Schweizer Spitzendiplomat Thomas Greminger soll neuer OSZE-Generalsekretär werden

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Thomas Greminger neuer OSZE-Generalsekretär

1:03 min, aus Tagesschau vom 11.7.2017

  • Der Schweizer Diplomat Thomas Greminger soll neuer Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) werden.
  • Das teilte der OSZE-Vorsitzende Sebastian Kurz auf einem informellen OSZE-Aussenministertreffen in Mauerbach bei Wien mit.

Er sei sehr optimistisch, dass dieser Vorschlag von den 57 Mitgliedstaaten bald abgesegnet werde. «Sie kennen die OSZE: Es ist erst beschlossen, wenn es beschlossen ist», sagte Kurz auf einer Medienkonferenz. Er hoffe aber, «dass alle zu ihrem Wort stehen».

Der österreichische OSZE-Vorsitz hatte zuvor einen Vorschlag für die vakanten vier Top-Posten – darunter jenen des Generalsekretärs – präsentiert, auf den sich die anwesenden Vertreter der 57 OSZE-Staaten «heute politisch verständigen» konnten. Der formelle Beschluss steht allerdings noch aus. Die Entscheidung trifft der Ständige Rat, der laut Diplomatenkreisen am Mittwoch oder Donnerstag tagt.

Fünf Tage des Schweigens

Die Botschafter geben dann eine Empfehlung an die Aussenminister ab, woraufhin ein fünftägiges Schweigeverfahren startet. Sollte es dabei zu keinem Veto kommen, ist die Entscheidung fix. Diplomaten rechnen bis Dienstag oder Mittwoch kommender Woche damit.

Kurz lobte derweil die «konstruktive Rolle», die der russische Aussenminister Sergej Lawrow gespielt habe. «Ich bin sehr dankbar, dass Aussenminister Lawrow hier, so wie viele andere, eine konstruktive Rolle gespielt hat», sagte Kurz.

Diplomaten-Karriere im Deza

Greminger ist derzeit stellvertretender Direktor und Chef des Bereichs Südzusammenarbeit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Bevor er diesen Posten im August 2015 antrat, sammelte er Erfahrungen bei der OSZE: Greminger war ständiger Vertreter der Schweiz am Sitz der Organisation in Wien. Zudem leitete er während des OSZE-Vorsitzes der Schweiz 2014 den Ständigen Rat der OSZE.

Beim Ministertreffen in Mauerbach kam es auch zum Durchbruch bei weiteren personellen Fragen: Nach den Worten von Kurz soll die ehemalige Aussenministerin Islands, Ingibjörg Solrun Gisladottir, Direktorin des Büros für Demokratische Institutionen und Menschenrechte (ODIHR) werden – der bisherige OSZE-Generalsekretär Lamberto Zannier sei als Hochkommissar für Minderheiten vorgesehen. Zannier war auf den 1. Juli dieses Jahres als OSZE-Generalsekretär aus dem Amt geschieden, ohne dass ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin bestimmt war.

Harlem Désir, bislang Staatssekretär für Europafragen im Aussenministerium in Paris und ehemaliger Chef der Sozialistischen Partei Frankreichs, werde voraussichtlich OSZE-Medienbeauftragter, kündigte Kurz an.