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Jungpartei in den Schlagzeilen Suchen die Jusos absichtlich Streit?

Die Jusos sind die Überflieger unter den Junior-Parteien. Zwei Drittel aller Zeitungsartikel über Jungparteien nennen die Jungsozialisten. Dabei helfen ihnen ihre Konflikte mit der SP.

Legende: Video Dogmatische Juso abspielen. Laufzeit 11:34 Minuten.
Aus Rundschau vom 26.04.2017.

Die Juso weiss, wie man in die Medien kommt. In 65 Prozent der Zeitungsberichte, welche Jungparteien behandeln, werden die Jungsozialisten erwähnt. Erst mit riesigen Abstand folgen die Jungfreisinnigen (17 Prozent), Junge SVP (15 Prozent) und die Junge CVP (3 Prozent). Dies zeigt eine Auswertung des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich (fög) im Auftrag der «Rundschau».

In ihrem Reputationsmonitor Politik erfassen die Forscher regelmässig die Resonanz und die Reputation politischer Parteien in den wichtigsten Medien der Deutschschweiz und der Welschschweiz. Nun liegt eine Spezialauswertung zu den Jungparteien vor. Analysiert wurden dort Artikel der letzten zwei Jahren von «20 Minuten», «Blick», der «Neuen Zürcher Zeitung» und des «Tages-Anzeigers».

Dass die Juso so viel öfter als andere Jungparteien mediale Beachtung findet, habe ihn in diesem Ausmass überrascht, sagt der stellvertretende Leiter des fög, Linards Udris: «Wenn jemand zu Wort kommt, dann die Juso.» Die Partei schaffe es, mit eigenen Themen wie beispielsweise dem Datenschutz präsent zu sein. Die Jungsozialisten könnten sich als diejenigen Jungpolitiker in Szene setzen, die sich um junge Themen wie Digitales kümmern. Auch mit ihrer eigenen Initiative, der Spekulationsinitiative konnte die Juso punkten. In Erinnerung ist auch noch die 1:12-Initiative, welche die Juso gestartet hatte.

Mario Fehr.
Legende: Wegen des Einsatzes von Staatstrojanern nahm die Juso den Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr ins Visier. Keystone

Absichtlicher Konflikt mit der SP?

Am meisten Aufmerksamkeit generiere die Juso aber, indem sie sich mit der Mutterpartei anlege, sagt Udris: «Die Juso heizt den Konflikt mit der SP vermutlich bewusst an, um von den Medien aufgenommen zu werden.»

Ein berühmtes Beispiel dafür war der Protest der Juso gegen den Zürcher SP-Regierungsrat Mario Fehr, weil dieser Überwachungssoftware installieren liess. Die Auswertung des fög zeigt, dass die Juso im Vergleich zu den anderen Jungparteien viel stärker als Oppositionspartei zur Mutterpartei wahrgenommen wird.

Auch in anderen Parteien würde es Konflikte geben, sagt Udris. Aber: «Dass sich jung gegen alt stellt, sieht man nur bei der SP». Wenn man Aufmerksamkeit erregen wolle, sei die Strategie der Juso durchaus erfolgreich, sagt Udris. Die Juso wolle ein bestimmtes Segment der Bevölkerung erreichen: «Alle, die zu den Jungen und Unerschrockenen gehören wollen.» Auch wenn ein Konflikt negative Reaktionen auslöse, sei dies positiv für die Juso: «Sie kann sich dann besser als Underdog präsentieren.»

Aggressive Juso-Medienstrategie

In die Medien zu drängen, ist bei der Juso Programm seit Cédric Wermuth Präsident war. In einem Strategiepapier von 2011 fasst er zusammen mit anderen Jusos die Taktik so zusammen: «Die offensive Suche nach der medialen Öffentlichkeit, die Verbindung von Aktivismus und politischer Verantwortung, politische Bildung.» Als Jungpartei müsse man konsequent die Öffentlichkeit suchen, oder man gehe vergessen. Sie hätten nichts anderes getan, «als die Titelseiten der einschlägigen Medien zu studieren.»

Auch heute setzt bewusst auf die öffentliche Aufmerksamkeit. Bei der Planung einer Aktion seien die Medien einen wichtigen Teil der Strategie, sagt Juso-Chefin Tamara Funiciello: «Wenn man nicht die Sprache der Leute spricht, dann verfehlt man das Ziel grundsätzlich.»

Man müsse die Zahlen aber auch relativieren, sagt Udris. Die Juso sei zwar von den Jungparteien am präsentesten: «Doch die Mutterpartei SP kommt immer noch zehnmal häufiger in den Medien vor als die Juso.» 503 Artikel wurden in den letzten beiden Jahren über die Juso veröffentlicht, die SP kommt in 6690 Artikeln vor. Von den Jungparteien aber, findet die Juso weitaus am meisten Beachtung – obwohl sie schweizweit nur ungefähr 3500 Mitglieder zählt. Mehr doppelt so viele Junge politisieren in der Jungen SVP: 8000.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho (marlies artho)
    Nach dieser Rundschau muss ich sagen, leider sind junge Menschen nicht alle,zum Teil sehr manipulierbar. Einige merken vielleicht früh genug, dass eine Radikale Haltung so keine Einigung herbei gebracht werden kann. Darum wehrt sich vielleicht die Mutterpartei SP, weil die Jungen sich vielleicht unnachgiebig verhalten, was sehr schade ist, für einen Zusammenhalt. Nochmals gewisse Punkte die, die JUSO anspricht, wie Nahrungsmittelverschwendung finde ich richtig.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Aber wenn diese Fast-Food Generation sich für Nahrungmittelverschwendung einsetzt, ist das schon ein Widerspruch. Und wenn sie sich gegen Ausbeutung & soziale Gerechtigkeit einsetzt, müsste diese Generation, welche ja auch die Smartphone-Generation ist, sofort auf diese verzichten, denn in ihnen steckt viel soziale Ungereichtigkeit, inkl. Kinderarbeit. Fazit: Die heutigen Wohlstandskinder fordern zwar viel, aber bei sich selber Abstriche machen, so weit reicht dann ihr Engagement dann doch nicht
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    2. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      E. Waeden gebe ich Ihnen recht,vielleicht ist dies nun das Resultat der antiautoritären Erziehung, könnte ja sein.Hat man Ihnen vielleicht in der Erziehung nur die Grenzenlosigkeit aufgezeigt.Wiedersprüche findet oft in Parteien statt.Dieser Wiederspruch ist in dem Fall bei JUSO sehr offensichtlich. Die Mutterpartei SP ist stark gefordert, mit diesen Jungen Menschen, damit einen guten Konsens wieder aufgebaut werden kann, "Grenzen zeigen", um die Glaubwürdigkeit wieder ins Lot zu bringen.
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  • Kommentar von Manfred Pfister (mpf170)
    Da fehlen die Jungen Grünen! Weshalb untersuchte dieses Institut nur diese 4 Jungparteien? Meines Wissens sind die Jungen Grünen einiges aktiver als beispielsweise eine JCVP oder eine JSVP und haben als einzige Jungpartei in der Schweiz bereits 3 nationale Volksinitiativen lanciert.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Das dumme an der Sache ist nur -wenn es dann die Wortführer geschafft haben, in die Politik mit Rang und Namen zu gelangen , dann werden sie Salonpolitiker . So wie in Deutschland einige Turnschuhgrüne und SP - Politiker in den 80iger Jahren . Traue niemandem über 30 sagte mal ein erfahrener Reformer .
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