Umstrittene Anti-Baby-Pillen: Risiko gegen breite Auswahl?

Die 17-jährige Céline hatte die Anti-Baby-Pille Yasmin genommen und eine Lungenembolie erlitten. Das war vor fünf Jahren. Heute ist sie behindert und ihr Schicksal beschäftigt Familie und Experten. Doch warum wird die riskante Pille weiterhin an junge Frauen verschrieben? Antworten dazu im «Club».

Video ««Club»: Pillen-Drama um Céline» abspielen

«Club»: Pillen-Drama um Céline

76 min, aus Club vom 12.11.2013

Das Schicksal von Céline erschüttert die Schweiz: Seit der Einnahme der Pille Yasmin ist sie schwerstbehindert und rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Zudem soll die Familie wegen einer erfolglosen Klage auch noch 120'000 an Herstellerin Bayer berappen, wie die «Rundschau» unlängst aufdeckte.

Das Präparat der Firma Bayer gehört zu den Pillen der dritten Generation. Studien belegen: Diese neueren Pillen verhüten nicht besser als Pillen der zweiten Generation, bergen jedoch grössere Risiken für eine Thrombose. Warum also sind diese Präparate noch immer auf dem Markt?

Stephan Krähenbühl, Präsident der Swissmedic-Kommission, erklärt: Als die Pille Yasmin zugelassen wurde, sah man in den begleitenden Studien kein höheres Thrombose-Risiko. 2009 erschienen jedoch neue Studien aus Dänemark, die ein anderes Bild zeichneten. Die neue Erkenntnis war: Das Risiko bei Pillen der dritten und vierten Generation ist doppelt so hoch, wie das bei Produkten der zweiten Generation der Fall ist.

«Das Risiko bei Yasmin ist immer noch klein»

Doch insgesamt ist das Risiko einer Thrombose-Erkrankung noch immer klein. «Wenn man etwas Kleines verdoppelt, bleibt es immer noch klein», so Krähenbühl. Darum sei die Pille auch noch auf dem Markt.

Gynäkologin Ruth Drahts ist der gleichen Meinung. Sie weist zudem darauf hin, dass das Thrombose-Risiko bei der Einnahme der Pille seit langem bekannt ist. Eine Frau müsse immer entscheiden, ob sie das Risiko eingehen will. Wichtig sei eine gute Beratung. Und auch ein breites Spektrum an Pillen – um die Frauen individuell beraten zu können.

Krähenbühl ergänzt: Wenn man fordert, Yasmin vom Markt zu nehmen, müsste man die ganze dritte Generation verbieten. Die Pillen bergen Risiken. Aber dass man einer Frau die richtige Pille geben kann, sei höher einzustufen.

«Schwangerschaft gefährlicher als Pille»

Die Hersteller streichen in der Werbung gerne die positiven Effekte ihrer Produkte heraus, wie beispielsweise den Nebeneffekt einer schöneren Haut. Wer nach Gefahren sucht, muss schon genauer hinschauen. Felix Rüegg, der Anwalt von Céline, moniert: Yasmin wurde als Wohlfühl-Pille verkauft. Sie spricht damit vor allem die jüngeren Frauen an, die jedoch einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Er fordert einen Hinweis auf der Packung, dass die Pille tödlich sein kann.

Die häufigste Todesursache bei jungen Frauen sind aber immer noch Schwangerschaft und Mutterschaft, wie Drahts entgegenhält. In einer Schwangerschaft bestehe ein grösseres Thromboserisiko als mit der der Pille.

Es diskutieren im «Club»:

Claudia Pfleger, Mutter von Céline
Felix Rüegg, Anwalt von Céline, Gründer Rechtsberatungsstelle für Opfer und Patienten
Ruth Draths, Gynäkologin an der Neuen Frauenklinik Kantonsspital Luzern
Stephan Krähenbühl, Präsident Swissmedic-Kommission, Experte Medikamentensicherheit, Chefarzt Unispital Basel
Thomas Cueni, Geschäftsführer Interpharma

«Rundschau»

Sendungslogo «Rundschau»

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20:55 Uhr.