Zum Inhalt springen
Inhalt

Trotz 200-Franken-Busse Eine halbe Million Vignettenbetrüger auf Schweizer Strassen

Autobahn-Vignetten.
Legende: Die Tage der Klebevignette könnten gezählt sein. Eidgenössische Zollverwaltung
  • Beinahe eine halbe Million Autofahrer benützen die Schweizer Autobahnen ohne Vignette oder mit einem manipulierten Aufkleber.
  • Dem Bund entgehen auf diese Weise knapp 20 Millionen Schweizer Franken jährlich.
  • Wer ohne Vignette die Autobahnen benützt, wird mit einer Busse von 200 CHF bestraft.

Gemäss der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) sind das rund fünf Prozent der gesamten möglichen Einnahmen aus den Vignettenverkäufen, wie EZV-Sprecher David Marquis sagte. Er bestätigte damit einen Artikel der Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche».

Die Zeitung rechnete aus, dass sich bei aktuellen Gesamteinnahmen von 340 Millionen Franken, die aus dem Verkauf der Vignetten zu je 40 CHF resultieren, der wirtschaftliche Schaden für den Bund auf knapp 20 Millionen beläuft. «Diese Grössenordnung stimmt», sagte Marquis.

Hohe Strafen

Werden Vignetten gefälscht oder die Falsifikate verwendet, führt dies zu einer Anzeige bei der Bundesanwaltschaft. Ebenso gebüsst wird die Mehrfachverwendung von Vignetten.

Im August 2014 beispielsweise hatte das Bundesstrafgericht in Bellinzona einen Tessiner mit Wohnsitz im Fürstentum Monaco zu einer Bewährungsstrafe von 1000 Franken verurteilt. Er musste zudem die Verfahrenskosten in Höhe von 1300 Franken übernehmen.

Der Mann hatte eine Autobahnvignette auf eine Plastikfolie statt direkt auf die Scheibe geklebt. Dies tat er mit der Begründung, dass er sein wertvolles Auto habe schützen wollen: Seiner Erfahrung nach würden die Vignetten beim Entfernen Rückstände hinterlassen.

Elektronische Vignette

Die Tage der Klebevignette könnten aber ohnehin gezählt sein. Erst im Juni diesen Jahres schlug der Bundesrat vor, die Nationalstrassenabgabe künftig elektronisch zu erheben. Eine Preiserhöhung ist nicht geplant. Die Vernehmlassungsfrist lief am Freitag ab.

Die Betriebskosten des neuen Systems dürften mit 35 Millionen Schweizer Franken pro Jahr 13 Millionen tiefer liegen als heute. Weil Missbrauch schwieriger wird, hofft der Bundesrat zudem, rund 26 Millionen Franken mehr pro Jahr einzunehmen. Das neue System könnte frühestens im Jahr 2023 einsatzbereit sein.

Im Nachbarland Österreich soll nach Angaben des Autobahnbetreibers Asfinag die «digitale Vignette» bereits ab November 2017 verfügbar sein.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

61 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
    Dass so viele mit gefälschten oder ohne Vignette unterwegs seien ... dürfte nur ein medial aufgebauschtes Märli sein, um Roadpricing einzuführen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Werner Caviezel (Angemeldet)
      Wer will Roadpricing einführen, die Medien oder die Regierung? Diese bauscht auf.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      es ist in der Tat seltsam, dass das Thema gerade jetzt aufkommt, wo Leuthard die Weichen für Roadpricing hinterrücks stellen will. Das riecht auch für mich nach gestreuter und gesteuerter Information, im Wissen,d ass die Presse jeden Chabis ohne zu hinterfragen aufnimmt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Werner Caviezel (Angemeldet)
      @ Pip Es ist immer und alles gesteuert...... bis hin zur Sprache. Wir werden stärker manipuliert als uns das lieb ist.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Doris Leuthards UVEK und die von unter ihrer Obhut stehenden Swisscom und SBB sind die grössten Datenhändler der Schweiz. Gerade Swisspass, Smartphone-Apps etc. geben beste Daten, was Bewegungsprofil, Kaufverhalten etc. anbelangt. Leider bislang nur in Sachen ÖV. Da jedoch jeder Schweizer praktisch eine Vignette am Auto kleben hat, wäre eine elektronische Vignette optimal. Ist ein dreistelliges Millionengeschäft und genau um das(!) geht es und nicht um aufgerundete 20 Mio. "Ausfall"......
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Klaus Kreuter (PalleKalle)
    Wieso erst 2023? Das muss doch viel früher machbar sein da wir eine andere elektronische Erfassung bereits haben. In den USA geht es seit vielen Jahren (SUNPASS) in Florida.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Kreuter: Sunpass, Telepass etc. funktionieren wie eine SIM-Karte, wo je nach Gebrauch der Betrag in Rechnung gestellt wird, bzw. vorausbezahlt und dann abgebucht wird. Das System dient zur bargeldlosen Durchfahrt an Bezahlstationen, um das Anstehen beim Bezahlen zu vermeiden. Datensammeln ist nur mit Aufwand möglich. Anders bei Doris Leuthards elektronischer Vignette. Sobald man auf die Autobahn fährt, wird man registriert und abgeglichen, diese Bewegungsdaten können leicht gesammelt werden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen