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Teure Betreuung Kantone und Gemeinden tricksen bei Altersheim-Kosten

Die Pflegekosten müssen Kantone und Krankenkassen bezahlen. Sie werden künstlich tief gehalten – dafür werden die Patienten geschröpft.

Legende: Audio Zu hohe Pflegekosten in Schweizer Heimen? abspielen. Laufzeit 3:50 Minuten.
3:50 min, aus Echo der Zeit vom 04.04.2018.

Laut dem «Tages-Anzeiger» verrechnen mehr als 500 Alters- und Pflegeheime in der Schweiz den Patienten zu hohe Kosten für die Betreuung. Zu diesem Schluss kommt die Zeitung nach einer Datenauswertung. Damit versuchen die Heime – so die Vermutung –, die Defizite bei der Pflege zu decken.

Preisüberwacher Stefan Meierhans sagt, die Daten, welche der «Tages-Anzeiger» aufbereitet habe, seien durchaus «plausibel.

Kantone und Gemeinden versuchen zu sparen

Der Preisüberwacher selber hatte schon früher aufgedeckt, dass in den Kantonen Baselland, Aargau, Zürich, Solothurn der Kanton oder die Gemeinden die Vergütung für Pflegekosten zu tief ansetzten. «Aus finanziellen Überlegungen werden die Normkosten nicht angehoben, damit der Kanton und die Gemeinden sparen können», sagt Meierhans.

Eigentlich sollte das gemäss der Pflegefinanzierung, die seit 2011 gilt, nicht möglich sein. Das Gesetz regelt, wie die Kosten für die Pflege zwischen den Krankenkassen, den Kantonen und den Betroffenen aufgeteilt werden. Allerdings kann niemand die Kantone dazu zwingen, genügend zu bezahlen.

Symbolbild: Junge Hände halten eine alte Hand.
Legende: Die Betreuung wird immer teurer, die für die Pflege verrechneten Kosten dagegen stagnieren praktisch. Keystone

Ungedeckte Pflegekosten steigen an

Das kritisiert auch der Verband der Pflegeheime, Curaviva. Er rechnet vor, dass jährlich Pflegekosten im Umfang von 200 bis 300 Millionen Franken ungedeckt bleiben. Die Gesundheitsdirektorenkonferenz verweist auf eine Studie zu den Auswirkungen der Pflegekosten, die der Bund im Sommer publizieren soll.

Doch auch der Bund steht in der Verantwortung: Er hat den Anteil, den die Krankenkassen an die Pflege bezahlen müssen, seit 2011 nicht angehoben, obwohl die Kosten gestiegen sind. Das Bundesamt für Gesundheit verweist auf das Parlament, dass dies so gewollt habe.

Warten, bis sich das Problem selber erledigt

«Man schiebt die heisse Kartoffel vor sich her», sagt Preisüberwacher Meierhans. Zwar seien sich alle des Problems bewusst, getan werde aber nichts. «Zum Teil hat man sogar das Gefühl, dass zugewartet wird, bis die Menschen wegsterben – dann erledigt sich das Problem von selber».

Weil sie die schwächste Interessengruppe seien, würden die Mehrkosten den Seniorinnen und Senioren oder ihren Familien belastet, so Meierhans. Besserung ist nicht in Sicht: Da die Kosten weiter ansteigen, wird die Lücke in der Pflegefinanzierung und damit die Last für die Betroffenen stets grösser.

Pflegkosten stagnieren, Betreuungskosten steigen

Die Pflegekosten im Altersheim werden von den Kantonen und den Krankenkassen finanziert – nach dem Schlüssel, der die Pflegefinanzierung von 2011 vorsieht. Die Betreuungs- oder Pensionskosten dagegen müssen die Heimbewohnerinnen und -bewohner selber bezahlen. Nun hat der «Tages-Anzeiger», Link öffnet in einem neuen Fenster nach Auswertung der Daten herausgefunden, dass die Betreuungskosten in den letzten Jahren viel stärker gestiegen sind als die Pflegekosten. Und das, obschon die Patienten immer älter werden und entsprechend immer mehr Pflege brauchen.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Renevey (weissdassichnichtsweiss)
    OK! Ich wähle Links. Das heisst nicht, dass ich alles was von dort kommt auch gutheisse. Die Linke muss lernen eine mehrheitsfähige Politik hinzukriegen. Es gibt dort, genauso wie bei den Rechten, helle Köpfe, die eine ausgewogene Politik anstreben. Leider dünkt mich zz. die Ultraposition, die oft eine zynische Menschenverachtung lebt, in der Übermacht. Ich bin für Ethik im Umgang miteinander. Tue dies aber bedenke das, und umgekehrt. Sparen bei Lobbylosen und Geschenke für Mächtige, NOGO!
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  • Kommentar von Alex Terrieur (Imfeld)
    Gewählt werden, ist eben nicht nur "GRÜSSEN & LÄCHELN!
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  • Kommentar von Stefan Renevey (weissdassichnichtsweiss)
    Solange wir unsere Frustration lediglich in schriftlicher Form in Kommentaren dartun, wird sich nichts ändern. Das ist dem Markt und dessen Hirten vollkommen sch...egal. Es gilt, folgende Aussage endlich ernst zu nehmen: Neoliberalismus ist die Annahme, dass die hellsten Köpfe, mit den besten Absichten irgendwie für die Allgemeinheit arbeiten. Alle Unterstützer dieses Systems in unserer Politik gehören abgewählt. Dann wird`s ev. etwas besser.
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    1. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      einverstanden. Nur gehören die Verteter einer fast schon sozialistischen linken Umverteilungs- sowie Willkommenskultur ebenfalls verbannt, wir sind nicht Pestalozzi für jeden dahergelaufenen. Was übrigbleibt, ist leider so gut wie nichts. Die furchtbare links-rechts-Doktrin gehört endlich zu Gunsten einer Realpolitik, die den Namen verdient, aufgebrochen!
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