Studentisches Austausch-Programm bald Auslauf-Modell?

Ein Semester in Berlin oder in Madrid studieren: Das könnte für Schweizer Studenten nicht mehr so einfach möglich sein. Denn als Reaktion auf die strengere Einwanderungspolitik hat die EU die Verhandlungen zum Austauschprogramm «Erasmus+» gestoppt.

Die EU hat die weiteren Verhandlungen mit der Schweiz zum Forschungsprogramm «Horizon 2020» und zum Austauschprogramm «Erasmus+» vorläufig sistiert. «Erasmus+» will Schülern, Lehrlingen, Studenten aber auch Erwachsenen Bildungsaufenthalte im Ausland ermöglichen.

Das bisherige Erasmus-Programm hat sich insbesondere an Studierende gerichtet, die einen Teil ihres Studiums oder ein Praktikum im Ausland verbringen wollen.

Jan Bächli ist vor zwei Wochen von seinem Austauschsemester in Paris zurückgekehrt. Die fünf Monate in Frankreich möchte der 25-jährige Aargauer nicht missen: die Fremdsprache, eine unbekannte Kultur, ein anderes Lernsystem. «Für das Studium und den weiteren Werdegang ist es sehr bedeutsam», glaubt Bächli.

«Die Studenten profitieren von dem Austausch»

Über 2800 Schweizer Studierende machen es jedes Jahr wie Bächli. Sie verbringen ein Austauschsemester an einer der zahlreichen Partner-Universitäten. Deutschland, Spanien, Frankreich und Grossbritannien sind ihre beliebtesten Zielländer. Universitäten aber auch Hochschulen machen bei Erasmus mit. Alleine die Universität Zürich unterhält zurzeit 430 Erasmus-Verträge in 50 Fächern.

Ein Austauschsemester für Schweizer im Ausland und für Ausländer in der Schweiz: das bringt den Studierenden viel, bestätigt Jasmin Inauen. Als Leiterin der Abteilung «Internationale Beziehungen» an der Universität Zürich kennt sie die einzelnen Rückmeldungen: «Die Studenten profitieren persönlich aber auch beruflich, indem sie ein neues akademisches System kennenlernen.»


SRF-Wissenschaftsredaktorin Bochsler zu «Horizon 2020»

4:49 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.02.2014

Der Schweiz drohen Mehrkosten

Nun hoffen die Rektoren der Universitäten und die Hochschulleiter im ganzen Land, dass der Bund es schafft, das Austauschprogramm Erasmus zu erhalten und zu verhindern, dass es in die Zeit vor 2011 zurückfällt. Damals war die Schweiz noch keine offizielle Partnerin dieses europäischen Bildungsprogramms.

Damit die Schweiz für die Partner-Universitäten attraktiv bleibt, drohen Mehrkosten: «Wenn die Schweiz nicht mehr im Programm ist, können die ausländischen Universitäten ihren Studierenden kein Geld mitgeben, um hierher zu kommen», erklärt Inauen. Dies würde bedeuten, dass die Schweiz die Finanzierung übernehmen müsste, wie das früher der Fall war. Oder aber, dass die Studenten keine Stipendien haben und deshalb nicht in die Schweiz kommen. «Und dann hätten wir wirklich ein Problem.»

Brief an den Bundesrat

Die Leiter der Universitäten und Hochschulen haben dem Bundesrat letzten Freitag einen Brief geschrieben. Darin weisen sie auch auf die Wichtigkeit des Austauschprogramms Erasmus hin.

Und für Jan Bächli beginnt heute das neue Semester an seiner alten Universität in Zürich: «Ja, ich freue mich, wieder in Zürich zu sein», sagt er. Er sei aber auch sehr dankbar, dass er die Möglichkeit gehabt habe, in Frankreich zu studieren.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Antonio Loprieno, Rektor der Universität Basel.

    Antonio Loprieno

    Aus Rendez-vous vom 17.2.2014

    Studenten und Forscherinnen sind die ersten Opfer der von der Schweiz beschlossenen Zuwanderungsbeschränkung. Macht das Sinn? Was nun? Gast von Susanne Brunner ist der Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten Antonio Loprieno.