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Schweiz Syrien-Flüchtlinge: Papierkrieg statt schnelle Rettung

Eineinhalb Jahre nachdem der Bundesrat die Aufnahme von 500 Flüchtlingen angekündigt hat, sind erst rund 200 von ihnen angekommen. Unterdessen müssen die restlichen ausgewählten Flüchtlinge unter prekären Bedingungen im Libanon ausharren. Nun wird Kritik am Bund laut.

Legende: Video Papierkrieg statt schnelle Rettung abspielen. Laufzeit 11:00 Minuten.
Aus Rundschau vom 18.02.2015.

In der Bekaa-Hochebene im Libanon unmittelbar an der Grenze zu Syrien versuchen Hunderttausende von Flüchtlingen in behelfsmässigen Zelten oder einfachen Hütten zu überleben. Hier trifft die «Rundschau» die sechsköpfige Familie Anwar. Sie hatte das Glück, für das Flüchtlingskontingent der Schweiz ausgewählt zu werden. Doch es geht nicht vorwärts.

«Vor über zwei Monaten wurden wir von Schweizer Beamten befragt, seither haben wir nichts mehr gehört.» sagt Mohammad Abdallah. Der Familienvater ist besorgt, weil sein 13-jähriger Sohn Moatassim verletzt wurde, als das Haus über ihm einstürzte. «Er müsste dringend operiert werden. Wenn wir noch lange hier ausharren müssen, könnte Moatassim für immer behindert bleiben.»

«Im Fahrplan des Pilotprojekts»

Die Familie von Anwar ist keine Ausnahme. Bis zu 9 Monaten müssen die Flüchtlinge warten, bis alle Abklärungen für die Ausreise erledigt sind. Dazu gehört unter anderem die Befragung durch Schweizer Beamte vor Ort sowie die Überprüfung jedes Dossiers durch den Nachrichtendienst.

Der Präsident der Eidgenössischen Migrationskommission (EKM), Walter Leimgruber, kritisiert die langen Wartezeiten: «Gerade für besonders verletzliche Menschen muss die erste Priorität sein, sie möglichst schnell aus ihrer Not zu befreien und sie in ein Umfeld zu bringen, wo sie sich einigermassen erholen können.»

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) weist die Kritik zurück. «Es handelt sich um ein Pilotprojekt. Dieses hat nicht den Sinn, möglichst rasch viele Leute rauszuholen, sondern ausgewählten Personen eine neue Perspektive zu eröffnen», sagt SEM-Kommunikationschefin Gaby Szöllösy. Die Instrumente, mit denen die Schweiz rasch helfen wolle, seien die humanitäre Hilfe vor Ort und die Visumerleichterungen, die vorübergehend in Kraft waren.

«Schweiz muss mehr tun»

Angesichts des enormen Flüchtlingsdrucks auf die Nachbarländer Syriens müsse die Schweiz mehr tun, als einfach nur dieses Pilotprojekt weiterzuführen, erklärt Walter Leimgruber: «Man hat jetzt gesehen, wie es funktioniert. Jetzt muss man das Tempo steigern und die Zahl der aufzunehmenden Flüchtlinge deutlich erhöhen.» sagt der EKM-Präsident in der «Rundschau».

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6 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Flüchtlinge aus echten Bedrohungslagen sollten aufgenommen werden, gerade in Europa. Aber die Politik zerstört diese Möglichkeit, weil sie jeden undurchsichtigen Typen aus Nahost und Afrika mit der gleichen Vokabel bedenkt: Flüchtling. Sie zertreten damit gewissenlos genau das, was sie angeblich wollen, das Mitgefühl mit wirklich Verfolgten. Der traumatisierte echte Flüchtling, der gerade noch seine Haut retten konnte, der spielt für die Politik keine Rolle, der ist nämlich immer Opfer.
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  • Kommentar von Jorge Stein, Chêne-Bougeries
    Flüchtlinge aufnehmen: Ja, schnell und effizient! Aber nur Christen und Yesiden; von diesen gibt es genug in den Auffanglagern. Vor allem diese werden verfolgt! Islamische Menschen werden sich in einem Aufnahmeland mit ihrer Religion wesentlich wohler fühlen und sich auch leichter integrieren lassen. Aus dem Nahen Osten wird gewarnt, dass gezielt unter die Migranten verdeckte Salafisten als potentielle Attentäter beigemischt werden. Es ist zu hoffen, man ist sich in Bern dieser Gefahr bewusst!
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Die Welt besteht nicht nur aus der Schweiz. Seien wir froh, dass möglichst wenig kommen. Es hat noch genug Platz in anderen - viel grösseren Ländern. Die EU soll sich auch endlich bewegen.
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