Stiftung soll Schweizer Medienlandschaft retten

Die Schweizer Medien stecken in einer Finanzierungskrise. Die vom Bundesrat eingesetzte Medienkommission schlägt daher die Gründung einer staatlich unabhängigen Stiftung vor, die den Strukturwandel begleiten soll. Finanziell profitieren soll auch die einzige Schweizer Nachrichtenagentur sda.

Mehrere Zeitungen auf einem Tisch.

Bildlegende: Vor allem die Zeitungen sind in der Bredouille. Keystone

Die Massenmedien seien für die Gesellschaft und die Demokratie von herausragender Bedeutung, teilte die Eidgenössische Medienkommission (Emek) mit. Es gelte, Bedingungen zu schaffen, damit die Medien auch in Zukunft ein breites und vielfältiges Informationsangebot für alle Sprach- und Kulturräume der Schweiz sicherstellen könnten.

Medienvielfalt und -qualität hätten in der kleinräumigen und von der direkten Demokratie geprägten Schweiz eine hohe Bedeutung. Die aktuelle Presseförderung werde jedoch den Herausforderungen durch die Digitalisierung nicht mehr gerecht.

Finanzspritze für Nachrichtenagentur

Derzeit werden Presseprodukte mit insgesamt 123 Millionen Franken unterstützt. Davon entfallen 73 Millionen Franken auf den niedrigeren Mehrwertsteuersatz für Zeitungsabonnements. Die Presse profitiert darüber hinaus indirekt von verbilligten Posttarifen im Umfang von 50 Millionen Franken pro Jahr.

Die Digitalisierung biete zwar neue Möglichkeiten, doch sie stelle die bestehenden Geschäftsmodelle der Medien in Frage. Der Umbruch betreffe vor allem die Tageszeitungen, aber auch Radio und Fernsehen. Ein gutes, breites und professionelles Angebot werde vor allem durch den Agenturjournalismus sichergestellt.

Als mögliche Massnahmen schlägt die Emek daher vor, die Nachrichtenagentur sda finanziell zu unterstützen. Die sda trage zur Sprachverständigung bei. «Wir brauchen für alle drei Sprachregionen einen guten nachrichtlichen Journalismus», sagt der Zürcher Medienprofessor Otfried Jarren. Er ist Präsident der Emek. Die französisch- und italienischsprachigen Dienste der sda sind defizitär.

Die Idee sei, ein nachrichtliches Angebot zu machen, das auch andere Plattformen als die etablierten Medien nutzen können, so Jarren. Darüber hinaus setzt sich die Emek dafür ein, die journalistische Aus- und Weiterbildung zu fördern. Und es gelte ferner, Innovationen im Mediensektor zu unterstützen.

Förderungswürdige Projekte finden

Um die Ziele zu erreichen, schlägt die Medienkommission die Gründung einer Stiftung vor. Die Kernaufgabe einer solchen Stiftung wäre es, die Voraussetzungen zu schaffen, damit sich die Qualitätsmedien und der Journalismus insgesamt weiterentwickeln könnten. Projekte aller Mediengattungen liessen sich so unterstützen.

Wichtig ist der Emek, dass die Unabhängigkeit der Medien gewahrt bleibt und die Fördermassnahmen möglichst ohne Einfluss des Staates umgesetzt werden. Das sieht auch Verena Vonarburg so: «Staatliches Geld, das direkt zu den Medien fliesst, ist Gift», sagt die Direktorin des Verbands Schweizer Medien.

Als Vorbild dient der Emek die Förderung der Pro Helvetia (Kultur) und des Schweizerischen Nationalfonds (Forschung), die jeweils über eine Stiftung erfolgt. Die Aufgabe der Stiftung wäre es, förderungswürdige Projekte mit Finanzhilfen zu unterstützen. Die Aufwendungen könnten gemischt finanziert werden, teilweise auch durch den Bund über Abgeltungen. Denkbar wäre es, die bisherigen Mittel für die indirekte Presseförderung in die Stiftung einfliessen zu lassen.

Seit einem Jahr im Amt

Eine andere Möglichkeit wäre, einen Teil der heute für Radio und Fernsehen reservierten Empfangsgebühren der Stiftung zukommen zu lassen. Das würde deren Unabhängigkeit stärken. Die Gremien der Stiftung sollten mit Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft besetzt werden.

Die Medienkommission hat vor gut einem Jahr ihre Tätigkeit aufgenommen. Sie hat 13 Mitglieder aus verschiedenen Medienzweigen, die vom Bundesrat gewählt worden sind.