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Umwälzung der Medienlandschaft Hat der Qualitätsjournalismus eine Zukunft?

Google, Facebook und Co. drängen auf den hiesigen Medienmarkt, das Nutzerverhalten ändert sich fundamental. Die Eidgenössische Medienkommission hat Empfehlungen ausgearbeitet, wie die journalistische Qualität gesichert werden kann.

Legende: Audio Sorgen um die Schweizer Medienlandschaft abspielen. Laufzeit 03:59 Minuten.
03:59 min, aus Echo der Zeit vom 30.10.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die ausländische Konkurrenz von Facebook, Google und Co. setzt die Schweizer Medien unter Druck.
  • Sie müssen mit der Digitalisierung Schritt halten und sich auf die veränderten Bedürfnisse der Nutzer einstellen.
  • Zu diesem Schluss kommt die Eidgenössische Medienkommission EMEK, die den Bundesrat in Medienfragen berät.
  • Die Kommission macht sich grosse Sorgen um die Qualität der Medienangebote in der Zukunft. Gleichzeitig warnt sie aber vor zu starken staatlichen Eingriffen.

Tiefgreifende Veränderungen in der Medienlandschaft stellt die Eidgenössische Medienkommission EMEK in den letzten Jahren fest. Aus einem System mit nationalen Massenmedien entwickle sich zunehmend ein globales Medien- und Kommunikationssystem.

Markus Spillmann
Legende: Spillmann fordert ein Bekenntnis der Politik zum Qualitätsjournalismus. Keystone

Die Medienkonsumentinnen- und konsumenten seien immer weniger mit einem einzigen Anbieter verbunden, sagt Markus Spillmann, ehemaliger Chefredaktor der «Neuen Zürcher Zeitung» und Mitglied der Medienkommission: «Sie wollen jederzeit mobil auf Inhalte zugreifen können, und sie machen damit, was sie wollen.» Die Nutzer könnten heute Inhalte weitergeben, sharen, liken, disliken, kommentieren.

Herausforderung für traditionelle Medien

Soziale Netzwerke wie Facebook und Suchmaschinen wie Google würden immer wichtiger, junge Menschen würden sich fast ausschliesslich über digitale Angebote informieren. Die traditionellen Medien müssten sich diesem Trend unbedingt anpassen.

Gefordert sei ein grösseres Verständnis für Plattformen und andere Internetdienste, heisst es im Papier. Sonst sieht die EMEK schwarz für die Zukunft der Schweizer Medienhäuser: «Dann besteht die Gefahr, dass man über kurz oder lang nicht mehr erfolgreich am Markt sein wird.»

Qualitätsjournalismus ade?

Doch während die traditionellen Massenmedien journalistische Standards pflegen, gingen diese in der digitalen Medienwelt zunehmend verloren, sorgt sich die Kommission. Journalistische Inhalte und Werbung würden sich immer mehr vermischen. Aufwendige journalistische Recherchearbeit sei kaum mehr zu finanzieren.

Im besten Fall erlebe der Journalismus in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren eine «Wiedergeburt» und gewinne wieder an Bedeutung und Zustimmung. Im schlimmsten Fall aber komme es zu einer totalen Verarmung und unabhängige Information in der Schweiz verschwinde oder werde wirkungslos. Für eine direkte Demokratie, die auf informierte Bürgerinnen und Bürger angewiesen ist, ein Horrorszenario.

Der Konsument muss wissen, was aus journalistischer Produktion von Inhalten entstanden ist.
Autor: Markus SpillmannMitglied der Eidgenössischen Medienkommission

Um diese «Trumpisierung» oder «Berlusconisierung» zu verhindern, sagt Markus Spillmann, empfehle die EMEK den Medienanbietern in der Schweiz, journalistische oder publizistische Inhalte besser erkennbar zu machen: «Der Konsument muss wissen, was aus journalistischer Produktion von Inhalten entstanden ist. Zweitens fordern wir, dass internationale Anbieter – Facebook, Google und Co. – stärker in die Pflicht genommen werden.» Wobei der Kommission bewusst ist, dass dies nur auf internationaler Ebene geschehen kann.

Qualität im journalistischen Bereich soll als solche erkennbar werden, zum Beispiel durch die Einführung eines Qualitätslabels. Journalistische Produkte, die bestimmten Standards entsprechen, will die EMEK zudem staatlich fördern lassen. Zum Beispiel, indem der Bund Infrastrukturen wie eine digitale Plattform finanziell unterstützt.

Steuerabzüge für Konsumenten von Qualitätsmedien?

Die Kommission entwickelt aber auch aussergewöhnliche Ideen wie Steuerabzüge für alle Schweizerinnen und Schweizer, die Qualitätsmedien konsumieren. Ansonsten warnt die Kommission vor weiteren staatlichen Eingriffen im Medienbereich, was als Wink an das Departement von Doris Leuthard verstanden werden kann, das zurzeit den Entwurf für ein neues Bundesgesetz über elektronische Medien ausarbeitet.

Vielmehr könnte sich die Kommission vorstellen, dass man gewisse Rahmenbedingungen für Medien neu ganz allgemein in der Bundesverfassung verankert. Ziel dieses Verfassungsartikels wäre es, sagt Spillmann, «dass man die Werte des Journalismus – auch für die nationale Kohäsion – in Worte fasst und als Prinzip festhält, dass man daran festhalten möchte.»

So oder so, ist sich die Kommission einig: Im Medienmarkt Schweiz sei in den nächsten Jahren mit weiteren grossen Umwälzungen zu rechnen, heisst es im Papier.

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Weshalb denn überhaupt noch Zeitung lesen oder Nachrichten hören. Alles ist nur noch ein Einheitsbrei aus schlechten und schrecklichen Begebenheiten. Sucht Euch doch mal etwas positives. Das will Keiner lesen oder hören. Und gibt es im sogenannten Sport irgendwo Gewinner, fragt man sich gleich, ob Alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Die Ära des Negativen ist Tatsache geworden.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Solange es unsere "Qualitätsjournalisten" nicht fertig bringen, Berichte von Kommentaren zu trennen, sind die grundlegenden Anforderungen an die Medien nicht erfüllt. Gerade Spielmanns NZZ ist voll auf Linie der Atlantik-Brücke. Das hat leider gar nichts mehr mit Qualitätsjournalismus, der den Leser informiert statt manipuliert, zu tun.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich glaube, dass sich in Zukunft die völlige Ehrlichkeit und die Wahrheit und die Gerechtigkeit durchsetzen wird. Es braucht nur einer anzufangen mit solchem Journalismus und alle werden sich an diese "Berichterstattung" wenden. Warum es bis heute nicht möglich ist, nach diesen Kriterien zu leben, ist für mich ein Rätsel. Wenn wir das zulassen, können immer wieder Lösungen gefunden werden. Wir dürfen nicht meinen, die Gerechtigkeit neu erfinden zu müssen, denn sie ist vom Leben vorgegeben.
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