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Schweiz Tausende marschierten zum 1. Mai

In der Schweiz haben am Tag der Arbeit mehrere Tausend Personen an verschiedenen Kundgebungen teilgenommen. Mit rund 14'000 Teilnehmern fand die grösste Demonstration in Zürich statt. Die Feiern verliefen friedlich.

Christian Levrat spricht vor einem Plakat mit der Aufschrift «Mindestlohn statt Boni!»
Legende: «Wir erleben eine Renaissance von Machotum und Autoritarismus» – der SP-Präsident auf dem Zürcher Sechseläutenplatz. Keystone

Am offizielle 1.-Mai-Umzug in Zürich nahmen rund 14'000 Personen teil – «so viele wie schon lange nicht mehr», wie es von Seiten der Organisatoren hiess.

Auf einem grossen Transparent stand das Motto des diesjährigen Umzugs «Stürmen wir die Festung Europa», wobei Europa durchgestrichen und mit Schweiz ersetzt war. Im offiziellen Umzug waren auch rund 300 Personen von der linksautonomen Szene dabei, wie Stadt- und Kantonspolizei mitteilten. Der bewilligte Umzug verlief friedlich.

Stimmungsmache für den Mindestlohn

Legende: Video 1. Mai in Zürich abspielen. Laufzeit 1:46 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.05.2014.

Die Gewerkschaften nutzen den diesjährigen 1. Mai, um Werbung zu machen für die Mindestlohn-Initiative. Der Tag der Arbeit steht heuer unter dem Motto «Gute Arbeit. Mindestlohn». Abgestimmt wird am 18. Mai.

An der Spitze hinter dem Transparent «Gute Arbeit - Mindestlohn» marschierte unter anderen SP-Präsident Christian Levrat mit. Er sieht wesentliche Errungenschaften in der Schweiz durch «rückschrittliche und reaktionäre» Kräfte bedroht, wie der Hauptredner auf dem Sechseläutenplatz sagte. Dieser Bedrohung sagte Levrat den Kampf an.

Der SP-Präsident beobachtet in der Schweiz eine «Renaissance von Machotum und Autoritarismus». Diese führe zu einer Absage an die humanitäre Tradition der Schweiz, zu einer Rückkehr des Saisonnierstatuts und sie bringe die Schweiz in Europa in eine «selbstmörderische politische Isolation».

Deshalb müsse diese «rückschrittliche Schweiz» bekämpft werden. Dazu fähig seien jedoch einzig die Kräfte der Linken in Politik, Gewerkschaften und Verbänden. Es sei wichtig, die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zu verteidigen. Dazu gehörten etwa der Service public, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie die AHV.

Redner aus Lampedusa: Für eine weltweite Reisefreiheit

Personen vor einer Bühne. Redner mit dem Rücken zur Kamera.
Legende: Tausende hörten auf dem Zürcher Sechseläutenplatz der Rede von SP-Präsident zu Keystone

Weiterer Redner war der Künstler und Politaktivist Giacomo Sferlazzo von der italienischen Insel Lampedusa. Sferlazzo ersetzte die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giuseppina Nicolini, die ihre Teilnahme wegen der angespannten Situation in ihrer Gemeinde abgesagt hatte. Sferlazzo sprach sich in seiner Rede unter anderem für weltweite Reisefreiheit aus.

Sferlazzo wies auf die Unzulänglichkeiten der europäischen Migrations- und Flüchtlingspolitik hin. Am Beispiel seiner Heimatgemeinde Lampedusa zeige sich, wie die EU die Migrationspolitik missbrauche, um das Mittelmeer zu militarisieren.

Auch dieses Jahr eine Gegendemo

In Zürich fand auch eine Gegenveranstaltung von Linksaktivisten statt – dies kündete das Aushängeschild der Stadtzürcher Bewegung, Andrea Stauffacher an. In der Vergangenheit ist es im Umfeld dieser Kundgebungen zu Ausschreitungen und Sachbeschädigungen gekommen.

Viele Ladenbesitzer rechnen offensichtlich auch dieses Jahr mit unschönen Szenen. Verschiedene Läden an der Langstrasse verbarrikadierten bereits am Vorabend ihre Schaufenster. Doch es blieb weitgehend ruhig.

Die Demo in Basel verlief friedlich

Auch in Basel haben gegen 1500 Personen an der 1.-Mai-Demonstration der Gewerkschaften teilgenommen. Zentrales Thema war neben der Solidarität die Mindestlohninitiative. Die Demo bei Nieselregen blieb weitgehend friedlich.

An der Kundgebung vor der Kulisse des Basler Rathauses wurde die Lohnsituation thematisiert und dabei geizige Arbeit- und Auftraggeber kritisiert: In der Schweiz müssten Schweizer Löhne bezahlt werden; mit beispielsweise tschechischen Handwerkerlöhnen könne man in der Schweiz schlicht nicht leben, hiess es.

Schweizweit finden um die fünfzig Anlässe statt. Auf der Rednerliste tummeln sich Gewerkschafter und Politikerinnen, und für den kulturellen Rahmen sorgen Musiker und Künstlerinnen jeder erdenklichen Sparte und jeden Alters.

Berset: Ohne sozialen Ausgleich keine starke Wirtschaft

Legende: Video Sommaruga feiert 1. Mai in Bellach (SO) abspielen. Laufzeit 1:38 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.05.2014.

Auf dem Rathausplatz in Thun spricht Bundesrat Alain Berset zur Menge. Seit der Finanzkrise sei für viele die gesellschaftliche Stabilität wieder ein wichtiges Anliegen geworden, sagte Berset. Dabei dürfe nicht vergessen gehen, dass gesellschaftliche Stabilität die Frucht von Arbeit und Auseinandersetzung sei.

«Der soziale Ausgleich gehört, ebenso wie der regionale Ausgleich, zum Fundament der Schweiz», sagte Berset. Ohne sozialen Ausgleich könne es auch keine starke Wirtschaft geben.

SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat den Tag der Arbeit wie schon letztes Jahr nicht hinter dem Rednerpult, sondern unter Arbeitern verbracht. Sie ging auf einen Rundgang in der Werkzeugfabrik Fraisa im solothurnischen Bellach. Danach setzte sie sich mit rund einem Dutzend Mitarbeitenden zu einem Gespräch an einen Tisch und hörte sich dabei die diversen Lebensgeschichten dieser Leute an.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga begutachtet bei ihrem Besuch in der Firma Fraisa ein Produkt.
Legende: Bundesrätin Simonetta Sommaruga besucht am Tag der Arbeit die Firma Fraisa in Bellach. Keystone

Der oberste Schweizer Gewerkschafter, SP-Ständerat Paul Rechsteiner, wird der Schweiz hingegen am 1. Mai untreu: Er reist nach Deutschland und wird in Nürnberg auf Einladung des Deutschen Gewerkschaftsbunds Mittelfranken eine Rede halten.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Lena Meier, Aarau
    Motto "weltweite Reisefreiheit" ? Wann endlich merken diese realitätsfremden Träumer, dass sie damit Wasser auf die Mühlen der Ultrakapitalisten giessen. Das wären ja die einzigen die wirklich profitieren würden könnten sie sich aus einem Milliardenpool von Arbeitslosen bedienen. Dann aber "Gut Nacht" mit Mindestlohn und allen bestehenden Arbeiterrechten.
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  • Kommentar von Gunnar Leinemann, Teuffenthal
    Im "Bund" liest man: "Die Langstrasse wurde von tanzenden Menschen und Linksaktivisten blockiert. Die Polizei hat sie geräumt." Gibt es eigentlich in diesem Land noch irgend eine öffentliche Versammlung von Menschen, die nicht durch die Polizei in kurzer Zeit geräumt wird? Mir wird zunehmend übel, wenn ich sehe, wie die Staatsgewalt immer mehr den Repressionsstaat durchsetzt. Selbst im verschlafenen Thun standen heute an jeder Ecke Polizisten – man glaubte sich im falschen Film. Grässlich!
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    1. Antwort von Adrian Flükiger, Bern
      @Leinemann: Dagegen war Bern geradezu "Polizei-freie-Zone".
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    2. Antwort von Rolf Maeder, Spiez
      @leinemann: Zu ihrer Orientierung leben wir glücklicherweise in einem funktionierenden Rechtsstaat ! Die linken subversiven Aktivisten, welche dem Bürger und dem Staat sein Eigentum zerstören, müssen in Schach gehalten werden.
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  • Kommentar von Andreas Gerber, Horgen
    Wieso zum Teufel soll der Sechseläutenplatz ein «ehrwürdiger» Platz sein? Zu lange ins Feuer geschaut oder Zunftwein getrunken?
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