Syrer in der Schweiz bemühen sich um Visa für Verwandte

Es ist eine Schweizer Reaktion auf die Grauen des syrischen Bürgerkriegs: Syrische Staatsangehörige, die seit längerem hierzulande leben, können ihre Angehörigen vereinfacht holen. Es gibt viele Anfragen. Elf Gesuche sind bereits bewilligt worden – seit einer Woche.

Für Ziad Malki war sofort klar letzte Woche: Er will seine Familie von Syrien in die Schweiz holen. Denn: «Das Land ist total zerstört. Es gibt ein Aufkommen von radikalen Gruppen. Man hat gar keine Hoffnung.»

Der 31-Jährige Student hat Mutter, Vater und Geschwister in dem Bürgerkriegsland. Sein Vater ist politisch engagiert, sie sind Christen. «Die Familie hat Aleppo verlassen wegen der Kämpfe», sagt Malki. Wenn sie an einen sicheren Ort käme, sei das optimal.

Malki hat bereits mit der Schweizer Botschaft im Libanon telefoniert. Dorthin oder in die Türkei, nach Jordanien oder Ägypten müssen Angehörige in der Schweiz lebender Syrer reisen, um ein Visum zu beantragen.

Eine Woche: Elf Gesuche

Beim Bundesamt für Migration heisst es: Es gebe viele Anfragen. Elf Gesuche seien bereits bewilligt worden seit letztem Mittwoch.

Malkis Familie wird quer durch Syrien reisen müssen. Unterwegs könnten sie beispielsweise entführt werden. Er habe Angst, denn es gebe keine Garantie, dass seine Familie in der libanesischen Hauptstadt Beirut ankommen.

Gefährliche Ausreise

Die Gefahren einer Ausreise beschäftigen auch Ashti Amir: Der Flüchtlings-Betreuer lebt seit 14 Jahren in der Schweiz. Auch er hat Eltern und Geschwister in Syrien: «An der türkischen Grenze haben sich die Kontrollen extrem verschärft. Ein Grenzstück zum Libanon ist heute in den Händen der Freien Syrischen Armee. Morgen hat Hisbollah oder die Regierung die Macht. Es ist sehr gefährlich.»

Ashti Amir überlegt sich, seine Eltern in Sicherheit zu bringen. Doch hat er sie seit über vier Monaten nicht mehr erreicht.

Was kommt dann? Unwichtig!

1600 Syrer haben eine Schweizer Aufenthalts-Bewilligung B oder C. Sie dürfen nun Eltern, Kinder sowie Geschwister und deren Familien hierher holen. Die Flüchtlingshilfe erwartet mehrere Hundert Menschen. In der Schweiz müssen sie eine vorläufige Aufnahme oder Asyl beantragen, um bleiben zu können.

Ziad Malki kann die Ankunft seiner Familie kaum erwarten. Wo und wovon sie dann leben werde, sei im Moment unwichtig. Er sagt: «Ich weiss es nicht. Wahrscheinlich werde ich Geld ausleihen oder an einige Türen klopfen. Wenn es um Leben und Tod geht, finde ich einen Weg.»