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Hier leeren die Diebe den Geldtransporter (Quelle: Keystone-SDA/Leserreporter)
Aus News-Clip vom 03.12.2019.
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Überfall in der Waadt «Die Angreifer gingen erneut äusserst brutal vor»

Erneut wurde letzte Nacht im Kanton Waadt ein Geldtransporter überfallen. SRF-Korrespondentin Barbara Colpi über die Ratlosigkeit in der Westschweiz.

Barbara Colpi

Barbara Colpi

Westschweiz-Korrespondentin

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Barbara Colpi ist seit 2005 bei Radio SRF tätig. Seit dem Frühjahr 2016 ist sie Westschweiz-Korrespondentin. Ihre journalistische Laufbahn begann die studierte Sozialanthropologin bei Radio Freiburg.

SRF News: Was weiss man über den gestrigen Überfall?

Barbara Colpi: Der Überfall lief ähnlich ab wie die anderen fünf in den letzten zwei Jahren in der Waadt. Die Angreifer gingen erneut äusserst brutal vor. Die Waadtländer Polizei teilt mit, dass sie mit zwei Autos abends ankamen. Sie bedrohten die Fahrer mit Waffen und zwangen sie, auszusteigen. Anschliessend gelang es den Tätern, den Geldtransporter mit Sprengstoff zu öffnen und die Beute an sich zu reissen.

Wie hoch die Beute war und wie viele Täter am Werk waren, dazu konnte die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt noch keine genaueren Angaben machen. Laut ihr haben die Täter den Geldtransporter und die beiden Fahrzeuge in Brand gesetzt. Bei der Tat soll niemand verletzt worden sein, und die Fahrer würden psychologisch betreut werden.

Was weiss man über die offensichtlich gut vorbereiteten Banden?

Es wird vermutet, dass diese aus der französischen Region Lyon stammen. Im gestrigen Fall konnte dieser Verdacht bis jetzt nicht erhärtet werden. Bei zwei vergangenen Überfällen aber kam es zu Festnahmen, und da handelte es sich um französische Banden.

Post zeigt sich schockiert

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Die Post äusserte sich schockiert über die Gewalt und die kriminelle Energie, welche die Täterschaft an den Tag gelegt hat. Beim überfallenen Geldtransporter handelte es sich um ein Fahrzeug von SecurePost, einer Tochtergesellschaft der schweizerischen Post, wie Post-Sprecherin Lea Werthmeier am Dienstag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

In engem Kontakt mit der Polizei

Für die Post habe die Sicherheit ihrer Angestellten absolute Priorität, sagte sie weiter. Deshalb würden auch die Sicherheitsmassnahmen ständig überprüft und geschaut, ob sie noch den höchsten Ansprüchen genügten, und angesichts der Häufung von Raubüberfällen auf Geldtransporte in der Westschweiz würden sie kontinuierlich angepasst. Die Post stehe diesbezüglich in ständigem Kontakt mit der Polizei und dem eigenen Sicherheitsdienst.

Die Banden müssen gut vernetzt sein, auch in der Schweiz. Ansonsten wäre es nicht möglich, die Routen und Zeiten der Geldtransporte ausfindig zu machen. Es ist davon auszugehen, dass diese Banden auch Komplizen in der Schweiz haben.

Es ist nicht das erste Mal, dass Geldtransporter in der Westschweiz ausgeraubt werden. Wie begegnet man dem Problem in der Romandie?

Von verschiedenen Seiten wird gefordert, dass besser und schwerer gepanzerte Lieferwagen, also solche, die mehr als dreieinhalb Tonnen wiegen, auch nachts fahren dürfen, wenn sie Geld transportieren. Dies fordert die Waadtländer Polizei, aber auch FDP-Nationalrat Olivier Feller. Er hat im Sommer eine entsprechende Motion an den Bundesrat eingereicht.

Wenn man sich aber anschaut, mit welcher Brutalität diese Banden vorgehen, ist es fraglich, ob besser gepanzerte Fahrzeuge wirklich den nötigen Schutz bieten würden.

In der Schweiz sind von diesem Nachtfahrverbot Lastwagen ausgenommen, die zum Beispiel verderbliche Lebensmittel oder Schnittblumen transportieren. Der Bundesrat lehnte Ende August eine Ausnahmeregelung für Geldtransporte ab.

Ausgebrannte Autos.
Legende: Die Täter gingen beim Überfall äusserst brutal vor. Keystone

Er begründete den Entscheid damit, dass die Bevölkerung vor schädlichem Lärm geschützt werden soll und wies darauf hin, dass auf dem Markt gepanzerte Geldtransporter verfügbar seien, die weniger als dreieinhalb Tonnen Gesamtgewicht aufweisen. Solche sind jedoch allein in den letzten zwei Jahren in der Romandie fünfmal brutal überfallen worden. Das Thema ist nicht vom Tisch. Nächstes Jahr werden sich National- und Ständerat mit diesem Thema befassen.

Würden besser gepanzerte Fahrzeuge genügen, um Überfälle zu verhindern?

Da gehen die Meinungen auseinander. Der jüngste Überfall ereignete sich gegen acht Uhr abends, da gilt das Nachtfahrverbot noch nicht. Wenn man sich aber anschaut, mit welcher Brutalität diese Banden vorgehen, ist es fraglich, ob besser gepanzerte Fahrzeuge wirklich den nötigen Schutz bieten würden.

Limitierung von Geldmenge

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Aus der Sicht des Waadtländer Polizeisprechers Jean-Christophe Sauterel müssten Geldtransporte für Überfälle unattraktiver gemacht werden. Er plädierte für die Verwendung von vollumfänglich gepanzerten, schweren Fahrzeugen für die Durchführung solcher Transporte. Die transportierte Geldmenge sollte limitiert werden. Zudem sollte ein Mechanismus eingeführt werden, der die im Innern der Fahrzeuge transportierten Wertsachen bei einem Überfall automatisch zerstört. Derzeit würden entsprechende Diskussionen mit den Gesellschaften, die solche Geldtransporte durchführten, stattfinden.

Auch die Lösung, dass nur noch bei Tageslicht Geldtransporte durchgeführt werden, lehnen die Geldinstitute ab. Es sei unmöglich, alle Bankautomaten nur noch tagsüber mit Geld zu füttern.

Ist man in der Westschweiz also ratlos?

Ja. Es werden unter vorgehaltener Hand bereits erste Stimmen laut, die sagen, ob es eigentlich zuerst Tote geben müsse, bevor etwas geschehe.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

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