Ungenügende Noten für DEZA-Strategie im Mittleren Osten

Die humanitäre Hilfe der Schweiz im Mittleren Osten ist in den letzten fünf Jahren nicht optimal verlaufen. Eine von der DEZA angestrengte Evaluation ortet verzettelte Projekte, Personal am Anschlag und mangelhafte Kooperation mit anderen Stellen. Die Strategien sollen nun angepasst werden.

Rund 125 Millionen Franken für humanitäre Hilfe sind in den letzten fünf Jahren aus der Schweiz in den Mittleren Osten gegangen – nach Syrien, in den Irak, nach Jordanien und in den Libanon. Ob ihre Strategie für die Region in dieser Zeit die richtige gewesen ist, hat die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in einer Evaluation überprüfen lassen.

Das englischsprachige Dokument, das vor wenigen Tagen kommentarlos ins Internet gestellt wurde, lobt zwar die Arbeit des DEZA-Personals in der Krisenregion, kommt aber zu kritischen Schlüssen.

So habe die Schweiz noch einen langen Weg vor sich, bis man von einem «wirklichen Verständnis der Situation» im Mittleren Osten sprechen könne. Die Schweiz habe ihre Rolle in der Fülle von internationalen Akteuren noch nicht gefunden.

Empfehlung: Weniger, dafür grössere Projekte

Von suboptimalen Entscheiden auf verschiedensten Ebenen ist im Papier ebenfalls die Rede. Es mangle an Koordination zwischen den verschiedenen Bundesstellen. Zu viele Kleinstprojekte im Umfang von weniger als 200‘000 Franken seien in der Region umgesetzt worden.

«  Schweiz hat ihre Rolle noch nicht gefunden »

Evaluation DEZA 2010-2014

Dies wiederum führe zu einem verzettelten Angebot von Hilfsprojekten, das kaum mehr bewältigt oder überwacht werden könne. Die Evaluation empfiehlt deshalb, sich auf weniger, dafür grössere Projekte zu konzentrieren.

Kritik akzeptiert

Thomas Oertle, Leiter der Abteilung Mittlerer Osten und Nordafrika bei der Humanitären Hilfe in der DEZA, akzeptiert die Kritik: «Die DEZA hat auch Massnahmen getroffen, um das Programm im Mittleren Osten stärker zu fokussieren. Es werden längerfristige und grössere Projekte aufgegleist.»

Annehmen will sich Oertle auch der Lage des DEZA-Personals vor Ort, die laut Evaluation alarmierend ist. Von hoher Fluktuation spricht das Papier: Die lokalen Büros glichen einem Motor, der zu heiss gelaufen sei. Die Prüfexperten hätten Personal angetroffen, das zweifle, ob es die Erwartungen erfüllen könne und deshalb das Vertrauen verloren habe.

Aufgabenteilung zwischen Feld und Zentrale verbessern

Abteilungsleiter Oertle bestätigt auch diese Eindrücke: «Der Kontext ist sehr belastend für alle Mitarbeitenden vor Ort. Dies insbesondere für lokale Mitarbeitende, die zum Teil Freunde oder Verwandte haben, die direkt vom Konflikt betroffen sind. Deshalb muss man das extrem ernst nehmen.»

Die DEZA werde versuchen, den Druck auf das Personal zu verringern, verspricht Oertle. Zum einen, indem die Aufgabenteilung zwischen Feld und Zentrale verbessert werde. Zum anderen, indem man bei der Rekrutierung von neuem Personal darauf achte, dass dieses mit der schwierigen Situation umgehen könne.

Symbolbild für DEZA-Hilfe

Bildlegende: DEZA arbeitet an neuer Strategie für den Mittleren Osten. Reuters/Archiv

DEZA: Kein Rückzug aus Irak

Nicht vollumfänglich folgen will die DEZA hingegen der Empfehlung in der Evaluation, ganz aus der Humanitären Hilfe im Irak und in Jordanien auszusteigen, da vor allem im Irak bereits massive internationale Hilfe vorhanden sei. Stattdessen könne man sich auf Syrien und den Libanon zu konzentrieren.

Aufgrund der Evaluation werde sicher das Engagement im Libanon verstärkt, betont Oertle. Gleichzeitig sei aber Jordanien die regionale Schnittstelle, wo die humanitären und Entwicklungsakteure für die Region sich austauschten. Es sei deshalb nicht angezeigt, aus Jordanien vollständig auszusteigen.

Die Evaluation sei zudem zu einer Zeit durchgeführt worden, als es im Irak noch relativ ruhig gewesen sei. Inzwischen gehöre das Land aber zu einer der vier weltweit grössten humanitären Krisen der Gegenwart: «Deshalb können wir nicht aus dem Irak aussteigen.»

Die neue verbesserte Strategie für den Mittleren Osten für die Jahre 2015-2018 wird gemäss Oertle im Mai oder Juni vorliegen.