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Teure Krankenkassenprämien «Heftiger Schock» im Kanton Waadt

Der Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard ist empört. Schuld am markanten Prämienanstieg ist ein Versicherer. Eine Mitschuld trage aber auch Bundesbern, so der Staatsrat.

Der Kanton Waadt verzeichnet mit 6,4 Prozent den höchsten Anstieg der Krankenkassenprämien 2018 in der Schweiz. Der Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard (SP) spricht von einem «heftigen Schock» und macht für diese Erhöhung unter anderem Bundesbern verantwortlich und schildert das Problem einer grossen Westschweizer Krankenkasse:

Pierre-Yves Maillard.
Legende: Pierre-Yves Maillard (SP), Gesundheitsdirektor Kanton Waadt. SRF

«Wir haben einen Versicherer, der sich in Schwierigkeiten befindet, weil er die Prämien in den vergangenen Jahren zu tief angesetzt hat und das nun in nur einem Jahr nachholen will», sagte Maillard vor den Medien in Lausanne.

Es handelt sich um den Krankenversicherer Groupe Mutuel, bei dem die Prämien für Erwachsene um 10,6 Prozent steigen werden. Bei Kindern liegt die Erhöhung sogar bei 12,4 Prozent. Diese Tendenz betrifft auch zwei weitere Krankenkassen, die zur Groupe Mutuel gehören.

Neue Volksinitiative geplant

Maillard wird am Freitag eine Volksinitiative mit dem Titel «Krankenversicherung. Für die Organisationsfreiheit der Kantone» vorstellen. Diese verlangt, dass die Prämien künftig von einer kantonalen Institution nach dem Modell einer Ausgleichskasse festgelegt und einkassiert werden können. Den Kassen bliebe die Verwaltungsarbeit.

Besonders kritisierte der SP-Politiker an Bundesbern die zwei grossen Reformen von 2012: Die Folgen der neuen Spitalfinanzierung durch die Einführung der Fallpauschalen und der freien Spitalwahl seien katastrophal.

Auch die vorübergehende Aufhebung des Ärzte-Zulassungsstopps 2012 habe zu einem sprunghaften Anstieg der Anzahl Spezialisten im Kanton Waadt geführt. Das habe die Kosten der ambulanten Behandlungen überdurchschnittlich ansteigen lassen.

Die Aufhebung des Ärzte-Zulassungsstopps war die dümmste Entscheidung eines westlichen Parlaments der letzten 50 Jahre.
Autor: Pierre-Yves MaillardGesundheitsdirektor Waadt

Der Kanton Waadt will jetzt die Modalitäten des vorübergehend bis 2019 weitergeführten Ärzte-Zulassungsstopps verschärfen, um die Ärztedichte zu bremsen. Zudem will er bei den Tarifen des ambulanten Bereichs eingreifen.

Massiv stärkere Prämienverbilligung notwendig

Weiter erwägt der Kanton Waadt die vorgezogene Einführung eines in der Schweiz einzigartigen Modells der Prämienverbilligung. Mit der Einführung einer kantonalen Unternehmenssteuerreform soll die Prämienverbilligung stark erhöht werden, damit die Krankenkassenprämien in keinem Haushalt mehr als 10 Prozent des Einkommens ausmachen.

Die Waadt plant nun, diese Massnahme bereits ab dem 1. Mai 2018 einzuführen. Die Prämien sollen in einem ersten Schritt nicht mehr als 12 Prozent eines Haushaltseinkommens betragen. Das koste den Kanton zwischen 25 bis 40 Millionen Franken, schätzt Staatsrat Maillard.

Die zusätzliche Erhöhung der Prämienverbilligung auf Anfang 2019 mit dem Ziel, 10 Prozent des Haushaltseinkommens nicht zu übersteigen, dürfte noch teurer ausfallen. Bereits heute werden im Kanton Waadt die Prämien von 27 Prozent aller Erwachsenen und 50 Prozent aller Kinder verbilligt.

Legende: Video Steuerreform 2016 in der Waadt hilft dem Mittelstand abspielen. Laufzeit 01:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.02.2017.
KK-Prämienanstieg in den Kantonen

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Der Mann sollte Bundesrat werden. Und dem ganzen Feudal-Haufen dort mal kräftig die Leviten lesen!
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Schuld? Die wirklich schuldigen Verantwortlichen, sind allesamt - sehr gut bezahlt - im gesamten Schweizer "Gesundheits-Un-Wesen" tätig! Aktiv, vor allem für die Eigeninteressen und diejenigen derer, welche sie so grosszügig bezahlen - die "Pharma-Lobby"!! Die vielen ProfiteureInnen: BAG, "Gesundheitsdirektoren", "Forschung/Wissenschaft", PolitikerInnen mit lukrativen VR-Mandaten, Ärzteschaft- und Vereinigungen, Spital-, Klinik-,Heim- "Managements", Versicherer, "Krebs- und Rheumaliga"...!???
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  • Kommentar von Tim Luethi (timluethi)
    Die Lösung für das Problem wäre ganz einfach, die Leistungen der obligatorischen Versicherung radikal aufs Nötigste zusammenstreichen. Zusätzlich versichern kann sich ja jeder freiwillig. Nur ist die Ärztelobby wahrscheinlich in der Regierung zu stark vertreten, diw wollen natürlich weiterhin absahnen.
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    1. Antwort von robert mathis (veritas)
      So lange Ständeräte als lukrativer Nebenjob im Verwaltungsrat von K.Kassen sitzen ( z.B. Luzern) wird sich nichts ändern.Warum und wovon werden bis zu 1500.-Fr.bezahlt für Beitritt in eine obligat.Versicherung ? Für Jemand bei den K.K. muss sich das lohnen? Hr.Berset sollte sich ev.auch hierfür interessieren....
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Aber wer nicht 100% gesund ist, wird von den KK nicht zusatzversichert. Es wäre für viele Menschen fatal, wenn wie von der SVP gefordert, die Grundversicherungen radikal zusammen gestrichen würden. Damit wären dann viele Menschen in diesem Land unterversichert. Treffen würde es ausserdem viele Armen in der Schweiz, welche sich nur eine Grundversicherung leisten können.
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