Unispital stoppt Geschäft mit Baby-Fotografen

Was gibt es für Eltern Schöneres als die Geburt eines Kindes? Natürlich möchten sie diesen Moment für immer festhalten. Professionelle Fotografen schlagen daraus Profit, indem sie schon am Spitalbett ein Fotoshooting mit dem Säugling anbieten. Davon hat das Universitätsspital Basel jetzt genug.

Eine Frau schiesst ein Foto von einem Neugeborenen mit einem iPhone.

Bildlegende: Kaum auf der Welt, folgt schon das erste Blitzlichtgewitter. Keystone

Babysmile ist ein deutsches Unternehmen mit Ablegern in der Schweiz, das sich ganz der Neugeborenen-Fotografie verschrieben hat. Nach eigenen Angaben unterhält es Verträge mit elf öffentlichen und privaten Schweizer Spitälern. Auch das Universitätsspital Basel hat einige Jahre mit Babysmile zusammengearbeitet.

Per 1. Juli ist damit Schluss, sagt Mediensprecherin Sabina Heuss: «Wir sind der Meinung dass Verkaufsaktionen auf einer Geburtenstation nichts zu suchen haben.»

Mutter und Kind sollen ihre Ruhe haben

Das Spital sah ein, dass es heikel ist, forsch auftretende und profitorientierte Geschäftemacher an das Wochenbett einer erschöpften und emotional aufgewühlten Mutter treten zu lassen. Ausserdem musste ob den Fotoshootings mit den überglücklichen Eltern auch schon einmal ein Arzt auf Mutter und Kind warten.

Es häuften sich die Reklamationen von Eltern über das Angebot: Ihnen wird für stolze 350 Franken ein ganzes Paket mit Fotobuch, Kalender und Postkarten nach Hause geschickt. Wer es nicht will, muss es zurückschicken. Auf Internetforen gibt es von betroffenen Eltern neben einigem Lob auch viel Tadel: «Für mich ist das absolute Abzocke», schreibt dort jemand. Und fährt fort: «Sorry, nicht dreist werden!»

Weitere Spitäler überdenken Zusammenarbeit

Als Gegenleistung für die Lizenz zum Geschäftemachen bietet Babysmile den Spitälern an, ihre Online-Babybildergalerie zu unterhalten. Diese sind überall sehr beliebt und werden von den Eltern gewünscht. Deshalb hat das Unispital Basel jetzt eine eigene Stelle für Babyfotografie geschaffen – ohne kommerzielles Angebot.

Das Aargauer Kantonsspital Baden, das mit Babysmile ebenfalls unzufrieden war, arbeitet seit einem Jahr mit einem anderen Anbieter zusammen. Weitere angefragte Spitäler sind mit Babysmile zufrieden oder überprüfen die Zusammenarbeit demnächst. Babysmile selbst will sich grundsätzlich nicht dazu äussern.