Ton zwischen Spitälern und Krankenkassen verschärft sich

Spitäler und Geburtshäuser klagen über die tiefen Preise, die ihnen der Krankenkassenverband Tarifsuisse verordnet. Tarifsuisse dagegen fordert mehr Effizienz in den Spitälern.

Wie viel Geld ein Spital für eine Geburt oder eine Blinddarm-Operation erhält, ist vielerorts erst provisorisch geregelt. Zwar hätten sich die meisten Spitäler mit der Unfallversicherung und einer Gruppe von Krankenkassen geeinigt. Nicht aber mit dem Krankenkassenverband Tarifsuisse. Das erklärt Bernhard Wegmüller, Direktor des Spitalverbands Hplus, gegenüber Radio SRF. «Tarifsuisse stellt sich Preise vor, unter denen die Spitäler ihre Leistungen schlicht nicht erbringen können. Und da ist es nicht möglich Verträge abzuschliessen.» Der Verband vertritt die Krankenkassen mit rund 70 Prozent der Versicherten.

Geburtshäuser nicht anerkannt

Auch die Geburtshäuser haben Probleme mit der Tarifsuisse. Sie hätten ihre Kosten wie gefordert dokumentiert, sagt Barbara Ruef von der Interessengemeinschaft der Geburtshäuser. «Wir haben verschiedene Geburtshäuser an den Verhandlungen dabei gehabt, aber Tarifsuisse anerkennt sie nicht für die Festlegung der Preise», stellt Ruef fest. Mit den Tarifen liessen sich die Kosten nicht decken, geschweige denn marktgerechte Löhne zahlen.

Mehr Effizienz gefordert

«Wenn ein Spital mit unseren Tarifen nicht arbeiten kann, die Kosten nicht decken kann, gibt es wahrscheinlich ein Effizienzpotenzial», sagt Tarifsuisse-Direktorin Verena Nold zu den Vorwürfen: Sie bezieht sich dabei auf den Preisüberwacher, der noch tiefere Tarife empfahl. Das heisst de Facto: Die Spitäler und Geburtshäuser müssten ihre Abläufe so verbessern, dass die Kosten mit den Preisvorstellungen der Versicherer gedeckt werden können. Wenn sich die Kosten auf diese Weise nicht decken liessen, sagt Verena Nold, solle doch der jeweilige Kanton einspringen.

«Das ist eigentlich genau nicht die Idee des neuen Spitalfinanzierungssystems», stellt Bernhard Wegmüller vom Spitalverband. Die Spitäler bräuchten Tarife, die hoch genug seien, um gute und hoch stehende Leistungen zu erbringen.

Die Tarifverhandlungen mit dem grössten Krankenkassen-Verband sind also nicht einfacher geworden. Im Gegenteil: Der Ton hat sich verschärft. Die Tarife dürften auch in diesem Jahr provisorisch bleiben und die den Spitälern und Geburtshäusern die Planung erschweren.