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Schweiz Tod durch Asbest: Familie hat Recht auf Opferhilfe

Asbest fördert Krebs. Deshalb hat man den Stoff in den 90er-Jahren verboten. Zuvor war er im grossen Stil als Baumaterial verwendet worden. Hunderte Menschen erkrankten, zahlreiche starben. Viele warten noch immer auf eine Entschädigung. Ein Urteil macht den Opfern nun Hoffnung.

Röntgenbild einer von Asbest geschädigten Lunge.
Legende: In den 70er-Jahren wurde der damalige Schüler dem gefährlichen Asbest-Staub ausgesetzt. 2007 starb er an Brustfellkrebs. Keystone

Das Bundesgericht beurteilte den Fall eines Mannes, der Anfang der 70er-Jahre als Teenager in den Schulferien bei der Eternit AG in Niederurnen gearbeitet hatte. Bei Schleifarbeiten war er damals auch Asbest-Staub ausgesetzt. Lange Zeit später, als er 46 Jahre alt war, erkrankte er an Brustfellkrebs und verstarb kurz darauf.

Seine Hinterbliebenen kämpften für eine Entschädigung sowie eine Genugtuung – zunächst erfolglos. Denn das Verwaltungsgericht des Kantons Glarus befand, der Tod des Mannes sei weder vorhersehbar noch vermeidbar gewesen. Das Bundesgericht sieht das aber anders.

Gefahren waren bereits bekannt

Die damaligen Verantwortlichen hätten einen Jugendlichen von allen gefährlichen Arbeiten fernhalten müssen. Das verlange das Arbeitsgesetz, argumentieren die Richter in Lausanne im aktuellen Urteil. Das Bundesgericht hält auch fest, dass es schon damals wissenschaftliche Studien gab, die belegten, wie gefährlich Asbest sei.

Gestützt darauf habe man in den Jahren 1972 und 1973 gewusst, dass bei Arbeiten mit Asbest ein Krebsrisiko besteht. Die Hinterbliebenen hätten deshalb auf Basis des Opferhilfe-Gesetzes Anspruch auf eine Entschädigung, heisst es in dem Urteil.

Positiv reagiert Rechtsanwalt Kaspar Saner. Seine Kanzlei vertritt immer wieder Asbest-Opfer vor Gericht. «Das ist ein Entscheid von einiger Tragweite. Das Bundesgericht hat nun zum ersten Mal inhaltlich dazu Stellung genommen, welche Gefahrenkenntnisse im Zusammenhang mit Asbest in den 60er- und 70er-Jahren bei der Asbest-Industrie geherrscht haben.»

Lausanner Urteil mit Signalwirkung

Zwar lässt es das Bundesgericht offen, wie es entschieden hätte, wenn es nicht um einen Jugendlichen, sondern um einen erwachsenen Angestellten gegangen wäre. Doch bedeutet das Urteil einen Hoffnungsschimmer für andere Asbest-Opfer und deren Hinterbliebene, die zum Teil schon jahrelang um Entschädigungen kämpfen.

Bisher wurde von Seiten der Industrie immer wieder das Argument, man habe damals nicht gewusst, wie gefährlich Asbest sei, ins Feld geführt. Dem hat das Bundesgericht nun klar widersprochen.

Von der Eternit AG und den Glarner Behörden gab es noch keine Stellungnahme zu dem Urteil.

11 Kommentare

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  • Kommentar von T. Eigenmann, Dietikon
    Also schon seltsam einige Schreiber hier, Rauchen mit dem Asbest zu vergleichen sonderbar, weltfremd. Rauchen kann jeder ober will oder nicht, beim Asbest nicht.
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  • Kommentar von Andreas Jost, Bärschwil
    Wenn es um Schadensersatzklagen in der Industrie geht, wo meist exorbitante Summen im Spiel sind, findet es jeder normal. Kaum einer ist empört und Bürger sowie auch Gerichte haben kein problem solche Fordferungen als berechtigt zu anerkennen. Geht es jedoch um das Leben eines einfachen Bürgers hört man immer wieder die Stimmen jener, welche meinen es würde nur ums geld gehen. Es ist wirklich bedrückend, in was für einer Gesellschaft der Kurzsichtigkeit wir leben....
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  • Kommentar von Delia Schwarzmann, Bilten
    Ich stimme Ihnen vollumfänglich zu, Frau Müller! Die Eternit wurde reich und hat trotz besseren Wissens die Angestellten und Aushilfen unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen arbeiten lassen. Sie wurden über die Folgen nicht aufgeklärt, was weder moralisch noch rechtlich vertretbar ist (das Urteil war überfällig!). So etwas ist skrupellos und menschenverachtend. Ich fühle mit den anderen, welche das jetzt ausbaden müssen und auch mit deren Angehörigen...
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