Streit um Einkaufstouristen in Basler Trams

Zahlreiche Baslerinnen und Basler fahren mit dem Tram zum Einkaufen in die deutsche Grenzstadt Weil am Rhein. Die Trams sind oft voll, deshalb wollen die Basler Verkehrsbetriebe die Linie nun häufiger fahren lassen. Sehr zum Ärger des Basler Gewerbes.

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Streit um Einkaufstouristen in Basler Trams

3:14 min, aus Schweiz aktuell vom 16.9.2015

Das Basler Tram der Linie 8 fährt seit letztem Jahr über die Grenze nach Weil am Rhein in Deutschland. Es sollte vor allem deutsche Pendler nach Basel bringen. Doch heute bietet sich im Tram Tag für Tag das gleiche Bild: Männer und Frauen mit prall gefüllten Plastiksäcken fahren vom Einkaufen in Weil am Rhein nach Basel zurück. Weil die Linie 8 ein Erfolg ist, sollen künftig mehr Trams über die Grenze fahren.

Dem Basler Gewerbe ist die geplante Taktverdichtung für die Linie 8 ein Dorn im Auge. Das Tram fördere den Einkaufstourismus und schade damit dem Detailhandel in Basel, kritisiert Gewerbedirektor Gabriel Barell. Der ursprüngliche Gedanke des grenzüberquerenden Trams sei es gewesen, die Pendlerströme zu bewältigen. «Wenn jetzt die Linie 8 mitten am Nachmittag häufiger fahren soll, hat das nichts mit Pendlerströmen zu tun – sondern mit einer Förderung des Gewerbes in Deutschland auf unsere Kosten.»

Kurbeln Verkehrsbetriebe Einkaufstourismus an?

Die Läden und Restaurants in Basel würden schon heute unter dem Einkaufstourismus leiden, heisst es beim Gewerbeverband. Ein Verkehrsbetrieb, der dem Kanton gehöre, dürfe nicht den Einkaufstourismus ankurbeln.

Die Basler Verkehrsbetriebe wollen sich nicht auf eine solche Diskussion einlassen. Mediensprecherin Dagmar Jenny sagt, die geplante Taktverdichtung sei nötig, weil die Trams der Linie 8 derart überfüllt seien, dass sie den Fahrplan nicht einhalten könnten. «Wir sind von Gesetzes wegen aufgefordert, mit allen möglichen Massnahmen die Fahrplanstabilität zu gewährleisten.» Eine dieser Massnahmen sei die geplante Taktverdichtung.

Vorstoss im Kantonsparlament

Letztlich geht es bei der Linie 8 um die Frage, ob die Basler Verkehrsbetriebe auf den Erfolg reagieren und ihr Angebot verbessern sollen – oder ob sie für das einheimische Gewerbe auf die Taktverdichtung verzichten. Diese Frage wird auch die Politik beschäftigen. Aus den Reihen des Gewerbeverbandes wurde ein entsprechender Vorstoss im Kantonsparlament eingereicht.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Herausforderung Grenznähe

    Aus Schweiz aktuell vom 4.9.2015

    Oliver Bono meldet sich live aus der Grenzstadt Kreuzlingen und diskutiert mit den Korrespondenten über die Herausforderungen der Grenzregion Ostschweiz im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld. Wegen der aktuellen Wirtschaftslage mischen auffällig viele Unternehmer im Wahlkampf mit. Auch Ostschweizer Firmeninhaber kämpfen um einen Sitz im Nationalrat. Für ihre Betriebe ist der Einkaufstourismus ein grosses Problem. Sie haben bereits die Preise gesenkt und hoffen nun auf zusätzliche Hilfe aus der Politik.

  • Düstere Zeiten im Detailhandel

    Aus Tagesschau vom 30.7.2015

    Die Frankenstärke beziehungsweise der günstige Euro hat für den Schweizer Detailhandel verheerende Folgen. Es drohen die grössten Einbussen der letzten 35 Jahre. Der Einkaufstourismus ist eine der Ursachen.

  • Wenn Konsumenten im Ausland einkaufen, dann sei das ein Teil der Lösung im Kampf gegen Konzerne, die hierzulande überteuerte Preise verlangen.

    Einkaufstourismus befruchtet den Wettbewerb

    Aus Rendez-vous vom 9.4.2015

    Im 2014 kauften Schweizer Konsumenten für fast zwölf Milliarden Franken im benachbarten Ausland ein. Dieses Jahr dürfte es wegen des Frankenschocks noch mehr sein. Das freut die Wettbewerbskommission, denn sie hofft, dass sich so das Problem der Hochpreisinsel Schweiz quasi von selbst löst.

    Barbara Widmer

  • Einkaufstourismus blüht

    Aus Trend vom 6.4.2013

    Wir kennen die Bilder: Kolonnen von Autos mit Schweizer Nummernschild - vor der Schweizer Grenze. Vollgepackt mit Fleisch, Kleidern, Schampoo, Windeln - und anderem mehr. Weil diese Produkte ennet der Grenze eben billiger sind.

    Einkaufstouristen - nennt man diese Leute, über die sich die SCHWEIZER Laden-Inhaber masslos ärgern. Verständlich: Denn das Geld, das die Einkaufstouristen im Ausland ausgeben, fehlt in den eigenen Kassen. Das Markt-Forschungsinstitut GfK hat nun ausgerechnet, WIEVIEL PROFIT so den Schweizer Detailhändlern entgeht.

    EVELINE KOBLER