Tunnel zu niedrig, Ziele zu hoch: Güterverkehr auf holpriger Spur

Die Schweiz hat ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2018 soll der Güterverkehr auf der Strasse halbiert werden. Dafür müsste mehr auf der Schiene transportiert werden. Doch das ist nicht einfach. Der Geschäftsgang des Transportunternehmens Hupac spricht Bände.

Cargo-Züge bei einer Hupac-Verladestation.

Bildlegende: Erreicht die Schweiz das hochgesteckte Verlagerungsziel? Keystone

Die Schweiz hat schon früh die Weichen gestellt. Der Gütertransport soll weg von der Strasse. Die Schweizer Bevölkerung sagte 1994 Ja zur «Alpeninitiative». Das Ziel: Bis 2018 sollen jährlich noch 650‘000 Lastwagen durch die Alpen dröhnen. Letztes Jahr waren es noch 1,209 Millionen. In sechs Jahren soll die Zahl der Fahrten halbiert werden. Kann die Schiene dies auffangen?  

Kein nennenswertes Wachstum

Beispiel Hupac: Das Schweizer Transportunternehmen verlädt Container, Teile von Sattelschleppern und Lkw-Behälter auf die Schiene. Seit 2006 hat die Firma keine bedeutsame Umsatzsteigerung mehr in der Schweiz. Letztes Jahr verzeichnete die Hupac sogar einen Rückgang. Nur 373‘419 so genannte Strassensendungen, vergleichbar mit Lkw-Ladungen, zählte das Transportunternehmen in der Schweiz. Ein Minus von 11,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ein Umweltphänomen hat den Schienenverkehr besonders getroffen: der Felssturz am Gotthard. Die Gesteinsmassen wirkten sich zur Hälfte auf das Umsatzminus der Hupac aus. 40 Tage war die Gotthardlinie gesperrt. Zwar konnte das Unternehmen auf die Lötschberg-Simplon-Achse ausweichen. Doch auch diese bedeutsame Verkehrslinie musste im August saniert werden – drei Wochen lang.

Begründet werden die schlechten Zahlen zudem mit dem stotternden Wirtschaftsmotor in der EU. Überkapazitäten, Preisdruck und Erosion der Margen setzten im Schienentransportmarkt eine negative Dynamik in Gang. Eine rasche Erholung wird nicht erwartet.

Sattelschlepper kratzen an der Tunneldecke

Was bedeutet dies insgesamt für das ehrgeizige Verlagerungsziel? Der Verkehr nimmt jährlich um 2 bis 3 Prozent zu, so die Prognose. Die Schiene müsste nach dieser Rechnung bis 2019 zusätzlich 1,2 Millionen Sendungen bewältigen. Ohne Anpassungen am heutigen System ein utopisches Ziel. Die Bahntransporteure fordern deshalb, die bereits zwei Grossterminals in der Schweiz, längere und schwere Züge. Dafür braucht es den Willen, Geld und Zeit.

Noch vier Jahre dauert es, bis der Gotthard-Basistunnel eröffnet wird. Ein Jahr später sollte das Verlagerungsziel erreicht sein. Nun zeigt sich, dass der Tunnel bei seiner Eröffnung bereits wieder überholt sein könnte. Die neuesten Sattelschlepper mit einer Eckhöhe von 4 Metern würden an der Tunnelwand entlangkratzen. Schade nur, werden diese Lastwagen immer häufiger im internationalen Transitverkehr eingesetzt. Nur gerade die Lötschberg-Simplon-Achse verfügt über einen kompatiblen Tunnel.

Das letzte Wort über bauliche Anpassungen hat die Politik. Und diese Mühlen mahlen bekanntlich im helvetischen Rhythmus. Ob 2018 Ziel und Wirklichkeit zur Deckung kommen, ist fraglich.