Syrer nutzen Familiennachzug bisher kaum

Seit einem Monat können vorläufig aufgenommene Flüchtlinge aus Syrien ihre Familie leichter in die Schweiz holen. Doch das auf 1000 Personen begrenzte humanitäre Angebot wird kaum genutzt. Das erstaunt angesichts der Flüchtlingswelle. Muss die Praxis zugunsten anderer Flüchtlinge überdacht werden?

Bis zu 700 Flüchtlinge aus Syrien will die Schweiz allein in diesem Jahr über den erleichterten Familiennachzug aufnehmen. Im ersten Monat dieser vom Bundesrat beschlossenen humanitären Aktion mussten gerade einmal 13 Visa bewilligt und deren drei verweigert werden, wie Martin Reichlin von Staatssekretariat für Migration bilanziert.

Erleichterter Familiennachzug aus Syrien gilt für nur Eheleute und ihre minderjährigen Kinder.

Bildlegende: Erleichterter Familiennachzug aus Syrien gilt für nur Eheleute und ihre minderjährigen Kinder. Reuters/Archiv

Offenbar habe die erste, längst abgeschlossene Visa-Aktion vor fast zwei Jahren den grössten Bedarf beim Familiennachzug bereits gedeckt, erklärt sich Reichlin die geringe Nachfrage. Damals hatte die Schweiz fast 5000 Visa ausgestellt, In den letzten anderthalb Jahren sei somit ein grosser Teil der syrischen Asylsuchenden mit einem Visa aus dieser ersten Aktion eingereist. Diese Menschen hätten also ihre Familien bereits in der Schweiz.

Caroline Krauss vom Schweizerischen Roten Kreuz sieht das etwas anders. Sie erwartet, dass die Nachfrage nach den erleichterten Visa noch zunehmen wird: Viele Syrer erkundigten sich beim Roten Kreuz nach den Formalitäten. Dies deute darauf hin, dass immer noch eine grosse Gruppe von Personen Unterstützung brauche.

Engere Kriterien als vor zwei Jahren

Ein Problem sieht Krauss darin, dass aktuell nur ein enger Personenkreis von den erleichterten Bedingungen profitieren könne, nämlich minderjährige Kinder und Ehegatten. Schon aufgrund dieser Begrenzung sei klar gewesen, dass nicht Tausende anfragen würden. Vor zwei Jahren durften Syrer dagegen auch ihre Eltern, Tanten und Onkel erleichtert in die Schweiz holen.

Der Bundesrat entschied Anfang Jahr, total 3000 Menschen aus dem syrischen Krisengebiet einreisen zu lassen. Dazu gehören neben den auf 1000 begrenzten erleichterten Familienvisa die so genannten Kontingentsflüchtlinge, die via UNO-Hilfsprogramme in die Schweiz kommen. Letztere könnten nun vermehrt profitieren, falls der Bedarf beim Familiennachzug weiterhin so gering bleibt wie in den ersten Wochen.

Erste Zwischenbilanz im Herbst

Dies bestätigt Reichlin: «Die Praxis wird zeigen müssen, wie viele über ein Visum kommen und wie viele über das UNHCR als anerkannte Flüchtlinge ausgewählt werden.» Eine erste Zwischenbilanz über die neue Aufnahmeaktion für Syrerinnen und Syrer werde der Bundesrat im Herbst ziehen.