Zum Inhalt springen
Inhalt

SVP im Wahlkampf Wie weiter nach der Ära Blocher?

Der Ton der SVP wird schärfer. Wie das an der Basis ankommt, zeigt sich an der Versammlung einer Aargauer Bezirkspartei.

Legende: Audio Blocher und Daueropposition: Kritik der SVP-Basis abspielen. Laufzeit 05:29 Minuten.
05:29 min, aus Echo der Zeit vom 31.05.2018.

19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle in Boniswil am Hallwylersee: Die Musikgesellschaft spielt auf der Bühne schmissige Märsche und sorgt so für etwas Feststimmung in der nüchternen, halbleeren Halle.

60 Personen treffen ein, auch um den Worten von SVP-Parteipräsident Albert Rösti zuzuhören, der als Gastreferent bei der Bezirkspartei auftritt. Bis zu den Eidgenössischen Wahlen dauert es zwar noch gut 500 Tage. Von einer Krise der SVP sprechen die Mitglieder nicht, eher von einem Formtief.

Moderater zu politisieren bringt unter dem Strich mehr, als zu poltern.
Autor: Peter WernliSVP-Mitglied

Woran liegts? Am Stil, sagt Peter Wernli: «Moderater zu politisieren, bringt unter dem Strich mehr als zu poltern.» Die SVP solle mehr Sachpolitik machen und zu einem Problem auch eine Lösung finden. «Wenn man versucht, sich mit den anderen Parteien zu arrangieren, dann gibt es eine Lösung», ist er überzeugt.

Die Daueropposition bringe es nicht, sagt Wernli. Tischkollege Ueli Vögeli pflichtet ihm bei. Die scharfen Töne, wie sie jetzt wieder im Vorwahlkampf zu hören seien – Ausmisten, Saustall, Gaunersyndikat – behagen dem Egliswiler Gemeinderat nicht. «Ich könnte mir vorstellen, dass das abschreckend ist.»

Das sei nicht sein Stil, so Vögeli: «Es ist nicht das Vokabular, das ich gut finde. Am Ende ist es der Ton, der die Musik macht. Die Exponenten, die so auftreten, müssen sich durchaus die Frage gefallen lassen, ob das der richtige Weg ist.»

Ich habe, muss ich ehrlich sagen, lange Mühe gehabt mit Christoph Blocher.
Autor: Claudia KunzSVP-Mitglied

Auch am Tisch gegenüber ist der Politstil das Thema. Claudia Kunz aus Niederlenz ist noch nicht lange in der SVP. «Ich habe, muss ich ehrlich sagen, lange Mühe gehabt mit Christoph Blocher. Er hat mit seiner Art, die ja auch sein Naturell ist, die Leute teilweise fast verscheucht.» Diese Leute gelte es jetzt wieder zu holen, indem man klar in der Sache, aber moderat im Stil auftrete.

Nicht nur für Kunz ist die Ära Blocher vorbei. Das sehen auch viele andere so im Saal. Man habe ihm zwar viel zu verdanken, aber nun brauche es neue Köpfe.

Die SVP ist von mir aus gesehen eine absolut umweltfreundliche Partei.
Autor: Beat FeldmannSVP-Mitglied

Rösti ist für viele SVP-Mitglieder in Boniswil so ein neuer Kopf; Hardliner und Wahlkampfleiter Adrian Amstutz weniger. Noch wichtiger als die Stilfrage ist aber für Beat Feldmann aus Möriken-Wildegg die Themenwahl seiner Partei.

Nur immer EU, Zuwanderung und Flüchtlinge, das sei zu einfach, so Feldmann: «Es klingt vielleicht etwas hellgrün, aber man müsste den Umweltschutz mehr zum Thema machen. Die SVP ist eine absolut umweltfreundliche Partei, von mir aus gesehen.» Man müsse auch die Wirtschaft mehr zum Thema machen: «Und zwar die Wirtschaft zusammen mit der EU, in der Konsequenz.»

Feldmann arbeitet auf dem Bau mit Kollegen aus über 20 Nationen. Er kritisiert die seiner Meinung nach zu tiefen Löhne. Schuld sei die Personenfreizügigkeit. Diese negativen Auswirkungen gelte es aufzuzeigen, anstatt die Zuwanderer zu Sündenböcken zu machen, wie es die SVP bisher zu stark mache.

Wenn Sie in den Saal schauen: Das ist eine AHV-Veranstaltung!
Autor: Hans HartmeierSVP-Mitglied

Der 79-jährige Hans Hartmeier spricht ein anderes Problem an: «Wir können die Jungen nicht mobilisieren. Wenn Sie in den Saal schauen: Das ist eine AHV-Veranstaltung!» Hartmeier glaubt auch zu wissen, weshalb die SVP die Jungen nicht erreicht: «Wir haben seit Jahren dieselben Themen. Wenn man zum Beispiel das Flüchtlingsthema anschaut: Die Jungen sind da viel lockerer.»

Fazit aus der Mehrzweckhalle in Boniswil: Die Mehrheit ist der Meinung, dass sich ihre SVP themenmässig breiter aufstellen muss für die nächsten Wahlen. Und sie soll künftig etwas weniger provozieren.

Die Stilfrage ist keine Frage.
Autor: Albert RöstiPräsident SVP Schweiz

Und was sagt SVP-Präsident Rösti zu dieser Kritik von der Basis? «Die Stilfrage ist keine Frage», wehrt er sich. Es gehe darum, inhaltlich «gradlinig» zu politisieren. «Da gibt es Typen wie mich, denen man nicht abkaufen würde, wenn sie plötzlich mit der Faust auf den Tisch hauen würden. Und es gibt den Amstutz, der halt etwas anders ist. So müssen wir alle Segmente abholen.»

Rösti am Rednerpult
Legende: Er sei kein Typ, der mit der Faust auf den Tisch haue, sagt Parteipräsident Albert Rösti. SRF

Was die Themenpalette betrifft, zeigt sich Rösti offener: «Man muss nicht das Programm ändern, aber vielleicht Themen, die im Moment aktueller sind, etwas mehr hervorstreichen.» Ein Indiz dafür war seine Rede: Neben den zu erwartenden Themen Sicherheit, Flüchtlinge und Zuwanderung hat Rösti auch ausführlich die Sanierung der AHV thematisiert.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

35 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Tobias Weiss (Weiss)
    Die SVP hat alleine an Mitglieder gut 100'000. und wenn man jetzt 3 davon interviewt kann man wohl kaum von "Der Basis" reden was sie wollen und was nicht. Das sind ja gar meilenweit weniger als 1 %. Ich finde die anderen Parteien sollten mal aufhören ständig die SVP und deren Exponenten zu verunglimpfen und mal mit der SVP zusammenarbeiten. In der SP gibt es einen grossen Richtungsstreit. Wo auch die Mitglieder gespalten sind. Da gibt es natürlich keinen Beitrag darüber. Schade.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tobias Weiss (Weiss)
    Danke an die SVP für Ihren Einsatz für die Schweiz und für die Bürger. Die SVP braucht kein neues Programm. Aber sie muss Ihr Programm wieder mit mehr Entschlusskraft durchsetzen. Ständig der Forderungen der anderen Parteien nachgeben kann nicht die Lösung sein. Die anderen Parteien wollen nicht nur immer das Gegenteil von der SVP. Sprich also es geht nicht um die Sache. Sondern die anderen wollen auch in die EU und oder fremde Richter. Nur die SVP wehrt und setzt sich für das Volk ein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans König (Hans König)
    Es ist an der Zeit, dass die SVP auch Themen aufnimmt, die in nächster Zukunft die jüngere Generation beschäftigen werden, u.a. auch Sozialfragen wie Mindestlohn (Existenzminimum) für Arbeitende, Sicherung der Altersvorsorgeeinrichtungen, Einschränkung der Gehalts- und Boniexzessen. Solche Themen könnten die bisherigen wichtigen, wie EU-Unabhängigkeit, Migrationsfrage, Sicherheit, u.a.m. ergänzen. Der eingeschlagene Weg der Gesellschaft ist unmöglich umgekehrt zu machen - es ist zu spät!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen