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Schweiz Suchtprävention: «Gesundheit!» über alles?

In der Schweiz wird weniger geraucht und weniger Alkohol getrunken – so das positive Fazit der Stiftung Sucht Schweiz in ihrem «Suchtpanorama 2015». Doch die Gesundheitsschützer wollen weiterkämpfen. Ihnen stellen sich einflussreiche Kräfte aus Politik und Wirtschaft entgegen.

Ein Kühlschrank mit Bier in einer Tankstelle in Stans (Nidwalden)
Legende: Der Verkauf von billigem Alkohol zu später Stunde ist seit längerem Zankapfel. Keystone

Jugendliche, die sich am Bahnhof oder in Parks mit billigen Drinks einen Rausch antrinken – das ist laut der Stiftung Sucht Schweiz eines der grossen Probleme im Alkoholbereich. Obwohl tendenziell weniger geraucht und getrunken wird. Deshalb schlugen Präventionsfachleute beispielsweise einen Mindestpreis auf Alkohol vor, auch, um Billig-Bier an der Tankstelle einen Riegel vorzuschieben.

Monique Portner von Sucht Schweiz begründet das Vorhaben: «‹Preissensible› Menschen mit kleinerem Portemonnaie, gerade auch Junge und problematisch Konsumierende, reagieren auf solche Massnahmen.» Doch im Nationalrat war eine klare Mehrheit von Mitte bis Rechts gegen den Mindestpreis. Zur Debatte steht noch, ob Tankstellen und Läden nach 22 Uhr keinen Alkohol mehr verkaufen dürfen.

Gegenläufige Interessen

Aber das Anliegen der Präventionsfachleute hat Gegenwind. «Einmal dominieren wirtschaftliche Interessen diejenigen des Gesundheitsschutzes», klagt Portner. Sie befürchtet, dass beim Tabakgesetz, das bald ins Parlament kommt, wieder dieselben Mechanismen spielen. Und eine breite Koalition aus Wirtschaft, Liberalen und Bürgerlichen Kräften geplante Werbeverbote aus dem Gesetz kippt.

Ganz so schwarz sieht es Thomas Pletscher von Economiesuisse nicht. Der Wirtschaftsverband begrüsse Prävention, denn sie verhinderte volkswirtschaftliche Schäden. Trotzdem übt Pletscher auch Kritik an den Präventionsfachleuten: «Sie haben die Tendenz, Prävention in Bevormundung überschlagen zu lassen.» Bevormundung sind laut Economiesuisse etwa die geplanten Werbeverbote für Tabak in Medien oder auf Plakaten.

Lobbying in Bundesbern

Einverstanden ist Economiesuisse aber mit der Idee, dass unter 18-Jährige in der Schweiz keine Zigaretten kaufen dürfen. Dort wiederum sträuben sich FDP und der Gewerbeverband. Sie wollen das Schutzalter nicht national regeln.

Der stärkste politische Druck, so Pletscher, komme sowieso meist von den betroffenen Branchen: «Bei allen Gesetzesvorlagen, die spezifisch auf eine Branche abzielen, ist das Lobbying gross.» Denn Alkohol und Tabakindustrie haben logischerweise kein Interesse an einem weiteren Konsumrückgang. Und wie die Präventionsfachleute versuchen auch sie, die Politiker in Bern zu beeinflussen – ob bei einem Glas Wein oder nicht, bleibt offen.

Ein Thema – viele Interessen

Nie war die Chance besser, auf politischer Ebene etwas gegen Alkohol- und Nikotinsucht zu unternehmen. Das sagt die Organisation «Sucht Schweiz». Das Alkoholgesetz ist derzeit im Parlament, das Tabak(produkte)gesetz wird folgen. Doch viele Präventionsideen werden im politischen Prozess wieder gekippt.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Mathys, Etziken
    Org.Sucht Schweiz,hätte da noch ein Thema für sie: Wirtschaftswachstumssucht! Dies betrifft alle im Arbeitsprozess.Immer mehr Druck auf die Leistung,Gewinn und Umsatz. Das macht sehr krank mit der Zeit. Hier wird praktisch nichts unternommen vom Staat.Dann lieber Tabak-und Alkoholpreise ins unendliche erhöhen.Euch kann man nicht mehr ernst nehmen. Jetzt gehe ich eine rauchen................
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  • Kommentar von Kasper Schwarz, aarau
    würde man das Benzin verteuern, gäbs ein riesen Aufschrei ( von wegen unsozial), Zigis hingegen darf man fast beliebig verteuern ( auch ein Armer kann süchtig werden und er hat sogar das Recht dazu) und jetzt sollen sich auch nur noch Reiche am Abend einen Suff gönnen... Wann kommt die Gesundheitspolizei??
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  • Kommentar von Christian Schulthess, 8824 Schönenberg
    Intressant! Es wird weniger geraucht und weniger getrunken. Das müsste sich doch auf die Krankenkassen niederschlagen. Das heisst doch, dass genau aus diesen zwei Gründen weniger Leute krank sind. Hmm Komisch, aber die Krankenkasse wird doch immer teurer. Geht für mich nicht auf. Behauptet wurde das unter anderem aus diesen zwei Gründen wie Rauchen und Trinken die Gesundheitskosten steigen.
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