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Absturz womöglich wegen Geheimdienst-Panne in Deutschland?
Aus SRF 4 News aktuell vom 21.02.2020.
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Terroranschlag von Würenlingen «Wegen einer Informationspanne kam es zum Attentat»

Ein Bombenattentat brachte 1970 in Würenlingen ein Swissair-Flugzeug zum Absturz. 47 Menschen starben. Für die Terrortat wurde eine Splittergruppe der PLO verantwortlich gemacht, doch verurteilt wurde bis heute niemand.

Jetzt weisen neue Erkenntnisse der NZZ darauf hin, dass der Anschlag womöglich wegen eines Missverständnisses zwischen zwei Geheimdiensten nicht vereitelt wurde. NZZ-Journalist Marcel Gyr jedenfalls ist überzeugt, dass die Terrorpläne im Vorfeld der Tat bekannt waren.

Marcel Gyr

Marcel Gyr

Journalist

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Marcel Gyr arbeitet seit 2001 bei der NZZ. Seit 2017 ist er Mitglied der Inland-Redaktion. Er ist Autor des Buchs «Schweizer Terrorjahre». Darin schreibt Gyr von einem geheimen Deal zwischen der Schweiz und der PLO.

SRF News: Was ist der Kern Ihrer neuen Erkenntnisse zum offensichtlichen Terroranschlag von 1970?

Marcel Gyr: Laut der These einer meiner Ansicht nach sehr vertrauenswürdigen Quelle hat ein Geheimdienst mitbekommen, dass eine Terrorzelle in Deutschland ein Attentat plante. Er teilte diese Erkenntnis mit deutschen Stellen, woraufhin die Information beim Landesamt für Verfassungsschutz in Hessen landete. Aus nicht geklärten Gründen unternahm der hessische Geheimdienst aber nichts. Wegen der Informationspanne kam es zum Attentat in der Schweiz.

Der Mossad hörte die Telefone der Terrorzelle in Deutschland ab.

Welche Geheimdienste waren dabei involviert?

Der eine ist der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad. Er hörte die Telefone der einschlägig bekannten Terrorzelle ab und meldete seine Erkenntnisse nach Deutschland. Das geschieht üblicherweise an die Adresse des deutschen Bundesnachrichtendienstes. Dieser gab die Information weiter nach Hessen. Wo genau sie dann hängengeblieben ist, können erst weitere Dokumente offenlegen.

Palästinenser-Terror in der Schweiz

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Palästinenser-Terror in der Schweiz

Der Absturz der Swissair-Maschine am 21. Februar 1970 gilt als grösster Terroranschlag in der Geschichte der Schweiz. Auf dem Flug von Zürich nach Tel Aviv explodierte an Bord der Convair CV-990 Coronado eine Bombe. Beim Absturz in der Nähe von Würenlingen/AG starben alle 47 Menschen an Bord. Hinter dem Anschlag steckt eine radikale Splittergruppe der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO. Die mutmasslichen Täter sind bekannt, wurden aber nie vor Gericht gestellt. Weshalb nicht, bleibt bis heute unklar.

Was können Sie über die Quelle sagen, von der Sie die neuen Informationen haben?

Sie stammt aus US-Geheimdienstkreisen. Ich tausche mich schon seit einiger Zeit mit dieser Quelle aus. Nun haben wir uns im Hinblick auf den 50. Jahrestag des Terroranschlags getroffen und eine Auslegeordnung gemacht. Dabei ist viel Insidermaterial zum Vorschein gekommen.

Sie können die Aussagen Ihrer Quelle also nicht vollständig verifizieren?

Nein, deshalb ist unser Bericht in der NZZ auch mit einem Fragezeichen versehen. Der Artikel versteht sich als Input für die Diskussion in der Art: Aus den USA liegt ein neuer, ernstzunehmender Hinweis vor.

In den US-Archiven gibt es offenbar viel Material zum Anschlag von Würenlingen.

Auch gibt es in den USA offenbar viel Material zum Fall Würenlingen in den Archiven. Derzeit sind die Dokumente noch unter Verschluss. Es besteht allerdings die Hoffnung, dass das Material mit der Zeit offengelegt wird.

Welche Rolle haben die Schweizer Behörden im Nachgang des offensichtlichen Terroranschlags gespielt?

Man muss wissen: Der Fall Würenlingen spielt sich grösstenteils in Deutschland ab. Der Anschlag wurde dort von einer palästinensischen Terrorgruppe geplant. In Frankfurt baute sie die Bombe zusammen und brachte sie zur Post. Die Swissair wurde vermutlich zufällig getroffen. Deshalb sind eigentlich die deutschen Behörden gefragt, allenfalls die israelischen. Die Schweiz ist nur im Seitenwagen mit dabei.

Vermutlich wurde die Schweiz gebeten, das Strafverfahren nicht voranzutreiben.

Vermutlich wurden die hiesigen Behörden damals von Deutschland oder allenfalls Israel gebeten, das Strafverfahren nicht voranzutreiben. Denn im Rahmen eines Gerichtsverfahrens hätte das Risiko bestanden, dass die Kommunikationspanne in den Geheimdiensten aufgedeckt worden wäre.

Das Gespräch führte Janis Fahrländer.

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50 Jahre nach Attentat auf Swissair-Maschine
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SRF 4 News, 21.02.20, 06.25 Uhr; srf/snep

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