Swisspass: Steilpass zum Schwarzfahren?

Seit dem 1. August ist der Swisspass im Einsatz. Für die Kontrolle brauchen die Zugbegleiter ein Lesegerät. Einen Zug zu überprüfen, dauert so allerdings bis zu vier Mal länger, sagt die Gewerkschaft SEV. Das lade ein zum Schwarzfahren.

Video «Einladung zum Schwarzfahren» abspielen

Swisspass: Einladung zum Schwarzfahren?

3:30 min, aus 10vor10 vom 14.8.2015

Passagiere mit dem neuen Swisspass trifft Michaël Blanchut, Zugbegleiter bei der BLS, noch selten an. Wenn er die neuen elektronischen Tickets einscannt, sind viele Passagiere erstaunt: «Ich höre regelmässig, ich sei der erste, der den Swisspass richtig einlesen könne», sagt Blanchut. «Denn bei vielen Unternehmungen – bei Bussen oder Schiffen – steht das Gerät noch gar nicht zur Verfügung.»

Weil auf dem neuen Swisspass weder Laufzeit noch die Art des Tickets aufgedruckt sind, besteht Missbrauchsgefahr. So könnte jemand, der nur ein Halbtax-Abo hat, behaupten, es sei ein Generalabonnement. Fehlt den Kontrolleuren das Gerät, können sie die Schummelei nicht aufdecken.

Kontrollen dauern viel länger

Ein weiteres Problem: Der Zeitaufwand. Zu kompliziert, zu aufwendig sei das Kontrollieren, heisst es beim Eisenbahnerverband. «Die Zugbegleiter sagen uns, dass die Kontrollen sicher drei bis vier Mal länger dauern als früher», sagt Peter Moor vom Schweizerischen Eisenbahnerverband SEV. «Das heisst, dass sie auf keinen Fall durch den ganzen Zug kommen.» Dies sei eigentlich eine Aufforderung zum Schwarzfahren.

So einfach sei Schwarzfahren nicht, so der Verband öffentlicher Verkehr: Es würden mehr Stichkontrollen durchgeführt. Zudem sei der neue Swisspass kaum zu fälschen. «Der Swispass ist sicherer in Sachen Fälschungen, weil man diesen jetzt elektronisch kontrolliert», so Helene Soltermann, Mediensprecherin BLS. Früher habe es immer wieder Fälle von gefälschten Generalabonnemente gegeben.

Teure Lesegeräte

Der Konsumentenschutz kritisiert seinerseits, dass die Beschaffung der neuen Kontrollgeräte für den Swisspass zu teuer sei. Die Transportunternehmen würden sich beim Einkauf zu wenig absprechen, sagt Sara Stalder, Geschäftsführerin von der Stiftung Konsumentenschutz. «Die Geräte hätten gemeinsam beschafft werden sollen. So hätte man einen besseren Preis aushandeln können.» Dadurch hätten sich auch die Fahrpreise verbilligt.

Doch Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr, widerspricht dieser Einschätzung. Man habe die Kosten bestmöglich reduziert.

Zwei Wochen Swisspass und immer wieder Kritik. Die SBB wollten gegenüber «10vor10» keine Stellung mehr nehmen. Informiert werde erst wieder zu einem späteren Zeitpunkt.