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Terror-Prävention Mit dem Sprengstoff-Bausatz aus der Apotheke soll Schluss sein

Der Bundesrat will den Zugang zu Chemikalien erschweren, die heute frei verfügbar sind – aber missbraucht werden können.

Legende: Video Einschränkungen für gefährliche Substanzen abspielen. Laufzeit 2:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.12.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Düngemittel, Reinigungsmittel für Schwimmbäder, Unkrautvernichter – sie alle haben eines gemeinsam: Sie können zu terroristischen Zwecken missbraucht werden.
  • Mit dem nötigen Wissen können sie zum Sprengstoffbau verwendet werden. Und: Viele sind im freien Handel erhältlich.
  • Das soll ein neues Gesetz nun ändern.

Der Bundesrat will den Zugang zu gewissen gefährlichen Substanzen erschweren. Ein entsprechendes Gesetz schickt er in die Vernehmlassung.

TATP – oft eingesetzter Sprengstoff bei Terroristen

Laut dem Bundesamt der Polizei gab es in der Schweiz bis jetzt keine terroristischen Vorfälle mit selbstgebautem Sprengstoff. Anders in der EU: Viele Attentate der letzten Jahre wurden mit selbsthergestellten Sprengsätzen durchgeführt.

Häufig verwendet wird dabei der Sprengstoff Triacetontriperoxid (TATP), der aus wenigen, einfach verfügbaren Chemikalien besteht. Er ist vergleichsweise leicht herzustellen, bestätigt Jürg Hulliger, Professor der Chemie an der Universität Bern. Die Zutaten gibt es unter anderem in der Apotheke, im Baumarkt oder im Fachhandel.

Keine Meldepflicht

Apotheker Alex Grogg bestätigt, dass es zurzeit kaum Einschränkungen beim Verkauf gibt: «Wir dokumentieren zwar, was wir an kritischen Stoffen verkaufen. Wir haben auch eine Ausweispflicht und das Mindestalter muss eingehalten werden. Aber eine Meldepflicht gegenüber den Behörden haben wir nicht.»

Der Sprengstoff TATP wurde zum Beispiel bei Attentaten in Paris oder Manchester benutzt. Allerdings sei es nicht so einfach, funktionierende Bomben damit zu bauen, sagt Chemie-Professor Hulliger. So wurden etwa im September 2017 bei einem ein Anschlag in der Londoner U-Bahn 29 Menschen verletzt. Der relativ glimpfliche Ausgang lag vor allem daran, dass der TATP-Sprengsatz nicht richtig explodierte. Die verwendeten Chemikalien waren zu wenig konzentriert, was Schlimmeres verhinderte.

Die Bedeutung von Konzentration und Menge

An diesem Punkt will der Bundesrat ansetzen. Fedpol-Sprecherin Cathy Maret bestätigt, dass man heute alle Produkte in jeglicher Konzentration erhalten kann. Das solle sich ändern. Gewisse dieser hoch konzentrierten Substanzen sollen in Zukunft nicht mehr frei verkauft werden. Stattdessen sollen Genehmigungen und Registrierungspflichten eingeführt werden. In der EU ist die Abgabe dieser Stoffe schon seit 2014 reglementiert.

Mit dem neuen Gesetz soll auch verhindert werden, dass potenzielle Einkäufer sich in der Schweiz mit gefährlichen Substanzen eindecken. Allerdings sollen die Bestimmungen nur für Privatpersonen gelten. Landwirte, die zum Beispiel grosse Mengen Düngemittel benötigen, sind von den neuen Regeln ausgenommen.

Kann heute also jeder eine Bombe bauen? Jürg Hulliger winkt ab: «Jedermann kann es probieren, aber nicht jeder wird es überleben.» TATP kann auch für die Bombenbauer gefährlich werden: Im August 2017 starben zwei Terroristen beim Versuch, eine TATP-Bombe für ein geplantes Attentat in Barcelona zu bauen.

(Sendebezug Tagesschau 19.30 Uhr)

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Wollte kürzlich Wasserstoffperoxid zum Bleichen einer alten Holztüre kaufen und mein Ausweis wurde verlangt. Das scheint mir kein Problem, solange man/frau es noch kaufen kann.
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  • Kommentar von Winston Smith (Satiere für Demokratie)
    Und wo hören wir dann auf?Wer A sagt muss auch B Sagen! Gasflschen, die Dinger sind auch gefährlich, brauche ich schon bald eine Bewilligung wenn ich Gas für meinen Grill kaufen will?Am besten gleich Verbieten! Gleiches gilt für Benzin, aber da sind wir ja in Europa schon dran mit einem Verbot! Doch was ist mit dem Auto,terror Waffe nummer 1 im Moment. Verbieten? Besser wäre es wohl, die gefahr von Autos wird seit jeher unterschätzt! Wilkommen in 1984 Nicht vergessen: Big Brother is Watching you
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  • Kommentar von Nicola Harrison (Nicola Harrison)
    Zucker ist übrigens toxisch aber die Menschheit lässt sich gerne täuschen.
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Grundsätzlich sind ja alle Stoffe ab einer bestimmten Dosierung toxisch. Jedoch halte ich diese Art der Verteufelung für grundsätzlich falsch. In Massen genossen stellt Zucker überhaupt kein Problem dar. Gleiches gilt für Salz, Fett etc.
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