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Streit mit der EU Was Börsenäquivalenz heisst

Von der Anerkennung der Schweizer Börsengesetze im EU-Raum profitieren beide Seiten. Charlotte Jacquemart erklärt.

Charlotte Jacquemart
Legende: Charlotte Jacquemart ist Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. SRF

SRF News: Alle reden von Börsenäquivalenz. Was ist damit gemeint?

Charlotte Jacquemart: Weil die Schweiz nicht zur EU gehört, muss die EU die Schweizer Börsengesetze als gleichwertig anerkennen. Täte sie das nicht, würden alle Aktienhändler und Investoren aus dem EU-Raum vom Schweizer Handelsplatz abgeschnitten. Investoren, die beispielsweise in Paris oder Frankfurt sitzen, könnten somit keine Aktien mehr an der Schweizer Börse kaufen.

Warum kaufen europäische Börsenhändler vor allem Schweizer Aktien lieber in der Schweiz?

Die Schweizer Börse erklärt das wie folgt: Der Händler aus der EU hat ein Interesse daran, an einem Schweizer Handelsplatz zu handeln, weil er auf den meisten hier erhältlichen Titeln die attraktivsten Bedingungen findet. Die Differenzen zwischen Kaufs- und Verkaufskurs sind klein, die Liquidität ist hoch.

Es geht also nicht darum, dass Schweizer Aktienhändler von ausländischen Börsen ausgeschlossen werden können, sondern eben um Händler aus dem EU-Raum, die bei uns Aktien kaufen wollen. Mit anderen Worten: Schweizer Aktien in der Schweiz zu kaufen, ist günstiger als an einer ausländischen Börse. Natürlich könnten EU-Händler Schweizer Aktien auch an ausländischen Börsen kaufen. Doch das wäre eben teurer.

Es geht nicht darum, dass Schweizer Aktienhändler von ausländischen Börsen ausgeschlossen werden können.
Autor: Charlotte Jacquemart

Was wären die negativen Auswirkungen ohne Börsenäquivalenz für die Schweiz?

Für unsere Unternehmen wäre es ebenfalls ein Nachteil, wenn ihre Aktien nicht mehr hier im Heimatland, gehandelt werden könnten. Denn die Firmen haben ein Interesse daran, dass ihre Aktien zu attraktiven Bedingungen gekauft und verkauft werden können. Die Schweizer Börse wiederum würde einen Teil ihres Handelsgeschäftes mit Aktien verlieren, wenn die EU unsere Börsengesetze nicht als gleichwertig anerkennen würde.

Wie sind die Chancen, dass die Börsenäquivalenz gewährt wird?

Die Wahrscheinlichkeit, dass die EU der Schweiz diese Anerkennung längerfristig verweigert, ist klein. Weil keine Seite wirklich ein Interesse daran hat. Jedenfalls nicht wirtschaftlich. Formal hat die EU übrigens auch schon alles abgesegnet. Nur politisch steht die Anerkennung noch aus. Da wird nun ein politisches Scharmützel geführt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die EU der Schweiz dir Anerkennung längerfristig verweigert, ist klein.
Autor: Charlotte Jacquemart

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Es geht hier darum der Schweiz den Gar auszumachen, den Standort unakzeptabel unattraktiv zu machen. Da die EU im Wesentlich mit Deutschland gleichzusetzen ist, dürfte also da Deutschland dahinter stecken. Wir verlieren Stueck fuer Stueck mehr an Souveränität und werden zum Vasallen der Deutschen.
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  • Kommentar von Theresia Weber (Resi)
    Geht es hier um Konkurrenz, weil günstiger Bedingungen in der CH als in der EU oder um Erpressung bezüglich Rahmenabkommen?
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Die Schweizer Börse erklärt das wie folgt: Der Händler aus der EU hat ein Interesse daran, an einem Schweizer Handelsplatz zu handeln, weil er auf den meisten hier erhältlichen Titeln die attraktivsten Bedingungen findet. Die Differenzen zwischen Kaufs- und Verkaufskurs sind klein, die Liquidität ist hoch. Also sollte man es darauf ankommen lassen. Jetzt liegt es am Bundesrat wie geschickt er verhandeln kann, oder das Geschäft platzen lässt. Die EU-Händler werden sich wehren.
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