Wahlen in der Waadt SVP in der Waadt salonfähiger als in der restlichen Romandie

Bei den Wahlen in der Waadt hat die SVP auf den «Parmelin-Effekt» gehofft. Dieser sei aber wohl sehr klein gewesen, sagt SRF-Korrespondentin Barbara Colpi.

SRF News: Bei der SVP scheint der erwähnte «Parmelin-Effekt» nicht eintreten zu wollen. Warum?

Barbara Colpi: Sicher hat die SVP das Vorhaben klar verpasst, die Präsenz im Parlament auszubauen. Sie musste sogar 2 Sitzverluste hinnehmen, allerdings hat die SVP auch nicht die grosse Niederlage erlitten, wie vor einem Monat in Neuenburg. Dort hatte die Partei über die Hälfte der Sitze im Parlament verloren und die Regierungsratskandidaten waren weit abgeschlagen. In der Waadt hat Regierungsrat Jacques Nicolet knapp über 40 Prozent der Stimmen geholt und das ist deutlich mehr als prognostiziert wurde. Dies obwohl die Voraussetzungen für die SVP aufgrund von internen Querelen alles andere als vielversprechend waren. Also vielleicht gab es doch einen kleinen «Parmelin-Effekt», da ohne diesen, das Abschneiden der SVP womöglich schlechter gewesen wäre.

Die SVP hat in der Waadt nicht Schiffbruch erlitten, wie in anderen Westschweizer Kantonen. Hat das auch mit der Geschichte der SVP in der Waadt zu tun?

Die SVP wird in der Waadt weniger als in anderen Westschweizer Kantonen als Deutschschweizer Importprodukt wahrgenommen, denn die SVP ging aus der AIP hervor, der Partei der Bauern, Kleingewerblern und Unabhängigen, und diese hat in der Waadt eine über 100-jährige Geschichte und ist gerade in ländlicheren Gebieten stark verankert. Entsprechend ist die SVP auch salonfähiger als in anderen Westschweizer Kantonen und drittstärkste Partei hinter der FDP und SP.

Insgesamt bleiben die politischen Verhältnisse stabil. Das ist auch ein Ausdruck des Vertrauens?

Absolut, das Stimmvolk ist mehrheitlich zufrieden und hat auch allen Grund dazu: Der Waadt geht es gut; die Finanzen sind im Lot; die Arbeitslosenquote ist tief und die Wirtschaft boomt. Kommt dazu, dass die Waadtländer Politik zu funktionieren scheint: dieses Finden von parteiübergreifenden Lösungen. Für diesen wie die Waadtländer sagen, «compromis dynamique», also dynamischen Kompromiss, steht das tonangebende Duo, Pascal Broulis (FDP) und Pierre-Yves Maillard (SP) – diese beiden schnüren immer wieder Gesamtpakete, bei denen eben die Linken und die Rechten etwas davon haben und entsprechend zufrieden sind.