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Schweiz Streitgespräch: Erleichterter Zugang zu Sterbemitteln?

Soll der Zugang zu Sterbemitteln für lebensmüde Menschen erleichtert werden? Im Streitgespräch der «Rundschau» stehen sich Marion Schafroth, Exit-Vorstandsmitglied und Ärztin, und der Zürcher EVP-Kantonsrat Gerhard Fischer gegenüber.

Legende: Video «Streitgespräch: M. Schafroth - G. Fischer» abspielen. Laufzeit 10:00 Minuten.
Aus Rundschau vom 21.05.2014.

Lebensmüde Menschen sollten erleichterten Zugang zu Sterbemittel haben. Marion Schafroth, Vorstandsmitglied der Sterbehilfeorganisation Exit und Ärztin, befürwortet diese Entwicklung. In einer freiheitlichen Gesellschaft soll auch der Wunsch vieler Menschen möglich sein, in Selbstbestimmung über das Lebensende zu bestimmen. Aber es sei selbstverständlich, dass niemand ohne Abklärung in den Tod begleitet wird. Exit werde auch nie gesunde Menschen begleiten.

Für Gerhard Fischer, EVP-Politiker im Kanton Zürich geht diese Entwicklung grundsätzlich in die falsche Richtung. Seine Frau starb wegen einem Hirntumor und wollte keine Sterbehilfe. Wenn man die Sterbehilfe nun für Senioren möglich mache, zeige dies, dass man eine Zwei-Klassen-Gesellschaft schafft. Menschen mit Gebrechen seien weniger wert. Dabei mache es keinen Unterschied, ob jemand krank oder alt sei.

Auch aus einer ethischen, christlichen Sicht sei es der verkehrte Weg. «Hoffnungslosigkeit ist ein Problem, wenn man keine Menschen um sich hat. Aber auch der Glaube kann Hoffnung geben.» Ein Sterbewunsch könne auch vorübergehend sein. Ein gutes Umfeld, etwa palliative Pflege, könne einen solchen Sterbewunsch oft auch auffangen, meint Fischer.

Schafroth glaubt nicht, dass es zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft kommt. Der einzelne Mensch solle sagen können, welcher Entscheid für ihn richtig sei. Jeder Menschen empfindet etwas anderes als lebenswert. Es gehe nur darum, Freiheiten zu schaffen.

Gehen und sterben, um nicht zur Last zu fallen?

Könnte eine Liberalisierung bei der Sterbehilfe aber nicht ein falsches Signal geben? Wird nicht der Eindruck vermittelt, alte Menschen seinen nicht mehr viel wert oder fielen der Umwelt zur Last?

Gerhard Fischer schätzt, dass wenn ein älterer Mensch aus dem Leben scheidet, sich jemand anderes im gleichem Alter, vielleicht sogar in einem schlechteren Gesundheitszustand, diesen Druck spüren könnte, gehen zu müssen. Der Druck steigt, niemandem zur Last zu fallen, vielleicht nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen.

Marion Schafroth von Exit sieht aus ihrer Erfahrung diesen Druck nicht. Das Bewusstsein, dass der Druck steigen könnte, ist aber da. Die Sterbehilfeorganisationen hätten ein waches Auge darauf und auch die Sterbehilfe-Gegner würden die Situation beobachten und seien so ein gutes Korrektiv.

31 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Derball, Steckborn
    Liebe Fr. Wüthrich Fr. Schafroth hat es in einem Satz sehr gut auf den Punkt gebracht. Es geht nie um vorübergehende Krankheiten wie in Ihrem Fall sondern um Unerträglichkeit in Endstadien oder chron. Erkrankungen ohne direkte Todesfolge. Als Betroffener von Letzterem... Mir steht kein Vergleichsurteil zu, doch glaube ich auch oft, dass eine tödl. Diagnose mglw. einfacher zu bewältigen ist als zeit-hoffnungsloses Leid. Zur eigenen Ambivalenz gesellt sich hier oft noch Unverständnis des Umfelds.
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  • Kommentar von Andreas Remark, D - Überlingen
    Ich kann das Argument, wonach das Bedürfnis, anderen nicht (mehr) zur Last fallen zu wollen zu schlimmen Auswüchsen führen kann, nicht mehr hören! Im Umkehrschluss fällt dann wohl jeder dieser Gutmenschen anderen gerne zur Last. Ist doch pervers. Niemandem zur Last fallen zu wollen, ist doch wohl eine der menschlichsten Regungen überhaupt! Das war und ist auch bei den Naturvölkern nicht anders (gewesen): Todkranke haben die Gemeinschaft freiwillig verlassen und sich zum Sterben zurückgezogen...
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    1. Antwort von Greti Wüthrich, Oberbipp
      Ich hatte mit 14 Jahren Krebs. Wahrscheinlich hätte man mich Ihrer Meinung nach damals umlegen sollen.
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      G.W./Sie haben wohl etwas nicht richtig verstanden.Niemand wird GENÖTIGT/GEZWUNGEN einen Suizid zu begehen.Ausser möglicherweise in kriminellen Kreisen.Es geht hier um SELBSTBESTIMMUNG.Genauso wenig wie Sie irgend jemand GEGEN IHREN WILLEN UMBRINGEN sollte,sollte auch niemand gezwungen werden können GEGEN SEINEN WILLEN,LEBEN ZU MÜSSEN.Alle sollten in gleicher Weise SELBSTBESTIMMT HANDELN DÜRFEN!
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  • Kommentar von Greti Wüthrich, Oberbipp
    Mit den christlichen Werten, die heute nicht mehr "inn" sind, geht auch der Wert eines Menschenlebens verloren. Ein Mensch, der nicht aktiv am Leben teilnehmen oder etwas beitragen kann, empfindet die Gesellschaft zunehmend als Last oder nutzloses Leben. Dies unabhängig davon, ob der Mensch jung (z. B. Baby mit Behinderung), krank oder alt und gebrechlich ist. Das ist es, was mir zu Denken gibt.
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    1. Antwort von Hans Sieber, Widnau
      @Greti Wüthrich: Menschen haben keinen «Wert». So etwas wie wertvolle/wertlose Menschen gibt es nicht. Alle Menschen sind gleich an Würde, egal ob Baby oder Senior, mit oder ohne Behinderungen, egal welche Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, Stand … Zur Erinnerung – Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.
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