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Schweiz Trinken und Rauchen sind out

Jugendliche, die sich ins Koma trinken, machen Schlagzeilen. Eine grossangelegte Studie zum Suchtverhalten bei Jugendlichen zeigt nun aber: Die 15-Jährigen von heute trinken und rauchen deutlich weniger als noch vor vier Jahren.

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Selbst die Fachleute sind überrascht, wie stark der Alkohol- und Tabakkonsum bei den 15-Jährigen zurückgegangen ist. Auch Irene Abderhalden, die Direktorin von Sucht Schweiz sagt: «Nein, diese erfreulichen Resultate haben wir nicht erwartet. Denn es ist wirklich ein Tiefststand: Seit 1986 die allertiefsten Resultate.»

In Zahlen ausgedrückt heisst das, dass nur noch sieben Prozent der 15-Jährigen täglich rauchen. Vor vier Jahren waren es fast doppelt so viele. Noch ausgeprägter ist der Rückgang beim Trinken: Mindestens einmal pro Woche Alkohol trinken – das machen heute noch zehn Prozent der Buben. Vor vier Jahren waren es fast dreimal mehr. Bei einer derart starken Veränderung stellt sich die Frage: Stimmen diese Zahlen? Ja, sagt Abderhalden, es handle sich um eine breit abgestützte Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO, die in 40 Ländern gemacht wurde.

Die Teilnahme in der Schweiz war gross: «Fast 10'000 Jugendliche haben geantwortet. Ich denke, bei der Studie selbst liegen die Gründe nicht, da ist wirklich alles bis ins Detail überprüft worden», so die Suchtexpertin. Vor allem beim Rauchen haben die Fachleute denn auch plausible Erklärungen parat.

Rauchverbote und Prävention greifen

Vor sechs Jahren ist der Passivrauchschutz im Gesetz verankert worden, erinnert Roy Salveter, zuständig für die nationalen Präventionsprogramme beim Bundesamt für Gesundheit BAG: «Das hat bewirkt, dass das Rauchen im Alltag nicht mehr selbstverständlich ist.» Die Zigaretten sind aus Bars und Beizen verschwunden.

Und wenn die Erwachsenen weniger rauchen, wirke sich das auch auf Kinder und Jugendliche aus, sagen Fachleute. Zudem sind Zigaretten immer teurer geworden. «Das Sackgeld ist noch nicht so hoch, und ein Zigarettenpäckli für zehn Franken, oder wie im Moment für 8.50 Franken, ist eine grosse Hürde», sagt Salveter.

Beim Alkohol werden die Verkaufsverbote an Jugendliche strenger überprüft. Und das führe dazu, dass Jugendliche jetzt nicht mehr so einfach an Alkohol kommen, sind die Fachleute überzeugt. Kurz: Die Prävention greife.

Schwacher Rückgang auch beim Cannabis

Weniger Rauchen also und noch viel weniger Trinken – kann es denn sein, dass die Jugendlichen auf andere Drogen ausweichen? Kaum, sagt Abderhalden von Sucht Schweiz: «Auch beim Cannabis ist ein gewisser Rückgang feststellbar, wenn auch weniger deutlich. Weitere, illegale Drogen sind ein ganz kleiner Prozentsatz bei dieser Altersgruppe. Ich glaube, wenn ein Ausweichen stattfindet, dann ist der Ansatz mit den neuen Medien der plausibelste.»

Damit meint Abderhalden, dass die meisten 15-Jährige angeben, in ihrer Freizeit mehr als drei Stunden pro Tag am Computer, am Smartphone oder der Spielkonsole zu verbringen. Es sei also denkbar, dass sie mehr Zeit zu Hause verbrächten und so weniger in Kontakt mit Suchtmitteln kommen.

Andere Suchtexpertinnen wie etwa Eveline Winnewisser von der Suchtpräventionsstelle Zürich halten diesen Erklärungsansatz allerdings für wackelig. Das Suchtverhalten sei zudem wellenförmig und folge oft kurzlebigen Trends, sagt sie. Gut möglich also, dass die Kurven in vier Jahren wieder eher nach oben zeigen.

16 Kommentare

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  • Kommentar von J.Baltensperger, Zürich
    An alle die denken früher wäre alles besser gewesen - das Hauptgetränk von Bauarbeitern war Bier (auch das des Krahnführers), in der Kantine wurde Alkohol verkauft, betrunken Autofahren im Welschland wurde nicht geahndet, der Nachrichtensprecher hat geraucht genauso wie an gewissen Arbeitsplätzen (ich konnte bei der UBS im Büro rauchen - und das noch im Jahr 2000!). Zum Nachdenken: die Gruppe mit dem höchsten Alkoholkonsum in unserer Gesellschaft sind die Rentner.
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  • Kommentar von M. Steiner, Winterthur
    Man kann die Pressemeldung auf den Punkt gebracht zusammenfassen: Gäbe es eine Bierflassenöffner-App, würden die Kids weitersaufen. ;-) Wieso finde ich das nicht wirklich toll?
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  • Kommentar von F. Stalder, Zürich
    Wenigstens sehen wir Jungen, trotz 100000 Pillen pro Wochenende, Smartphones und sozialen Medien, unsere Zukunft nicht so schwarz, wie viele von der älteren Generation, die sich tagtäglich in diesem Forum tummelt und ihre pessimistischen Ansichten zur Schweiz und der Welt zum Besten gibt. Ich hoffe, dass unsere Generation in einigen Jahren nicht auch so deprimiert wird wie es die Schreiber auf dieser Plattform offensichtlich zu sein scheinen.
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    1. Antwort von W. Pip, Züri
      Verschreiben Sie Ihr Leben linken Werten. Man wird Ihnen eine rosarote Brille schenken, mit derer Hilfe Sie die nächsten Jahrzehnte Ihres Lebens unbeschadet, traumhaft und voller lebensbejahender Ideen (auf Kosten anderer, aber egal) überleben werden. Wichtig dabei: arbeiten Sie nicht und entziehen Sie sich auch jeglicher altersbedingter Reflexion über Zusammenhänge, es würde die Wirkung der Brille aufheben.
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