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Swissness-Gesetz Wieviel Schweiz steckt noch im Schweizer Bier?

Damit Schweizer Brauereien ihr Bier als Schweizer Produkt verkaufen können, gibt es eine Spezialregel.

Legende: Audio Lust auf Schweizer Bier abspielen.
3:24 min, aus Rendez-vous vom 21.11.2017.

In der Berner Traditionsbrauerei Felsenau werden Flaschen abgefüllt. Sie laufen über ein Förderband, der Bügelverschluss schnappt zu, die Harrassen füllen sich.

30'000 Flaschen der Spezialsorte Junker werden am Ende des Tages für den Verkauf bereit stehen. Gebraut wird hier an der Aareschlaufe bereits seit 1881. Felsenau-Bier ist eine Stadtberner Institution.

Doch ohne Hopfen und Malz aus Deutschland ginge nichts, wie Braumeister Pascal Meier bestätigt: «Es gibt einen kleinen Anbau von Braugerste und ein paar Bauern, die noch Hopfen anpflanzen. Ich behaupte allerdings, dass über 95 Prozent der in der Schweiz verbrauten Rohstoffe aus dem Ausland kommen», sagt er.

Das Ende der Bier-Selbstversorgung

Das war nicht immer so. Bis ins 19 Jahrhundert hinein gab es so etwas wie Selbstversorgung beim Bier. Die Bauern bauten genug Braugerste an, lokale Mälzereien verarbeiteten die Gerste zu Malz. Doch mit dem Rückgang der Landwirtschaft und dem Bevölkerungswachstum wurden die Rohstoffe knapp.

Wir haben in der Schweiz aufgrund der Kleinräumigkeit nicht genügend Platz um Braugerste oder Hopfen anzubauen.
Autor: Pascal MeierBraumeister

In den 1930er-Jahren schloss die letzte grosse Mälzerei in der Schweiz. Die Nachfrage wurde fortan aus dem Ausland gedeckt. Das hat auch geografische Gründe, wie Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauerei-Verbands erklärt: «Wir haben in der Schweiz aufgrund der Kleinräumigkeit nicht genügend Platz um Braugerste oder Hopfen anzubauen. Angebot, Nachfrage und Preis sind hier ein Thema.»

Die Kosten fallen in der Schweiz an

Rund doppelt so teuer sind Schweizer Hopfen und Gerste im Vergleich zu Importware, wie es beim Bauernverband auf Anfrage heisst. Die Schweizer Produktion ist schlicht nicht konkurrenzfähig, Selbstversorgung eine Illusion.

Es steckt von der Wertschöpfung her sehr viel Schweiz in unserem Bier.
Autor: Pascal MeierBraumeister

Damit in der Schweiz gebrautes Bier dennoch als Schweizer Produkt verkauft werden darf, gibt es im neuen Swissness-Gesetz eine Ausnahme. Wasser wird ebenfalls als Rohstoff mitgezählt – und davon gibt's in der Schweiz bekanntlich genug.

Doch für Braumeister Meier ist die ganze Swissness-Diskussion ohnehin etwas theoretisch: «Es steckt von der Wertschöpfung her sehr viel Schweiz in unserem Bier. Die grössten Kosten, die anfallen, sind nicht die für Rohstoffe, sondern die für Personal und Energie.»

6 Kommentare

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  • Kommentar von Robert Frei (RFrei)
    Wenn die grössten anfallenden Kosten diejenigen für Personal und Energie sind, und nicht für die Rohstoffe, dann lässt sich doch der Mehrpreis für Schweizer Malz und Hopfen gut verkraften, und sicherlich sogar noch gut verkaufen. Ich zahle gerne für ein gutes Bier auch einen guten Preis.
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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Das Hauptproblem ist,dass alle an Konzerne angeschlossenen Brauereien das gleich lausig und fad schmeckende Ordonnanzbier herstellen,selbst von Braumeistern kaum zu unterscheiden.Es sind die Klein und Mikrobrauereien,die hervorragende Biere mit unterschiedlichsten Noten herstellen und die alte Tradition fortführen.Und da steckt eben auch genug "Swissness"drin.Die Konzernbiere können mir gestohlen bleiben.
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  • Kommentar von I. Bürgler (I.Bürgler)
    Eine weitere Frage: Wie viel Schweiz steckt noch in der Schweiz? Ganz sicher weniger, als noch vor 25 Jahren!
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