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Keine Zunahme an IV-Renten wegen Long Covid
Aus Rendez-vous vom 13.06.2022.
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Umstrittene Behördenzahlen Long-Covid führt bislang nicht zu mehr IV-Neurenten

Die Invalidenversicherung meldet bislang keinen Anstieg der Anzahl Renten. Doch das könnte noch ändern.

Schweizweit haben letztes Jahr knapp 1800 Menschen einen Antrag für eine IV-Rente gestellt, die an Covid erkrankt sind. Wie Florian Steinbacher, Präsident der IV-Stellenkonferenz, ausführt, können das auch Fälle sein, die mit Covid, aber nicht ausschliesslich wegen der Folgen einer Covid-Infektion im IV-Verfahren sind.

Erst seit Anfang dieses Jahres würden jene Patientinnen und Patienten, die ausschliesslich an den Folgen einer Covid-Erkrankung leiden, gesondert erfasst, so Steinbacher.

Das Beispiel Tessin

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Legende: Keystone

Derzeit melden sich bei den IV-Stellen vor allem Patientinnen und Patienten, die über chronische Müdigkeit oder Muskelschmerzen klagen – eine mögliche Folge einer früheren Covid-Infektion. Im Tessin sind während der ersten Pandemiewelle 2020 besonders viele Menschen infiziert worden. Wer deswegen aber von einer Schwemme an IV-Anträgen aus der Südschweiz ausgeht, täuscht sich: Im Tessin haben 2021 rund 50 Personen einen IV-Antrag wegen der Folgen ihrer Covid-Erkrankung gestellt – und nicht einmal fünf von ihnen erhielten bislang eine IV- Rente.

An den tiefen Fallzahlen ändere das aber nichts, sagt der IV-Chef. Bisher habe rund die Hälfte der Antragssteller und -stellerinnen finanzielle Zuschüsse erhalten. Die meisten Gelder wurden für die berufliche Wiedereingliederung gesprochen. Eine IV-Rente bekommen nur die allerwenigsten.

Bloss Spitze des Eisbergs?

Chantal Britt zweifelt die aktuellen Zahlen der IV an. Sie ist Präsidentin der Patientenorganisation Long Covid Schweiz – und seit Kurzem selber eine Antragsstellerin für eine IV-Rente wegen der Langzeitfolgen von Covid. «Das ist bloss die Spitze des Eisbergs», ist sie überzeugt.

Zwar habe man in den letzten zwei Jahren viel über Long Covid gelernt, doch das habe sich noch nicht bei der Begutachtung der einzelnen Fälle niedergeschlagen, so Britt.

Die vielen Fälle, in denen die Menschen nicht hospitalisiert waren, sind klinisch viel schwieriger abzuklären.
Autor: Chantal Britt Präsidentin der Patientenorganisation Long Covid Schweiz

Bei ihrer Organisation sehe man viel mehr Fälle von Long Covid als die Zahlen der IV vermuten liessen. Bislang seien vor allem die klaren Fälle abgeschlossen worden.

«Doch viel schwieriger sind die vielen Fälle, in denen die Menschen nicht hospitalisiert waren – sie sind klinisch viel schwieriger abzuklären, weil man nicht unbedingt etwas nachweisen kann.»

Schwierig nachzuweisende Beschwerden

Long Covid ist für Britt so etwas wie das neue Schleudertrauma – eine Schmerzkrankheit, die nicht einfach beweisbar ist und darum für die Betroffenen die Chance auf eine IV-Rente klein macht.

Darauf angesprochen betont IV-Chef Steinbacher: «Bei den unklaren Beschwerdebildern hilft uns die Rechtsprechung.» Diese habe festgehalten, dass für die Beurteilung Standard-Indikatoren angewendet werden müssten. «Das wird systematisch getan – für alle gleich, egal ob für Fälle von Long Covid oder andere Pathologien».

Steinbacher geht derzeit nicht davon aus, dass die IV-Renten aufgrund von Long Covid künftig stark steigen werden. Ein Grund für seinen Optimismus sind die Long-Covid-Medikamente, die entwickelt werden, um den Menschen zu helfen, die an den Folgen einer Covid-Infektion leiden.

Hoffen auf neue Medikamente

«Wir haben noch einen weiten Weg vor uns», sagt die Präsidentin der Patientenorganisation Long Covid Schweiz. Sie hofft, dass das für die Erforschung von Long Covid nötige Geld in die Hand genommen wird. «Wir können nicht einfach zuschauen, wie ein Grossteil der arbeitsfähigen Bevölkerung behindert wird und wir dagegen nichts tun.»

Bis es eine wirksame Behandlung für Long-Covid-Patientinnen und -Patienten gibt, werden die nackten Zahlen der IV wohl noch viel zu reden geben.

Rendez-vous, 13.06.2022, 12:30 Uhr

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