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Schweiz Stillen am Arbeitsplatz: «Wir sind nicht sehr grosszügig»

Künftig ist geregelt, wie lange eine Frau am Arbeitsplatz ihr Kind stillen darf. Und: Benötigt eine Frau dafür mehr Zeit, ist ihr diese zu gewähren, sagt Valérie Borioli Sandoz von TravailSuisse.

Das Stillen während der Arbeitszeit wird neu geregelt: Am Sonntag ist eine neue Regelung in Kraft getreten, die in der ganzen Schweiz gültig ist. Sie besagt, dass eine Frau, die acht Stunden am Tag arbeitet, eineinhalb Stunden Stillzeit zur Verfügung hat, die bezahlt werden. Bei einem Pensum von 4 Stunden sind es 30 Minuten. Geregelt war bis anhin nur, dass Frauen ihre Babys am Arbeitsplatz stillen dürfen. Wie lange, und dass auch die Stillzeit ausserhalb des Arbeitsplatzes bezahlt wird, ist neu.

Eine Frau mit ihrem Baby, das in einem Tuch eingewickelt schläft.
Legende: Im Zusammenhang mit dem Stillen ist jede Frau sehr individuell. Reuters

Die neue Regelung geht aber sogar noch weiter: Wenn eine Frau mehr Zeit zum Stillen benötigt, ist ihr diese zu gewähren. Das betont Valérie Borioli Sandoz von der Gewerkschaft TravailSuisse gegenüber SRF.

«In einem Arbeitstag organisieren»

«Der Arbeitgeber muss jeder Frau die benötige Zeit, die sie für das Stillen ihres Kindes braucht, zur Verfügung stellen – unbegrenzt. Es gibt ein Recht darauf.», sagt sie und fügt an: «Man empfiehlt, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen und Lösungen zu finden. Das Stillen während eines Arbeitstags muss organisiert werden. Das kann man nicht alleine entscheiden.»

Diese Regelung findet der Arbeitgeberverband zu grosszügig; er will den Teilzeitarbeitenden die möglichen 30 Minuten Stillzeit streichen, wenn sie nicht mehr als 4 Stunden arbeiten. Borioli Sandoz sagt dazu: «Das ist nicht sehr grosszügig, denn: Jede Frau ist unterschiedlich.» Das Stillen eines Babys sei eine sehr persönliche Angelegenheit. Bei der einer Frau gehe es sehr schnell, eine andere müsse regelmässig alle zwei Stunden abpumpen oder stillen. «Es muss wirklich für jede Frau möglich sein, für sich selbst eine Organisation zu finden.»

Im internationalen Vergleich in der Mitte

Es stellt sich die Frage, ob es nicht gerade für kleinere Firmen ein Problem ist, wenn die Angestellten eineinhalb Stunden pro Tag nicht am Arbeitsplatz sind? «Man kann sich auch eine andere Frage stellen: Ist es auch ein Problem, wenn mehrere Mitarbeitende eine Zigarette mehrmals pro Tag rauchen müssen? Nein, ich glaube nicht», sagt Borioli Sandoz überzeugt. Das Stillen dauere nicht ewig und man merke in der Schweiz, dass die Frauen nicht sehr lange stillen würden.

Diese neue Regelung ist nun im Arbeitsrecht verankert. Die Schweiz ist aber nicht das einzige Land, die das so handhabt. Im internationalen Vergleich befände sich die Schweiz in der Mitte, sagt Borioli Sandoz. «Es gibt sicher Länder, die Frauen und Kindern mehr Zeit geben, wie etwa Italien. Wie üblich sind wir nicht sehr grosszügig, aber wir befinden uns auch nicht zuhinterst in diesem Vergleich.»

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Bernhard Lüthi, Affeltrangen
    Ich bin zu 50% Hausmann, mache also alle Aufgaben wie Mamis zu Hause. Das Stillen kann ich nun mal nicht, ob und wieviel eine Mutter das kann, das ist auch ein anderes Thema, denn mir kommt es vor, das ALLE Mütter das einfach können müssten. Wenn es geht, ist es etwas sehr schönes. Aber dann bitte @home! Wenn eine Mutter bald wieder arbeiten gehen will, finde ich das super. Die Ernährung der Kleinkinder ist somit reine Privat- und Organisationssache.
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Revival der französischen Feudalherrschaft? Damals wurden"sexuelle Zwischenfälle"auch dem Fussvolk überlassen.Ammen und Leibeigene(Bauern)übernahmen die"Aufzucht des edlen Menschenmaterials".Diese Niederen waren ohnehin nur mit"Nichtigkeiten beschäftigt"hatten somit genügend Zeit,diese"undankbare Aufgabe"zu übernehmen.Arm,dumm und ungebildet,war das die für sie von"Gott"zugewiesene Aufgabe.Dies verkündeten zumindest jene,die schon damals per"E-Phone"einen "Draht" nach ganz oben hatten.
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  • Kommentar von Beat Allensbach, Oberengstringen
    Immer wenn Geld für das Nichtarbeiten jemandem "geschenkt" wird, muss irgendjemand der arbeitet dies bezahlen. Ratet mal wer dies ist? Schlussendlich ist die Masse des Volkes wieder am selben Ort, siehe Hamsterrad. Niemand möchte sich Basisfragen stellen, leider.
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