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Trend in mehreren Kantonen Zahl der IV-Rentner nimmt zu

Legende: Audio Eindeutiger Trend: Steigende Anzahl IV-Rentner abspielen.
1:54 min, aus HeuteMorgen vom 17.04.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Zürich ist die Zahl der IV-Rentner in den letzten beiden Jahren angestiegen. Auch weitere Kantone zeichnen ein ähnliches Bild.
  • Die Gründe für den Zuwachs sind einerseits in der Demografie, andererseits in einem Urteil des Bundesgerichts zu suchen.
  • Mehr Rentner bedeuten mehr Kosten. Die Sanierung der IV sieht das Bundesamt für Sozialversicherungen aber nicht in Gefahr.

Wieder mehr Menschen erhalten eine IV-Rente. Die Entwicklung im bevölkerungsreichsten Schweizer Kanton ist eindeutig: In Zürich stieg die Zahl der Neurentner vorletztes Jahr um zehn, letztes Jahr um fünf Prozent. «Es kann sicher von einer Trendwende gesprochen werden. Die Anmeldezahlen steigen seit Jahren – und das spüren wir jetzt», bilanziert Daniela Aloisi von der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich.

In vier von fünf angefragten grösseren Kantonen erhielten letztes Jahr mehr Menschen eine IV-Rente als im Vorjahr. Nationale Zahlen gibt es noch nicht.

Mehrere Gründe für den Anstieg

Das Bevölkerungswachstum führe zu mehr Renten, sagt Aloisi, aber auch die Tatsache, dass es mehr ältere Arbeitnehmer gebe. Immer mehr Menschen würden sich bei der IV melden: «Das ist gewollt, weil wir früher in Präventionsfällen einbezogen werden möchten. Es hat aber zur Folge, dass es auch mehr Rentenfälle gibt.»

Fürs laufende Jahr erwartet sie einen noch stärkeren Anstieg. Hintergrund ist ein Urteil des Bundesgerichts, das die Aussichten von Teilzeit-Angestellten auf eine IV-Rente verbessert.

Getrübte Aussichten für IV-Sanierung?

Heute erhalten über 200'000 Menschen eine IV-Rente. Steigt die Zahl der Neurentner, steigen auch die Kosten.

Die IV war bis jetzt in der Lage, diese demografische Entwicklung zu kompensieren.
Autor: Rolf CamenzindBundesamt für Sozialversicherungen

Doch die IV ist verschuldet – langsam trägt sie ihre Schulden ab. Macht nun die Entwicklung in Zürich und anderen Kantonen einen Strich durch die Sanierungspläne? Das verneint Rolf Camenzind vom Bundesamt für Sozialversicherungen. Schwankungen gebe es immer. Anzeichen für eine grosse, nationale Trendwende sieht er nicht: «Die IV war bis jetzt in der Lage, diese demografische Entwicklung zu kompensieren. Uns liegen keine Anhaltspunkte vor, dass das nicht weiter so gehen könnte.»

Humbel: «Einsparungen müssen wieder geprüft werden»

Die Aargauer CVP-Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel ist von der neuen Entwicklung nicht überrascht, wenn sie auf die Zunahme bei den jungen psychisch erkrankten Menschen und die Gerichtsentscheide blickt. Die Lage für die mit noch elf Milliarden Franken verschuldete IV werde damit wieder problematischer. Die Prognose des Bundes, bis 2031 schuldenfrei zu werden, sei wohl etwas zu optimistisch gewesen.

Bei den Gründen für die Zunahme müssen wir genau hinschauen, insbesondere bei den jungen Psychischkranken.
Autor: Ruth HumbelNationalrätin, CVP/AG

Die Weiterentwicklung der IV habe zwar das primäre Ziel, auch junge psychisch angeschlagene Menschen zu integrieren, betont Humbel. Das koste. Gleichzeitig müssten aber auch Einsparungen wieder geprüft werden, vor allem bei den Fahrkosten und den IV-Bezügern mit Kindern. Solche «sehr grosszügig bemessene Kinderrenten» dürften nicht dazu führen, dass ein IV-Bezüger monatlich mehr im Portemonnaie habe, als wenn er arbeiten würde. Auch die Gründe für die Zunahme bei den Jungen mit psychischen Problemen müssten genau betrachtet werden. Und zwar in Bezug auf deren persönliche Perspektive wie auch bezüglich Kostenentwicklung, wenn sie ihr ganzes Leben lang von der IV abhängig sein müssten.

41 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Müller (HPMüller)
    Frau Humbel sagt: "Solche «sehr grosszügig bemessene Kinderrenten» dürften nicht dazu führen, dass ein IV-Bezüger monatlich mehr im Portemonnaie habe, als wenn er arbeiten würde." Wir reden von 117.60 bis 940 Franken monatlich. Und wenn der Betrag über 90% des vorherigen Lohns ergibt wird gekürzt. Es kann also gar niemand mehr bekommen, als 90% von dem was er vorher verdient hat. Nicht einmal mit 10 Kindern. Sehr Familienfreundlich, Frau Humbel.
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  • Kommentar von Hanspeter Müller (HPMüller)
    Ich bin immer wieder erstaunt wie viele es auch hier im Forum gibt,die als völlige medizinische Laien offensichtlich fähig sind an einem entfernt Bekannten, also in Ferndiagnose, zu entscheiden, ob er eine Rente verdient oder nicht. Es gibt Behinderungen und Krankheiten, die man den Menschen nicht ansieht auf den ersten Blick. Selbst Fachleute brauchen manchmal mehrere Untersuchungen bis sie eine Diagnose stellen. Aber urteilen und vorallem ver-urteilen kann man über diese Menschen ja trotzdem.
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    1. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      HP, was in Ihrer Optik eine Verurteilung ist, ist in Optik von vielen Erfahrungsbericht oder Prognose. :)
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Frau Fitzi, was meinen Sie, wie sich ein Mensch mit schwerer Epilepsie fühlt, wenn er weder Auto fahren, noch schwimmen gehen noch arbeiten darf und von seinen Nachbarn dauernd als Simulant, Scheininvalider etc bezeichnet wird? Wie wollen Sie eine Prognose stellen von etwas, das Sie nicht kennen?
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  • Kommentar von Franco Caroselli (FrancoCaroselli)
    2) Darum will der Bund möglichst viele Fälle von „ unproduktiven Arbeit suchenden“ in den Arbeitsmarkt fast zwanghaft integrieren. Hat zur Folge, dass die Kosten verlagert werden. Die Bundesfinanzen werden entlastet, während durch höhrere Beiträge der Versicherten Kosten anfallen, ohne die Steuern erhöhen zu müssen, was bei Volk nicht beliebt ist. Trick 77. Krankenkassenprämien sind so ein Beispiel....
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