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Viel zu tun im Berner Notfall: Die Suche nach den Gründen
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 23.06.2022.
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Unfälle, Hitze, Alkohol Schweizer Notfallstationen sind wieder voll

Acht Stunden Wartezeit, abgewiesene Patienten: Notfallstationen sind «maximal belegt» – die Gründe sind unklar.

Im Notfall des Berner Inselspitals herrscht derzeit fast an jedem Tag die gleiche Situation: «Maximal belegt», heisst es. «Wir sind dabei nicht die einzigen in der Region», sagt Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt des Notfallzentrums beim Berner Inselspital. Auch aus dem Spitalzentrum Biel heisst es: «Es besteht in der Notfallstation eine sehr hohe Auslastung.» Darunter seien auch schwere Fälle.

Basel: «Nur noch Kapazitäten für dringende Fälle»

Überlastete Notfallstation – dieses Bild zeigt sich auch am Basler Universitätsspital (USB). Am vergangenen Hitzewochenende seien auch mitten in der Nacht noch 60 Patientinnen und Patienten auf dem Notfall gewesen. «Wir mussten andere Spitäler und auch die Sanität bitten, keine Personen mehr zu bringen, die nicht auch an anderen Orten medizinisch versorgt werden können», sagt USB-Sprecher Nicolas Drechsler.

«Sonst wären die Wartezeiten bei uns völlig aus dem Ruder gelaufen.» Drechsler schätzt, dass an diesem Wochenende gut 50 Prozent mehr Patientinnen und Patienten gekommen sind. Die Wartezeiten beliefen sich teils auf bis zu acht Stunden.

Bei Kindern kommen zusätzliche Vireninfektionen dazu

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Legende: Keystone

Auch auf der Notfallstation des Universitären Kinderspitals beider Basel (UKBB) zeigt sich ein ähnliches Bild. Seit Anfang Jahr seien deutlich mehr Kinder krank als in anderen Jahren, sagt UKBB-Sprecher Martin Bruni. «Wir gehen davon aus, dass die Kinder während Pandemie sehr gut vor Viren geschützt waren. Jetzt stecken sie sich aber umso mehr an.»

So würde zum Beispiel das RS-Virus die Atemwege anfallen. Aber auch das Norovirus sei ein Problem, das Erbrechen und Durchfall auslöst. «Wir können die Notfälle bewältigen. Unser Personal ist aber am Anschlag. Und insbesondere an Wochenenden gibt es sehr lange Wartezeiten», sagt Bruni.

Grundsätzlich stellt das UKBB auch fest, dass Eltern mit ihren Kindern oft auf den Notfall kommen, obwohl dies aus medizinischer Sicht nicht nötig wäre.

Der Anstieg habe unter anderem mit dem Anstieg der Coronafälle zu tun, heisst es aus Basel. In Biel und Bern betonen die Verantwortlichen, dass es sich bei ihren Patienten nicht um Covid-Erkrankte handelt. «Es sind medizinische Fälle des alltäglichen Lebens wie Unfälle oder Herz-Kreislauf-Probleme», sagt Aristomenis Exadaktylos.

Hitze und Alkohol

Ob die Hitze der letzten Tage eine Rolle spielt? Der Berner Chefarzt schliesst es nicht aus. Die hohen Temperaturen seien aber nicht ausschlaggebend. Vielmehr habe es wohl damit zu tun, dass sich die Leute vermehrt draussen aufhalten.

Das sieht man auch in Basel so: «Draussen gibt es mehr Unfälle. Weiter kommen auch Dinge wie Alkohol oder nächtliches Baden dazu», so Spitalsprecher Nicolas Drechsler. Auf der anderen Seite leide das Spitalpersonal noch immer unter den Folgen der Pandemie. Gerade der Notfall sei unterbesetzt. Neue Fachkräfte einzustellen, sei schwierig.

Menschen an einem See
Legende: Schönes Wetter, hohe Temperaturen: Die Leute halten sich gerne draussen auf – was zu Unfälle führen kann. Keystone

Doch abgesehen vom derzeitigen Sommerwetter haben die Notfallstationen auch sonst mehr zu tun als noch vor einem Jahr. In Bern müssen gemäss Aristomenis Exadaktylos rund 500 Menschen pro Monat mehr als im Vorjahr im Notfall behandelt werden.

Gefragter Notfall

Generell sei nach der akuten Phase der Pandemie ein Anstieg zu verzeichnen – auch international. Die Gründe sind laut den Fachleuten nicht ganz klar. Vermutlich gebe es einen hohen Nachholbedarf; viele Leute haben während der Coronakrise Gesundheitseinrichtungen gemieden. Zudem war für die Menschen die Coronazeit anspruchsvoll, was sich noch heute auf die Gesundheit auswirken kann.

Der Bedarf an medizinischer Versorgung ist also gestiegen. «Und dieses Bedürfnis wird in erster Linie durch Notfalleinrichtungen aufgefangen», so Exadaktylos vom universitären Notfallzentrum in Bern.

Sanitätern im Einsatz
Legende: Enge Zusammenarbeit: Die Spitäler arbeiten eng zusammen – und versuchen, einen Teil der Arbeit den Sanitätsdiensten abzugeben. Keystone

Weil im Notfall Personal fehlt, müssen Fachkräfte aus anderen Abteilungen aushelfen – was aber schwierig ist. Dort fehlen sie dann, weshalb nicht dringende Eingriffe immer weiter verschoben werden.

«Wir arbeiten mit diversen anderen Notfallstationen und der Sanitätspolizei eng zusammen, damit wir garantieren können, dass Personen im Notfall versorgt werden», so Aristomenis Exadaktylos. Das klappe bis jetzt noch recht gut.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 23.06.2022, 06:31 Uhr;

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