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Streik der Nachrichtenagentur «Wir können nicht leisten, was die SDA macht»

Legende: Audio Auswirkungen SDA-Streik auf regionale Medien abspielen.
3:20 min, aus Rendez-vous vom 30.01.2018.
  • Der unbefristete Streik der Schweizerischen Depechenagentur (SDA) bringt kleine Medienhäuser in Bedrängnis.
  • Sie haben keinen Zugang zu Meldungen aus der Schweiz und aus der Region.

Radio Beo in Interlaken berichtet hauptsächlich über Ereignisse im Berner Oberland und Kanton Bern, aber auch über das Geschehen in der Schweiz. Die SDA ist für seine Redaktion ein tragender Pfeiler, sagt Chefredaktor Adrian Durtschi: «Die internationalen und nationalen News beziehen wir von der SDA. Wir sind ganz klar von der SDA abhängig.»

Gleich tönt es in der Ostschweiz bei Radio Top. Der Streik der SDA-Journalisten hat bereits konkrete Auswirkungen beim Regionalradio, wie Chefredaktorin Manuela Burgermeister erklärt: «Das heisst für uns, dass uns nationale und internationale Meldungen tatsächlich fehlen. Auf die verlässliche Quelle SDA können wir im Moment nicht zurückgreifen.»

SDA ist unentbehrlich

Aber auch viele Regionalzeitungen und ihre Onlineportale stehen vor demselben Problem, wie Pierre Ruetschi, Chefredaktor der «Tribune de Genève» sagt: «Die SDA macht eine Arbeit, die wir nicht machen können. Sie verfolgen zum Beispiel lange Sitzungen, deren Inhalt man wissen muss. Sie können das machen. Wir können das nicht leisten.»

Was die regionalen Meldungen betrifft, da sind die jeweiligen Redaktionen so aufgestellt, dass sie an die entsprechenden Informationen kommen und über ein Netz an Quellen verfügen.

Deutsche Agenturen passen nicht

Einfach auf einen anderen Informationsdienst wie Reuters oder die deutsche Depeschenagentur auszuweichen, kommt für keines der angefragten Regionalmedien in Frage.

Für die Schweizer Medienlandschaft ist die SDA ein Muss.
Autor: Herold BielerChefredaktor «Walliser Bote»

Sie seien zu teuer und nicht passend, so der Tenor. Herold Bieler, Chefredaktor des «Walliser Boten»: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Reuters oder die deutsche Depechenagentur so tief und so umfassend in die Regionen hineingehen.Für den internationalen Teil ginge es ja vielleicht noch. Ich hoffe, dass wir Lösungen mit der SDA finden. Für die Schweizer Medienlandschaft ist sie ein Muss.»

Ein Viertel weniger von allem

Weil für viele Regionalmedien die SDA unerlässlich ist, macht sich Rüetschi von der «Tribune de Geneve» ernsthafte Sorgen, gerade angesichts des angekündigten Stellenabbaus: «Man kann sich denken, dass es mit einem Viertel weniger Journalisten einen Viertel weniger Artikel geben wird und dass die Qualität vielleicht weniger gut wird.»

Langfristig könnte es ein Problem werden. Der Streik der SDA-Journalisten ist bereits heute für die Regionalmedien eine grosse Herausforderung.

Auch grössere Medien betroffen

Der SDA-Streik betrifft nicht nur Lokalmedien, sondern auch die grösseren Anbieter auf dem Schweizer Medienmarkt. Judith Wittwer, Chefredaktorin des «Tagesanzeigers», sagt etwa, der «Tagi» werde durch den Streik nicht dünner, aber: «Unsere Kehrseite wird morgen ein bisschen mehr internationale Geschichten und ein bisschen weniger Inlandstoffe bringen.»

Thomas Benkö, der stellvertretende Chefredaktor von «Blick am Abend» und «Blick Online», sagt zudem, man habe als Reaktion auf den Streik Umstrukturierungen in der Redaktion vorgenommen: «Normalerweise bearbeitet eine Person die Kurzmeldungen. Heute waren es zwei Leute.» Die Blick-Journalisten hätten zusätzlichen Aufwand, wenn sie sich nicht auf die SDA-Meldungen verlassen könnten.

15 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    In meinen Augen gibt es nur eine Lösung. Die wäre dass sämtliche Schweizer Medien (Print, Online, Fernsehen, Radio) die SDA finanzieren müssen. Wenn nötig kann auch der Bund einspringen. Es ist nötig dass man sie nicht durch übertriebenes Sparen an der Arbeit behindert. Denn es liegt im Interesse Aller das wir Information über unser Land nicht aus dem Ausland beziehen müssen, denn dann sind sie zweifellos nicht mehr neutral.
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  • Kommentar von Martin Meier (M.Meier)
    @SRF: Sie können doch nicht einfach eine Kritik an der SDA, wofür es genügend Beispiele gibt, nicht veröffentlichen. Wann begreifen Sie endlich, dass Sie nicht zensurieren dürfen?! Was ist denn das für ein "Schützen" einer Nachrichtenagentur? Die SRG hat neutral zu berichten und Kommentare zuzulassen und nicht darüber zu entscheiden, ob Ihnen diese Gefallen oder nicht!
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Amen. Darum futiert sich aber SRF mit selektiver politischer Zensur nettiquettenkonformer Kommentare und ebenso selektiver Freischaltung von Ehrverletzungen und anderen Sottisen gegen die Person von politisch missliebigen Mitkommentatoren. In der Schweiz ist die Zensur in der Verfassung verboten. Sie funktioniert aber fast perfekt. SRF kann der politischen Zensur von Zwangszahlern offensichtlich nur mit einem JA zu Nobillag der Riegel geschoben werden....
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Herr Meier, die SRF ist berechtigt Kommentare nicht aufzuschalten die Beleidigungen oder Angriffe beinhalten.Da gibt es sicher viele täglich.Nur nicht Kommentare zurückhalten die beim 2/3 Versuch erscheinen. Liest man oft. Oder soll sie sich einfach an dem Ablehnen beteiligen.? Das ist zu einem Spiel geworden und geht sicher oft gegen eine Person oder Partei. Kaum ist der Kommentar aufgeschaltet, erscheint schon Abgelehnt. gibt es sicher viele täglich.
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    3. Antwort von martin blättler (bruggegumper)
      Deswegen stimmen wir nächstens über No-Billag ab.
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  • Kommentar von B Näf (uluru)
    Das passt wunderbar. In Zeiten der Fake-News die seriöse Nachrichtenbeschaffung schwächen. Der Aufwand, Fake von Fact zu trennen und die Informationsflut nimmt dauernd zu, nicht ab. Das braucht gute Profis und zwar mehr davon, nicht weniger. Das Problem ist das Finanzierungsmodell und allenfalls ein wenig kreativer Geschäftsführer.
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