollumfänglich als "Vater" akzeptierten. Weil er ihnen gut tat. Und dies ist das Wesentliche.
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