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Streik auf dem Thorberg «Es geht nicht, eine Prostituierte zu bestellen»

Der Streik war erfolgreich. Die Gefängnisleitung auf dem Thorberg will ein Beziehungszimmer für Gefangene und deren Liebste einrichten. Weshalb das sinnvoll sein könnte, weiss Strafvollzugsexperte Benjamin F. Brägger.

Legende: Video Streik auf dem Thorberg beendet abspielen. Laufzeit 2:05 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 24.11.2017.

SRF News: Was bringt so ein Beziehungszimmer – auch aus der Sicht eines Gefängnisses?

Benjamin F. Brägger: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf ein Beziehungszimmer. Das ist wichtig. Gewisse Strafanstalten haben so ein Zimmer, andere nicht. Persönlich finde ich es wichtig, denn beim Eintritt in eine geschlossene Anstalt hört die Sexualität nicht auf. Es hat dort viele junge Männer, die im besten Alter sind. Die Möglichkeit, dass jemand mit der Freundin oder mit der Frau zusammen sein kann, nimmt Druck weg in der Anstalt.

Was haben andere Anstalten für Erfahrungen gemacht?

Gute Erfahrungen. Es ist natürlich, wie alles im Gefängnis, reglementiert. Es geht nicht, eine Prostituierte zu bestellen. Es geht darum, die Beziehung zu einer Partnerin zu pflegen. Das hilft auch in Hinblick auf die Entlassung, die Person hat einen Pfeiler draussen.

Wie oft kommt es überhaupt zu einem Streik?

Es gibt mehr Streiks als noch vor zehn bis fünfzehn Jahren. Das Strafrecht wurde geändert. Das bedeutet, der «normale Bürger» wird nicht mehr eingesperrt, es gibt viele Geldstrafen. Vielfach werden nur noch Schwerstkriminelle eingesperrt. Das baut Druck auf, denn es sind Menschen, die nur noch wenig Perspektiven haben. Es gibt immer wieder Schlägereien oder kleinere Arbeitsniederlegungen.

Wie kann die Gefängnisleitung damit umgehen?

Eine geschlossene Strafanstalt zu leiten, ist sehr anspruchsvoll. Zusammen mit dem Personal muss eine Balance gefunden werden zwischen menschlicher Behandlung und einer guten Distanz sowie der Sicherheit. Es ist etwa wie ein Dampfkochtopf: Es darf sich nicht zu viel Druck aufbauen, damit er nicht explodiert.

Legende: Video Strafvollzugsexperte Benjamin F. Brägger abspielen. Laufzeit 2:24 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 24.11.2017.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von pedro neumann (al pedro)
    Noch lange nicht jeder Mann, der keine Partnerin hat, besorgt sich ein Prostituierte. Was ist das für eine kranke Forderung?
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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Offensichtlich hat ein Täter etwas Schweres gemacht, damit er in der Kiste sitzt. Die Strafe (Freiheitsentzug) hat neben der Prävention auch eine Vergeltungsfunktion gegenüber den Opfern. Sex ist meiner subjektiven Meinung nach kein Menschenrecht. Somit müssten alle Bürger abstimmen, ob sie ein Begegnungszimmer für Gefangene wollen.
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    1. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Das Ziel eines Gefängnisaufenthaltes sollte aber die resozialisierung sein, oder sollen wir einfach Gefängnisse füllen?
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    2. Antwort von Philipp Etter (Philipp Etter)
      @TS Im StGB, Art.75.2 heisst es unter Grundsätzen zum Strafvollzug als Erstes: "...Der Strafvollzug hat das soziale Verhalten des Gefangenen zu fördern, insbesondere die Fähigkeit, straffrei zu leben..." Damit, meine ich, ist deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Bemühungen zur Resozialisierung gemäss Gesetz sogar zwingend sind. US-Zustände fände ich nicht wünschenswert!
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  • Kommentar von Mirco Schmid (Mirco Schmid)
    Amüsant, keine Forderung wurde erfüllt, trotzdem bekamen die Häftlinge etwas, was sie wollen. Es ist ohne Zweifel reiner Zufall, dass die Direktion gerade beim Streik dieses Bedürfnis erkannte. Für wie dumm halten diese Leute die Bürger dieses Landes eigentlich. Ausserdem haben sie die unsinnigste von allen Forderungen erfüllt - meine persönliche Meinung.
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    1. Antwort von Philipp Etter (Philipp Etter)
      Ihre Meinung in Ehren, warum aber ein Beziehungszimmer die unsinnigste Forderung sein solle, wird aus Ihrem Kommentar nicht klar. Die Qualität und die Menge des abgegebenen Essens, sowie der Lohn für die Häftlingsarbeit wurden auch kritisiert. Kennen Sie das Essen auf dem Thorberg? Kennen Sie die Arbeiten, die in der Haftanstalt verrichtet werden müssen oder können und deren Entlohnung? Ich wünsche ein Setting, das das Rückfallrisiko minimiert! Maximale "Härte" ist kaum der beste Schlüssel dazu!
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